Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen | Bildquelle: dpa

Ludwigshafen Anschlagsversuche eines Zwölfjährigen

Stand: 16.12.2016 13:05 Uhr

Ein Zwölfjähriger aus Ludwigshafen soll in seiner Heimatstadt zwei Mal einen Bombenanschlag versucht haben, unter anderem auf den Weihnachtsmarkt. Die Bundesanwaltschaft ermittelt. Nach SWR-Informationen könnte es in dem Fall Verbindungen zum IS geben.

Ein zwölfjähriger Deutsch-Iraker hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankenthal zwei Mal versucht, Anschläge im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen zu verüben, darunter auf den Weihnachtsmarkt. So habe der Junge zuletzt am 5. Dezember in einem Gebüsch nahe dem Rathausplatz einen Rucksack abgestellt, in dem sich ein Konservenglas mit einem entzündlichen Pulver befunden habe, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hubert Ströber. Von außen sei der Behälter mit Klebeband umwickelt und mit Nägeln präpariert gewesen. Ein aufmerksamer Passant entdeckte den Rucksack und verständigte die Polizei.

Ströber bestätigte, dass Spezialisten einen Teil der "hochbrisanten Mischung" gesprengt hätten. "Die Polizei hat aus diesem Glas Substanz entnommen und entzündet. Und sie war brennfähig", sagte er. Es gehe aber nicht aus den Akten hervor, wie sich das Pulvergemisch verhalten hätte, wenn es im Glas entzündet worden wäre.

Zuvor hatte der Zwölfjährige am 26. November versucht, einen Nagelbombenanschlag auf den Ludwigshafener Weihnachtsmarkt zu verüben. Doch beim Bau seines Sprengsatzes hatte der Junge nach SWR-Informationen einen Fehler gemacht, die Bombe zündete nicht.

Hilfe über Messenger-Dienste?

Schnell kamen die Ermittler auf den Zwölfjährigen. Doch ein Ermittlungsverfahren gegen ihn gibt es nicht, weil Kinder strafunmündig sind. Erst nach dem 14. Geburtstag müssen sich Jugendliche strafrechtlich verantworten.

Ströber teilte mit, dass die Staatsanwaltschaft Frankenthal daher die Aufnahme von Ermittlungen gegen das Kind abgelehnt und den Fall an den Generalbundesanwalt abgegeben habe. Die Bundesanwaltschaft bestätigte die Ermittlungen. "Aus ermittlungstaktischen Gründen" könnten aber keine näheren Angaben gemacht werden, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde.

Nun geht es vor allem darum, herauszufinden, wer hinter dem Anschlag stehen könnte. Der Junge hatte nach SWR-Recherchen Hilfe, wurde über den Messenger-Dienst Telegram angeleitet. Die Spur führt in Richtung des "Islamischen Staats".

Ermittlungen nach Anschlagsversuchen in Ludwigshafen aufgenommen
tagesschau 20:00 Uhr, 16.12.2016, Frank Bräutigam, SWR

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Noch nie war ein Verdächtiger so jung

Der Fall ähnelt anderen Fällen der vergangenen Monate, in denen es über Messenger-Dienste vom IS Anweisungen an Attentäter gab. Doch in Deutschland war noch niemals ein mutmaßlicher Täter so jung. Der Junge hat nach Aussage von Ströber neben der irakischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit. Er wurde in Ludwigshafen geboren und wohnte dort auch während der Vorfälle.

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Die Bundesregierung zeigte sich über den Verdacht gegen den Zwölfjährigen alarmiert. "Das ist natürlich eine Meldung, die jeden aufschrecken lässt", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Weiter wolle er sich zu dem Fall nicht äußern. Er sagte: "Jetzt halte ich es für das Richtige, den Generalbundesanwalt ermitteln zu lassen."

Ein Sprecher des Bundesjustizministeriums sagte, nur weil jemand nicht strafmündig sei, bedeute dies noch lange nicht, "dass keine Strafbarkeit vorliegt". Schließlich sei es, wenn ein Hund einen Menschen beiße, auch nicht so, dass dafür dann niemand bestraft werden könne.

Mit Informationen von Holger Schmidt, ARD-Terrorismusexperte

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Dezember 2016 u.a. um 12:00 und 13:50 Uhr.

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