Das Logo von Facebook in der Facebook-Zentrale in Hamburg. | Bildquelle: dpa

Löschzentrum in Berlin Einblicke in Facebooks Festung

Stand: 14.06.2017 15:34 Uhr

Nach Debatten über den Umgang mit Hasskommentaren und strafbaren Inhalten gewährt Facebook erstmals deutschen Politikern Zugang zu seinem Berliner Löschzentrum. Den Anfang machte Grünen-Politikerin Künast, das Bundesjustiziministerium folgt.

Facebook hat der Grünen-Bundestagsabgeordneten Renate Künast als erster Politikerin Zugang zu seinem Löschzentrum in Berlin gewährt. Künast hatte nach eigenen Angaben insgesamt drei Stunden Gelegenheit, sich ein Bild von der Arbeit zu machen und mit dem Facebook-Team sowie dem Management der Firma Arvato zu sprechen. Das soziale Netzwerk hatte die Bertelsmann-Tochter Arvato in der Hauptstadt als externen Partner beauftragt, Inhalte zu prüfen und gegebenenfalls zu löschen. Arvato ist strikt abgeschirmt und es ist nicht bekannt, wie viele Personen dort arbeiten und zu welchen Bedingungen. Die Grünen-Politikerin hat selbst negative Erfahrungen mit dem sozialen Netzwerk gemacht. Sie stellte Strafanzeige wegen einer auf Facebook verbreiteten Falschnachricht.

Renate Künast spricht im Bundestag. | Bildquelle: dpa
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Die Grünen-Politikerin Künast konnte das Löschzentrum von Facebook besuchen.

"Facebook ist spät dran, aber immerhin"

Nach Angaben von Künast ist die öffentliche Debatte über den Umgang mit Hasskommentaren nicht spurlos an Facebook vorbeigegangen: "Kritik wirkt, und öffentliche Auseinandersetzung wirkt", sagte die Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses. Dies habe bei Facebook dazu geführt, dass das Online-Netzwerk mehr Druck wahrgenommen und tatsächlich auch mehr Personal eingestellt habe. "Facebook ist spät dran, aber immerhin."

Psychologische Betreuung für Mitarbeiter

Inzwischen arbeiteten bei Arvato insgesamt 650 Mitarbeiter für Facebook, die geschult würden und detaillierte Vorgaben für den Umgang mit sensiblen Inhalten hätten, so Künast. Mit besonders schweren Fällen wie mit Kindesmissbrauch dürften sie sich täglich nur zwei Stunden beschäftigen. Mitarbeiter hätten auch die Möglichkeit, in psychologische Behandlung zu gehen und diese anonym abzurechnen.

In Medienberichten waren zuvor harte Arbeitsbedingungen ohne nötige psychologische Betreuung angeprangert worden. Die Journalistenvereinigung "Netzwerk Recherche" hatte im vergangenen Jahr zudem den Negativ-Preis "Verschlossene Auster" an Facebook verliehen und damit den nicht nachvollziehbaren Umgang mit Hasskommentaren kritisiert.

Um besser gegen offensichtlich rechtswidrige Inhalte oder Hassrede im Netz vorzugehen, brauche es jedoch auch ein Maßnahmenpaket mit gesetzlichen Regelungen, die für alle Anbieter gelten, sagte Künast. "Wir dürfen keine Graubereiche zulassen und es Facebook überlassen, darüber zu entscheiden", erklärte die Grünen-Politikerin.

Zugang auch fürs Bundesjustizministerium

Auch das Bundesjustizministerium soll sich ein Bild von der Arbeit des Löschzentrums machen können. "Das ist erfreulich, dass wir die Möglichkeit haben, dorthin zu gehen", sagte ein Sprecher des Bundesjustizministerium auf Anfrage der Nachrichtenagentur epd. Das Bundesjustizministerium bestätigte damit einen Bericht von "Spiegel Online". Gerd Billen, Staatssekretär von Justizminister Heiko Maas, werde voraussichtlich einen Termin in der kommenden Woche wahrnehmen.

Facebook ist seit Monaten in der Kritik, Hasskommentare und strafbare Inhalte auf seiner Plattform nicht oder nicht schnell genug zu löschen. Mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) will Bundesjustizminister Maas Betreiber sozialer Netzwerke dazu verpflichten, rechtswidrige Inhalte schneller und konsequenter zu löschen. Bei Verstößen sind hohe Bußgelder vorgesehen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Juni 2017 um 15:36 Uhr und um 19:00 Uhr in den Nachrichten.

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