Die Erdgasförderbohrung "Söhlingen Z7" des Mineralölkonzerns ExxonMobil in Söhlingen (Niedersachsen). | Bildquelle: picture alliance / Daniel Reinha

Altlasten der Öl- und Gasindustrie Giftiger Bohrschlamm durch Fracking

Stand: 09.03.2016 03:21 Uhr

Die Öl- und Gasindustrie hat ein gewaltiges Entsorgungsproblem. Giftiger Bohrschlamm aus bis zu 1400 Gruben muss in den kommenden Jahren entsorgt werden. Und wenn das umstrittene Fracking zugelassen werden sollte, könnten zu diesen Altlasten bald noch viel größere Lasten hinzukommen.

Von Jürgen Döschner, WDR

Wie bei jeder Bohrung nach Öl oder Gas fallen auch beim Fracking giftige Bohrschlämme an. Eine Mischung aus Schlamm und Gestein, versetzt mit krebserregenden Kohlenwasserstoffen, Quecksilber, Arsen und radioaktiven Partikeln.

Ein Problem, das in der bisherigen Debatte über die stark umstrittene Fördermethode noch gar nicht beachtet wurde, moniert der für Fracking in der SPD-Fraktion zuständige Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe: "Das Thema Bohrschlamm war bislang nicht Gegenstand der Betrachtungen. Und natürlich muss man hinsichtlich des Frackings im Schiefergestein nochmal über die gesamte Dimension reden."

Bis zu 35 Millionen Tonnen giftige Bohrschlämme

Zumal die Dimension besorgniserregend ist. Nach Berechnungen des WDR könnten bei einer flächendeckenden Zulassung von Fracking in Deutschland zwischen 25 und 35 Millionen Tonnen giftiger Bohrschlämme anfallen. Die Zahlen basieren unter anderem auf Angaben des Umweltbundesamtes, wonach für die Erschließung des technisch förderbaren Schiefergases bis zu 48.000 Bohrungen nötig sind. Bei jeder Bohrung fallen durchschnittlich 550 bis 750 Tonnen Bohrschlamm an.

Für Dirk Jansen, Vorsitzender des Umweltverbandes BUND in Nordrhein-Westfalen ist das eine erschreckende Aussicht. "Wir hätten ja nicht nur ein zusätzliches Aufkommen an hochtoxischen Bohrschlämmen", sagt Jansen. "Wir haben auch ein Problem mit dem sogenannten Flowback, also mit den Frackfluiden und den Lagerstättenwässern. Das ist letztendlich nicht zu lösen - außer man verbietet diese Technologie." 

Neuer Anlauf für ein Fracking-Gesetz nach Ostern?

Die Berichte von WDR und NDR über 720.000 Tonnen giftiger Bohrschlämme, die aus drei alten Gruben in Niedersachsen geborgen und zum großen Teil in Nordrhein-Westfalen entsorgt wurden, haben für großes Aufsehen gesorgt. Auch für NRW-Umweltminister Remmel ist dieser Bohrschlamm ein weiterer Grund dafür, Fracking abzulehnen. Das sei schlicht die Folge von langjähriger Tätigkeit bei der Aufsuchung von Erdöl und insbesondere Erdgas - Stichwort Fracking, so Remmel. "Deshalb wollen wir auch grundsätzlich, dass keine Frackmaßnahmen mehr durchgeführt werden."

Vermutlich nach Ostern soll im Bundestag ein neuer Anlauf gestartet werden, das auch innerhalb der Koalition stark umstrittene Fracking-Gesetz zu verabschieden. Die Bohrschlamm-Problematik dürfte allerdings erst einmal für neue Diskussionen sorgen.

Giftiger Bohrschlamm durch Fracking
J. Weber, WDR
09.03.2016 00:58 Uhr

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