Flüchtlinge am Bahnhof in München  | Bildquelle: REUTERS

Züge aus Österreich erreichen Bayern 3000 Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof

Stand: 01.09.2015 19:43 Uhr

Seit Montag sind allein in München fast 3000 Flüchtlinge angekommen - mit Zügen aus Ungarn über Österreich. Am Montag hatte Ungarn überraschend erlaubt, ohne Kontrollen Richtung Westen zu reisen. Diese Zugpassage wurde mittlerweile wieder geschlossen.

Nach dem zeitweiligen Stopp der Polizeikontrollen am Budapester Ostbahnhof sind mehrere Tausend Flüchtlinge aus Ungarn in Deutschland eingetroffen. Allein am Münchner Hauptbahnhof kamen seit Montag fast 3000 Flüchtlinge an.

Tausende Flüchtlinge erreichen München per Zug aus Budapest
tagesthemen 22:30 Uhr, 01.09.2015, Christoph Arnowski, BR

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Aus Ungarn über Österreich nach Deutschland

Die Flüchtlinge wurden von der bayerischen Polizei in Empfang genommen, registriert, mit Essen und Getränken versorgt, sowie medizinisch untersucht. Die Stimmung sei sehr entspannt, so ein Sprecher, die Hilfsbereitschaft der Münchner "überwältigend". Viele Bürger kamen zum Hauptbahnhof, um Lebensmittel und Sachspenden zu bringen. So viele, dass die Polizei am Nachmittag bat, nichts mehr zu bringen. "Heute bin ich vor allem stolz auf die vielen Münchner freiwilligen Helfer", sagte Münchens Oberbürgermeister Reiter, als er sich am Hauptbahnhof ein Bild von der Lage machte.

Polizei München @PolizeiMuenchen
Wir sind überwältigt von den vielen Hilfsgütern der #Münchner für die #Flüchtlinge am Hbf. Bitten euch aktuell keine Sachen mehr zu bringen

Auch am Montagabend und in der Nacht sei die Stimmung "ruhig" bis "euphorisch" gewesen, so die Polizei. Viele Flüchtlinge hätten bei ihrer Ankunft "Thank you, Germany" oder "We love you, Germany" gerufen.

Flüchtlinge nicht nach Ungarn zurück

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sicherte zu, die Flüchtlinge nicht nach Ungarn zurückzuschicken. Nach der Dublin-Verordnung ist eigentlich derjenige Mitgliedsstaat für das Verfahren eines Asylbewerbers zuständig, in dem dieser erstmals europäischen Boden betreten hat. Die Neuankömmlinge würden in Bayern registriert und in die Aufnahmeeinrichtungen gebracht, sagte der CSU-Politiker. Das sei "selbstverständlich". Er wisse bisher nicht, warum Ungarn plötzlich den in Budapest wartenden Migranten die freie Weiterfahrt nach Deutschland erlaubt habe. Bundesinnenminister Thomas de Maizière und er seien bemüht, rasch von Ungarn zu erfahren, wie es in den nächsten Tagen weitergehen solle.

"Der Zugang von Asylbewerbern explodiert"

Der Freistaat Bayern forderte indes die Unterstützung aller anderen Bundesländer. "Bayern kann das alleine nicht mehr schaffen", sagte Sozialministerin Emilia Müller in Manching bei Ingolstadt. "Der Zugang von Asylbewerbern explodiert derzeit." Die Flüchtlinge würden nun mit Bussen auf ganz Bayern verteilt - wobei inzwischen zusätzliche Busse geordert worden seien. Außerdem habe Baden-Württemberg bereits Unterstützung zugesagt, berichtete Müller. Die Stadt München stellte nach Angaben der Regierung von Oberbayern mittlerweile eine Halle in der Nähe des Hauptbahnhofs für neu ankommende Flüchtlinge bereit. Zudem bemühe man sich in der Stadt und den anliegenden Kreisen um Not-Kapazitäten, sagte eine Sprecherin.

200 Flüchtlinge erreichen Stuttgart und Frankfurt am Main

Aufnahmelager für Balkan-Flüchtlinge in Manching bei Ingolstadt
tagesschau 17:00 Uhr, 01.09.2015, Christoph Arnowski, BR

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Auch in Stuttgart und Frankfurt am Main trafen Flüchtlinge mit Zügen ein - insgesamt etwa 200. Allein am Stuttgarter Hauptbahnhof wurden in der Nacht gut 100 Migranten aus einem ICE geholt, der auf dem Weg von München nach Dortmund war. So viele Flüchtlinge seien noch nie auf einmal angekommen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Bundespolizisten und Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) händigten den Asylsuchenden Bescheinigungen für die Landeserstaufnahmestelle in Karlsruhe aus.

In Frankfurt am Main kamen am Morgen ebenfalls rund 100 Flüchtlinge mit dem Nachtzug aus Wien an, darunter nach Polizeiangaben mehrere Großfamilien. Die meisten Menschen stammen demnach aus Syrien und Afghanistan. Sie wurden in einer Frankfurter Einrichtung der Bundespolizei registriert und sollten anschließend nach Gießen fahren, um sich dort bei der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung zu melden. Alleinreisende Minderjährige werden vom Jugendamt in Frankfurt in Obhut genommen.

Bundesweit erstes Balkan-Aufnahmezentrum

Die ungarischen Behörden hatten zeitweilig die Kontrollen für Flüchtlinge ausgesetzt und diese ungehindert per Zug weiter nach Österreich und Deutschland fahren lassen. In Wien waren allein am Montag fast 3700 Flüchtlinge eingetroffen - laut Polizei ein neuer Tagesrekord in diesem Jahr. Fast alle reisten weiter nach München.

Ein Großteil der Flüchtlinge kommt aus den Kriegsgebieten Syriens, Nordiraks und aus Diktaturen wie Eritrea. Rund 40 Prozent stammen aber auch vom Balkan und haben wenig Chancen auf ein Bleiberecht.

Speziell für sie hat heute in Bayern das bundesweit erste Aufnahmezentrum für Balkan-Flüchtlinge eröffnet. In einer ehemaligen Kaserne am Rande von Manching bei Ingolstadt sollen künftig 500 Flüchtlinge aus Südosteuropa untergebracht werden. Durch enge Zusammenarbeit der Behörden sollen die Verfahren deutlich schneller als bisher abgewickelt werden. Ziel ist es, abgelehnte Asylbewerber so schnell wie möglich wieder in ihre Heimat zurückzuschicken.

Tausende Flüchtlinge erreichen den Münchner Hauptbahnhof
M. Watzke, DLF
01.09.2015 16:13 Uhr

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Das Erste sendet heute Abend um 20.15 Uhr einen Brennpunkt "Flüchtlingskrise – Wann handelt Europa?"

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