Der Reichstag ist angestrahlt in Schwarz-Rot-Gold am Tag der deutschen Einheit | Bildquelle: AFP

Festakt zum Tag der Deutschen Einheit "Nie glücklichere Zeiten"

Stand: 03.10.2015 21:58 Uhr

Bundestagspräsident Lammert hat davor gewarnt, die Deutsche Einheit als selbstverständlich hinzunehmen. Bundespräsident Gauck sieht Parallelen zwischen der Wiedervereinigung vor 25 Jahren und der Integration von Flüchtlingen heute. Die innere Einheit müsse neu errungen werden.

Bei der Jubiläumsfeier am Reichstag hat Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) gemahnt, die Deutsche Einheit und das Zusammenwachsen Europas nicht als Selbstverständlichkeit zu sehen. Er sagte, "glücklichere Zeiten gab es in Deutschland nie, aber wir alle sollten heute nicht für selbstverständlich halten, was wir jahrzehntelang für ausgeschlossen gehalten haben".

Deutschland sei Vorbild und Zufluchtsort

Bundestagspräsident Norbert Lammert (l-r, CDU), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Lothar de Maiziere (CDU) bei der Feierstunde des Deutschen Bundestages zum Tag der Deutschen Einheit | Bildquelle: dpa
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Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Lothar de Maiziere (CDU) bei der Feierstunde des Deutschen Bundestages zum Tag der Deutschen Einheit

Lammert verwies darauf, dass inzwischen die erste Generation des wiedervereinigten Deutschland herangewachsen ist. Und weiter: "Zum ersten Mal überhaupt in der deutschen Geschichte leben wir in Frieden mit allen unseren Nachbarn." Deutschland sei Vorbild und Zufluchtsort für viele, und für manche sogar ein Sehnsuchtsland. Daraus sei eine besondere Verantwortung entstanden, der mit Selbstbewusstsein und Augenmaß Rechnung getragen werden sollte. Das Glück der Einheit sollte Ermutigung sein, neue Herausforderungen anzugehen, sagte Lammert.

Der Festakt zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit stand im Zeichen der aktuellen Flüchtlingskrise. Der Bundesratspräsident und hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck griffen beide in ihren Reden in der Alten Oper in Frankfurt am Main die Situation der Hunderttausenden Hilfesuchenden in Deutschland auf.

"Band zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen"

Bundespräsident Joachim Gauck zog Parallelen zwischen der Situation heute und damals. Anders als damals solle jetzt "zusammenwachsen, was vorher nicht zusammengehörte", sagte der Bundespräsident mit Blick auf die Flüchtlinge. Es müsse ein Weg gefunden werden, um ein "Band zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen" herzustellen. Dafür mahnte Gauck zur Geduld. Es brauche Zeit, bis sich die Neuankommenden an eine Gesellschaftsordnung gewöhnen, "die sie nicht selten in Konflikt mit ihren traditionellen Normen bringt". Auch müssten sich Einheimische an ein Land gewöhnen, in dem Vertrautes zuweilen verloren geht.

Flüchtlingskrise bestimmt Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit
tagesthemen 23:14 Uhr, 03.10.2015, Sebastian Kisters, HR

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"Unsere Möglichkeiten sind endlich"

Zugleich wiederholte der Bundespräsident seine Meinung, Deutschland könne nicht unbegrenzt Asylsuchende aufnehmen: "Unser Herz ist weit, aber unsere Möglichkeiten sind endlich." Tatsache sei, dass Deutschland momentan sehr viel tue, um die aktuelle Notlage zu beheben. Aber: "Wir werden unsere heutige Offenheit nicht halten können, es sei denn, wir entschließen uns zu einer besseren Sicherung der europäischen Außengrenzen", betonte Gauck.

Zur Lösung der Krise sieht Gauck die anderen Staaten der Europäischen Union in der Pflicht. "Noch führt der Druck die europäischen Staaten nicht zusammen", bedauerte er. Aber die vergangenen Wochen hätten in die richtige Richtung gezeigt. "Es kann keine Lösung der Flüchtlingskrise geben, es sei denn, sie ist europäisch", mahnte Gauck.

"Seien Sie herzlich willkommen"

In eine andere Richtung ging die Rede von Bundesratspräsident Bouffier. Er hieß die Flüchtlinge ausdrücklich willkommen: "Das wiedervereinigte Deutschland ist ein weltoffenes und tolerantes Land! [...] Seien Sie herzlich willkommen", sagte er an die Hilfesuchenden gerichtet, von denen auch einige dem Festakt beiwohnten.

Die aktuelle Situation stelle das Land zwar vor große Herausforderungen, "aber wenn wir sie klug gestalten, wird sie uns nicht überfordern".

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Joachim Gauck sitzen in einem Publikum. | Bildquelle: dpa
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Bouffier: "Das wiedervereingte Deutschland ist ein weltoffenes und tolerantes Land"

Genau wie damals bei der Wiedervereinigung könne es auch heute "keinen Masterplan zur Lösung" der Probleme geben, sagte der CDU-Politiker. Entscheidend sei die Überzeugung, "dass wir die Kraft haben, auch außergewöhnliche Situationen packen können".

Dank an die Bürger der DDR

Mit Blick auf die Wiedervereinigung vor 25 Jahren würdigten die beiden Politiker jene deutschen Bürger, die damals für den Wert der Freiheit eingestanden hätten. "Ohne Ihren Mut wäre die Freiheit für ganz Deutschland nicht erkämpft worden", sagte Bouffier. Ähnlich äußerte sich Bundespräsident Gauck: "Wir wären heute nich hier, wenn Sie damals nicht aufgestanden wären", sagte er.

Der Festakt in der Alten Oper war der Höhepunkt der zentralen Feierlichkeiten zum Jubiläum des Tages der Deutschen Einheit. Die deutsche Einheit wurde am 3. Oktober 1990, also vor genau 25 Jahren, mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland vollzogen.

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