Aktivisten vor einem Braunkohletagebau in Welzow (Brandenburg) | Bildquelle: dpa

Interesse an Übernahme von Vattenfalls Kohlesparte Ein Greenpeace-Angebot, das keines ist

Stand: 20.10.2015 15:51 Uhr

Vattenfall will seine Braunkohlesparte in Deutschland verkaufen. Drei Interessenten gibt es. Einer ist die Umweltschutzorganisation Greenpeace, doch Geld bezahlen will sie nicht. Im Gegenteil. Was hinter dem ungewöhnlichen Angebot steckt.

Von Jan Garvert, HR, ARD-Hauptstadtstudio

Ein ernstgemeintes Angebot kann man das nicht nennen. Eher eine PR-Aktion, um Aufmerksamkeit dafür zu bekommen, welche Folgekosten am Braunkohletagebau hängen.

Denn selbst Geld ausgeben, um die deutsche Braunkohlesparte des Vattenfall-Konzerns zu übernehmen, will Greenpeace nicht, sagt Nils Müller, Vorstand des Stromversorgers Greenpeace Energy. Kraftwerke und Tagebau seien nichts wert, meint Greenpeace.

Greenpeace: Vattenfall ist nichts wert

Die Umweltaktivisten machen dazu folgende Rechnung auf: Der Wert des deutschen Kohlegeschäfts von Vattenfall liege bei weniger als einer halben Milliarde Euro. Das hat für sie eine Beratungsgesellschaft ausgerechnet.

Greenpeace-Nordic-Chefin Annika Jacobson | Bildquelle: AFP
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Einen Kaufpreis will Greenpeace nicht nennen, sagte Annika Jacobson bei der Verkündung des "Statement of Interest".

Dann hat Greenpeace selbst noch etwas gerechnet und dabei herausgefunden, dass die Folgekosten zum Beispiel für Renaturierung der Tagebaue oder den Rückbau der Kraftwerke bei zwei Milliarden Euro liegen würden.

Ganz zu schweigen von mehreren Milliarden Euro weiterer Kosten für Gesundheitsschäden, Luftverschmutzung und CO2-Ausstoß, sagt Annika Jacobsen, Chefin des schwedischen Greenpeace-Ablegers. "Wer diese Kosten nicht berücksichtigt, setzt ganz offensichtlich darauf, diese Kosten auf den deutschen Staat und die Allgemeinheit abzuwälzen."  

Vattenfall soll Stiftung werden

Noch nicht einmal geschenkt haben will Greenpeace deshalb die Tagebaue und Kohlekraftwerke in der Lausitz. Das "Angebot" von Greenpeace sieht deshalb vor, dass Vattenfall noch einmal ein paar Milliarden oben drauf legt. Aber auch dann würde Greenpeace Tagebaue und Kraftwerke nicht selbst haben wollen, sondern in eine Stiftung überführen: "Die Stiftung würde sicherstellen, dass der Großteil der Braunkohle in der Erde bleibt und dass Tagebau und Stromproduktion zurückgefahren werden, ohne soziale Verwerfungen zu erzeugen oder die Versorgungssicherheit zu gefährden," erläutert Jacobsen.

Kein Kommentar vom Verkäufer

Langfristig soll die Stiftung aus Vattenfall ein Erneuerbare-Energien-Unternehmen machen. Noch heute will Greenpeace sein Gebot offiziell bei der Bank abgeben, die Vattenfall mit dem Verkauf seiner Braunkohlesparte beauftragt hat.

Greenpeace warnte zugleich davor, die Sparte an zwei tschechische Energieunternehmen zu verkaufen. Die planten, die klimaschädlichen Kraftwerke weiterzubetreiben. So werde die Energiewende nicht gelingen.

Vattenfall wollte das Greenpeace-Angebot nicht kommentieren. Das sei so üblich in Bieterverfahren. Da werde jeder Interessent gleich behandelt. 

Greenpeace steigt ins Kohle-Geschäft ein
Jan Garvert, ARD Berlin
20.10.2015 15:26 Uhr

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