Arbeitende Rentner | Bildquelle: dpa

Beschluss der Koalition Die Flexi-Rente kommt

Stand: 10.11.2015 16:56 Uhr

Rentner sollen künftig länger arbeiten dürfen - wenn sie wollen und können. Hierfür hat die Koalition sich auf eine so genannte Flexi-Rente geeinigt. Sie soll Ruheständlern die Möglichkeit geben, auch nach Beginn der Altersrente dazuzuverdienen.

Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Einfach ums "Früher Aufhören" geht es nicht, sagt Karl Schiewerling, Sozialexperte der Union, im Gegenteil: "Ziel des Ganzen soll es sein, Menschen zu ermutigen, länger in Beschäftigung zu bleiben."

Aber eben nicht unbedingt in Vollzeit. Das wollen viele nämlich nicht bis 67 und hören dann früher gleich ganz auf. Stattdessen soll es die so genannte Flexi-Rente geben. Wer in Teilrente geht, und gleichzeitig in Teilzeit weiterarbeitet - das ist ab 63 Jahren möglich -, der soll künftig mehr von seinem Zuverdienst behalten können.

Ein Anreiz, wenigstens in Teilzeit noch weiterzumachen. Außerdem sollen die Teilzeitrentner frei bestimmen können, wieviel sie noch arbeiten und wieviel zusätzliche Freizeit sie wollen.

Flexi-Rente soll Lust aufs Weiterarbeiten machen

"Die Flexi-Rente will erreichen, dass die Beschäftigten auch gegen Ende ihres Erwerbslebens mehr Lust auf Job haben, weil sie es sich besser einteilen können, die Unternehmer länger von Fachwissen und Erfahrung ihrer älteren Mitarbeiter profitieren und die Stärkung der Altersvorsorge auch in der letzten beruflichen Etappe klar im Blick haben", so CDU-Politiker Schiewerling.

Damit mehr Menschen es auch gesundheitlich schaffen, lange zu arbeiten, will die Koalition Präventions- und Reha-Angebote ausbauen, sagt Katja Mast, Schiewerlings Kollegin von der SPD. "Weil wir wissen: Wenn wir früh investieren, können Erwerbstätige einfach länger im Erwerbsleben bleiben. Wir wollen die Fachkräfte für die Zukunft sichern."

20 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr sollen in Prävention und Reha fließen, nicht nur für Ältere sondern für alle. Und: Für alle, die Mitte 40 sind, wird es freiwillig einen "berufsbezogenen Gesundheitscheck" geben. Bei dem wird festgestellt, was nötig ist, damit der- oder diejenige tatsächlich noch gute 20 Jahre weitermachen kann.

Das alles soll vor dem Rentenalter 67 passieren. Wer nach 67 noch weiterarbeitet, erhält aber auch einen Anreiz: Er kann dadurch künftig seine Rente erhöhen. Das ging bisher nicht. Für Arbeitgeber soll es attraktiv sein, Ältere weiter zu beschäftigen, weil für sie der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung wegfällt. Alles in allem ein dickes Paket.

Zweifel bei den Grünen

Markus Kurth, Rentenexperte der Grünen, bezweifelt aber dennoch, dass es dazu beiträgt, dass mehr Leute länger arbeiten - vor allem für besonders belastende Berufe - für Krankenschwestern, Bauarbeiter, Erzieherinnen - sei zu wenig dabei. "Ich glaube, dass sie die gesetzliche Altersgrenze eher erreichen, wenn sie nicht erst ab 63 sondern schon ab 60 in Teilrente gehen können, und wenn dann auch ihre Abschläge ausgeglichen werden. Das System insgesamt hätte davon unter dem Strich mehr."

Das Gesetzgebungsverfahren beginnt jetzt aber erst einmal mit den Eckpunkten der Koalition - irgendwann im kommenden Sommer könnte das Flexi-Rentengesetz im Bundestag durch sein. Kosten sollen die Veränderungen rund 380 Millionen Euro pro Jahr. SPD und CDU versichern aber, das sei machbar. Weder seien dafür Beitragserhöhungen nötig, noch müsse mehr Steuergeld in die Rentenkasse fließen.

Flexibel in die Rente
A. Krämer, ARD Berlin
10.11.2015 14:43 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 10. November 2015 um 16:43 Uhr auf NDR Info.

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