Martin Schulz und Sigmar Gabriel | Bildquelle: REUTERS

SPD-Kanzlerkandidatur Wieder eine Sturzgeburt

Stand: 24.01.2017 19:38 Uhr

Geordnet sollte es diesmal zugehen bei der SPD und der K-Frage. Doch die Kür geriet erneut zur Sturzgeburt. Die Nachricht, dass Gabriel zugunsten von Schulz verzichtet, kam auch für Parteifreunde überraschend. "Das, was ich bringen konnte, hat nicht gereicht", begründete Gabriel den Rückzug.

Die SPD und die K-Frage - immer spannend, immer überraschend. 2009 der Showdown am Schwielowsee mit dem Abgang von Kurt Beck, 2013 die Sturzgeburt von Peer Steinbrück als Merkel-Herausforderer. Diesmal sollte alles besser werden. Geordnet. Geplant. Mantraartig verwies die SPD-Spitze seit Monaten auf ihren Zeitplan. Am 29. Januar solle der Kandidat gekürt werden.

Auch als der Druck immer größer wurde, nachdem Merkel ihre erneute Kandidatur im November publik gemacht hatte - dröhnendes Schweigen bei den Sozialdemokraten. Das ließ Raum für Spekulationen: Greift Gabriel, der Umstrittene, diesmal zu? Wenn nicht, sei er doch als als Parteichef nicht zu halten. Oder doch Martin Schulz, dem eine enge Freundschaft zu Gabriel nachgesagt wird? Und was ist mit "König Olaf" - Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, der zeigt, wie die SPD doch noch Wahlen gewinnen kann? Einst "Scholzomat", jetzt SPD-Hoffnungsträger - so geht das manchmal bei den Genossen.

Wechsel an SPD-Spitze
tagesschau 20:00 Uhr, 24.01.2017, Ariane Reimers, ARD Berlin

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Alles vorbei. Zum dritten Mal in Folge läuft die Kanzlerkandidatenkür der SPD alles andere als glatt. Zum zweiten Mal in Folge gibt es eine Sturzgeburt: Per Zeitungsinterviews wurde Martin Schulz am Nachmittag zum Kandidaten ausgerufen - kurz bevor Gabriel die SPD-Bundestagsfraktion unterrichtete. Es ist ein doppelter Rückzug: Gabriel legt auch den Parteivorsitz nieder.

Auch für führende SPD-Politiker eine unerwartete Entwicklung: Die Entscheidung überrasche sie sehr, aber sie respektiere sie, sagte Barbara Hendricks. Gabriel habe die Entscheidung "aus einer Position der Stärke heraus gefällt", fügte die Umweltministerin hinzu.

Politprofi Gabriel

Mit seinem Verzicht zugunsten von Schulz bewies Gabriel einmal mehr: Die SPD ist immer für Überraschungen gut. Doch Gabriel ist auch Politprofi. Er weiß um das Murren in seiner Partei über ihn, er gilt als unstet, unberechenbar, nicht wenige stieß er vor den Kopf. Seine Umfragewerte sind mau, auch die der SPD blieben im 20-Prozent-Keller, trotz guter Arbeit in der ungeliebten Großen Koalition.

Gabriel trägt dafür die Verantwortung, er steht seit 2009 an der Spitze der Partei. Solange hielt zuletzt Willy Brandt durch. "Das, was ich bringen konnte, hat nicht gereicht", so Gabriel nun im Magazin "Stern". "Schulz steht für einen Neuanfang. Und darum geht es bei der Bundestagswahl." Und weiter: "Wenn ich jetzt anträte, würde ich scheitern - und mit mir die SPD."

Führende Parteifreunde äußerten Respekt für Gabriels Verzicht. Der linke SPD-Flügel signalisierte Schulz volle Unterstützung. Fraktionschef Thomas Oppermann erklärte, es sei richtig, dass Gabriel auch das Amt des Parteichefs abgebe. Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz gehörten in eine Hand. Die Entscheidung verdiene größten Respekt, es habe in der Fraktion langanhaltenden Beifall gegeben.

Schulz - ein Neuling in der Innenpolitik

Der 61-jährige Schulz war seit 1994 im Europaparlament und zuletzt Präsident. Er schied Mitte Januar aus diesem Amt aus. In der Bundespolitik ist er ein Neuling. Die Bundestagswahl findet am 24. September statt. Viel Zeit zum Einarbeiten in die Tiefen der Innenpolitik bleibt Schulz damit nicht.

Und Gabriel? Er ist 57, kein Alter für die Rente. Im Frühjahr wird er erneut Vater. Mehr Zeit für die Familie? Wohl kaum, Gabriel sieht seine politische Zukunft im Außenministerium. Das sagte er im Interview mit der "Zeit". Er würde damit Nachfolger von Minister Frank-Walter Steinmeier. Steinmeier tritt am 12. Februar bei der Bundespräsidentenwahl als Kandidat der Großen Koalition an.

Auch für den dann vakanten Posten des Wirtschaftsministers kursiert bereits ein Name: Wirtschaftsstaatssekretärin Brigitte Zypries wird Nachfolgerin von Wirtschaftsminister Gabriel, wie dieser am Abend mitteilte. Zypries solle die Position Gabriels bis zur Wahl im September einnehmen. Die parlamentarische Staatssekretärin war zwischen 2002 und 2009 bereits Bundesjustizministerin.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Januar 2017 um 20:00 Uhr.

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