Warnung des Zentralrats der Muslime Muslime fordern Integrationsregeln

Stand: 10.09.2015 12:05 Uhr

In Anbetracht der Flüchtlingskrise warnt der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Mazyek, vor Integrationsproblemen: Es bestehe die Gefahr, dass religiöse Konflikte auch hierzulande ausgetragen würden. Dem müsse entschieden entgegengetreten werden.

Vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Flüchtlingszahlen warnt der Zentralrat der Muslime vor möglichen Problemen. Der Ratsvorsitzende Aiman Mazyek zeigte sich besorgt, dass religiöse Konflikte auch nach Deutschland hineingetragen werden könnten. Dem müsse entschieden entgegengetreten werden: "Jene, die meinen, hier in Deutschland ihre Konflikte auszutragen, die haben sofort ihr Recht, hier zu weilen in Deutschland, verwirkt. Die haben hier nichts zu suchen", sagte Mazyek im Bayerischen Rundfunk.

Aiman A. Mazyek | Bildquelle: picture alliance / ZB
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Eindringliche Warnung vor Problemen bei der Intergration - Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, fordert klare Regeln.

Politik des "Förderns und Forderns"

Für eine gelungene Integration müssten auch die Vorrausetzungen geschaffen werden: "Wir müssen ganz klar hier Regeln aufstellen." Der Zentralrats-Vorsitzende plädierte für eine Politik des "Förderns und Forderns". Wichtig sei vor allem ein schneller Spracherwerb. Zudem müsse zügig den Flüchtlingen deutlich gemacht werden, "wie unser Gemeinwesen aussieht". Ein Beitrag dazu könne sein, das Grundgesetz auf arabisch zu übersetzen.

Auch Experten für Flüchtlingspolitik wie Kilian Kleinschmidt, der eines der größten Flüchtlingslager der Welt in Jordanien geleitet hat, warnen vor Problemen: "Die Integration wird dauern," betonte er im Interview mit dem ARD-Morgenmagazin. In den nächsten Monaten sei es wichtig, Wohnraum und Arbeitsmöglichkeit für die Flüchtlinge zu schaffen. Viele Menschen kämen auch, weil sie im Nahen Osten keine Chance hätten, legal zu arbeiten oder zu studieren.

Warnung vor Stimmungsumschwung

Der ehemalige Generalsekretär von Amnesty International Deutschland, Wolfgang Grenz, warnte unterdessen davor, dass bei einem Festhalten an der aktuellen EU-Asylpolitik die derzeit große Hilfsbereitschaft der deutschen Bevölkerung und die hohe Akzeptanz von Flüchtlingen umschlagen könnten. "Das könnte der Fall sein, wenn es weiterhin bei den wenigen Ländern in der Europäischen Union bleibt, die Flüchtlinge aufnehmen", sagte der Menschenrechtler.

"Schon jetzt kommen rund 60 Prozent der Flüchtlinge nach Deutschland oder Schweden", sagte das Gründungsmitglied von Pro Asyl und Vorstandsmitglied der UN-Flüchtlingshilfe.

Bundesregierung erwartet 800.000 Flüchtlinge

Die Bundesregierung rechnet allein in diesem Jahr mit 800.000 neuen Flüchtlingen. Die Große Koalition hat daher ein umfassendes Maßnahmenpaket beschlossen, um die Folgen der Flüchtlingskrise abzufedern.

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