Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek | Bildquelle: dpa

Zentralrat der Muslime "Bierhoff und Grindel müssen zurücktreten"

Stand: 11.07.2018 09:10 Uhr

Die Nationalmannschaft ist längst aus dem WM-Turnier ausgeschieden, doch der Fall Özil erhitzt noch immer die Gemüter. Jetzt fordert der Zentralrat der Muslime den Rücktritt von DFB-Teammanager Bierhoff und Verbandschef Grindel.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland hat den Rücktritt von DFB-Teammanager Oliver Bierhoff und Verbandschef Reinhard Grindel gefordert. "Rohes Spiel wird im Sport mit einer Roten Karte bestraft", wird Aiman Mazyek in einem Bericht des amerikanischen Senders ESPN zitiert. "Bierhoff und Grindel müssen zurücktreten, wenn sie in ihrer langen Karriere nichts anderes gelernt haben als: 'Du verlierst als Özil' anstelle von 'Du verlierst als Mannschaft'", sagte Mazyek.

Özil überreicht Erdogan ein Trikot | Bildquelle: TURKISH PRESIDENTAL PRESS OFFICE
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Özil überreicht Erdogan ein Trikot - und löst einen Eklat aus

Zum Sündenbock gemacht

Hintergrund sind Aussagen Bierhoffs und Grindels, die Nationalspieler Mesut Özil zum Sündenbock für das deutsche WM-Scheitern machten. Bierhoff deutete an, dass man vor dem Turnier in Russland die Nominierung Özils hätte überdenken müssen. Anschließend sagte er, dass er missverstanden worden sei. Im Vorfeld der WM hatten Özil und Ilkay Gündogan durch gemeinsame Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für einen Eklat gesorgt.

Die frühere Bundesbeauftragte für Integration, Aydan Özoğuz, warnte vor langfristigen Folgen durch die erhitzten Debatten um Özil und Gündoğan. "Die Debatte treibt schon etwas merkwürdige Blüten", sagte Özoğuz der Nachrichtenagentur dpa. Natürlich sei das vor der Fußball-WM entstandene Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan "für viele, die mit Sorge die Lage in der Türkei verfolgen, enttäuschend und schwer nachvollziehbar".

Dass das Thema auch nach zwei Monaten noch so hochgekocht werde, zeige, in welche Atmosphäre die Debatte fällt. "In den letzten Jahren haben viele Dinge Spannungen im deutsch-türkischen Verhältnis und Vorbehalte auf allen Seiten erzeugt", betonte die SPD-Politikerin.

Umstrittene Fotos

Im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Ilkay Gündogan hat sich Özil noch nicht zu den Aufnahmen im Mai in London geäußert. DFB-Präsident Grindel forderte in einem Interview eine Erklärung Özils zu den umstrittenen Fotos und machte zumindest indirekt diese Erklärung zur Bedingung einer Fortsetzung von Özils Karriere im DFB-Trikot.

Mazyek ist mit seiner Kritik nicht allein. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet twitterte: "Auf die Idee, dass ein Foto mit Erdogan an der Niederlage gegen den Fußball-Giganten Südkorea Schuld sein soll, können auch nur DFB-Funktionäre nach drei Wochen Nachdenken kommen."

Kurz vor Beginn der WM hatte DFB-Präsident Grindel die Spieler noch verteidigt. Sie hätten nicht gewusst, dass die Fotos zu Wahlkampfzwecken benutzt würden. "Wir haben darüber gesprochen, es war ein Fehler, das haben die beiden eingesehen. Jetzt sollte der Fußball im Mittelpunkt stehen", forderte Grindel damals in der ARD.

Debatte über Özil lebt wieder auf
U. Lueb, ARD Berlin
11.07.2018 11:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juli 2018 um 08:00 Uhr.

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