Bundesaußenminister Sigmar Gabriel spricht auf dem Parteitag der SPD. | Bildquelle: dpa

Gabriel im "Bericht aus Berlin" Europa darf seine Stimme nicht verlieren

Stand: 10.12.2017 22:57 Uhr

Europa soll stärker werden - das Ziel hat sich SPD-Chef Schulz mit den "Vereinigten Staaten von Europa"gesetzt. Rückhalt bekam er von Bundesaußenminister Gabriel. Wenn einer neue Ideen habe, sollten nicht gleich alle über ihn herfallen, konterte Gabriel die Kritik.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hat sich im "Bericht aus Berlin" klar hinter die Forderung seines Parteichefs Martin Schulz für die Gründung der "Vereinigten Staaten von Europa" gestellt. Schulz will auf diesem Wege die Kooperation der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten bis 2025 stärken und hat sich die Forderung als einen der Kernpunkte in den Verhandlungen über eine mögliche Große Koalition mit der Union auf die Fahne geschrieben. Bei der CDU und CSU stößt er mit diesem Vorstoß allerdings auf Gegenwind.

Von Einzelstaaten zur Interessenvertretung aller

"Die Politik wird häufig dafür kritisiert, dass sie keine Visionen habe", konterte Gabriel die Kritik an Schulz' Vorstoß: "Jetzt hat mal jemand eine Idee - nämlich Martin Schulz - wie es sich mit Europa weiterentwickeln soll, und dann fallen gleich alle über ihn her." Europa müsse sich zu einer "Interessenvertretung der Bürger Europas in der Welt" entwickeln. Das gelänge den einzelnen Staaten nicht mehr allein.

"Die Welt verändert sich", führte Gabriel weiter aus: Asien, Lateinamerika, Afrika. Nur Europa werde kleiner. "Und wenn wir nicht zusammenstehen, dann werden unsere Kinder in der Welt keine Stimme mehr haben."

Nicht das Europa, das die Menschen jetzt kennen

Einwände, dass mit 48 Prozent fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung in Umfragen die Pläne von Schulz ablehnt, wischt Gabriel beiseite. "48 Prozent der Deutschen wollen ein Europa nicht, wie sie es jetzt kennen! Ein Europa, das zu bürokratisch ist, das sich in die Kleinteiligkeit unseres Lebens einmischt." Das wolle Schulz genauso wenig. "Das will niemand", unterstrich Gabriel.

Er zeigte sich überzeugt, wenn man die Menschen in Deutschland fragen würde: "Sind Sie der Überzeugung, dass Europa in der Welt die Stimme sein muss für Freiheit und Menschenrechte, für fairen Handel, für Frieden, für Abrüstung, für Wiederaufbau, für die Bekämpfung des Hungers in der Welt? Dann werden ganz sicher weit mehr als 80 oder 90 Prozent sagen: Ja, das ist richtig."

Über dieses Thema berichtete Bericht aus Berlin am 10. Dezember 2017 um 18:30 Uhr.

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