Babys | Bildquelle: picture alliance / dpa

Stellungnahme des Ethikrats Klare Regeln für gespendete Embryonen

Stand: 22.03.2016 11:00 Uhr

Bleiben bei Kinderwunschbehandlungen Embryonen übrig, können die Eltern sie an kinderlose Paare spenden. Der Ethikrat hat nun eine gesetzliche Regelung gefordert, um die Rechte und Pflichten von Kindern und Eltern abzusichern.

Von Julian Heißler, tagesschau.de

Dürfen Embryonen, die durch künstliche Befruchtung entstanden sind, von den biologischen Eltern jedoch nicht benötigt werden, an andere kinderlose Paare weitergegeben werden? Das ist eine Frage, an der sich die Geister scheiden. Die einen sehen in der Weitergabe eine Chance, unfruchtbaren Paaren ihren Kinderwunsch zu erfüllen und eingefrorenen Embryonen eine Lebensperspektive zu ermöglichen. Andere befürchten, dass die so entstandenen Kinder sich ein Leben lang als "zweite Wahl" und gegenüber den Eltern, die sie aufziehen, fremd fühlen könnten.

Jetzt hat der Deutsche Ethikrat sich mit dieser Frage beschäftigt und eine Empfehlung vorgelegt. Darin heißt es: "Der Deutsche Ethikrat sieht es als erforderlich an, die Rahmenbedingungen für die Embryonalspende/Embryonaladoption gesetzlich festzulegen." Denn tatsächlich ist die Rechtslage derzeit nicht eindeutig. Zwar ist die Weitergabe ungeplant überzähliger Embryonen in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen nicht verboten, welche Rechte und Pflichten die jeweiligen Elternpaare und das Kind jedoch haben, ist nicht geklärt.

"Phänotypische Passung"

In seiner Stellungnahme schlägt der Ethikrat nun einige Eckpunkte vor: Sämtliche Elternrechte und –pflichten sollen mit dem Zeitpunkt des Embryonentransfers auf das Empfängerpaar übergehen. Das Kind soll jedoch das Recht haben, auch die Identitäten seiner biologischen Eltern zu erfahren. Embryos sollen in der Regel nur an Paare gespendet werden dürfen, allerdings sollen alleinstehende Frauen nicht prinzipiell als Empfängerinnen ausgeschlossen werden. Die Mehrheit des Ethikrates ist jedoch der Meinung, dass das Empfängerpaar "grundsätzlich entweder verheiratet oder in einer rechtlichen Partnerschaft verbunden" sein soll.

Der Ethikrat plädiert außerdem dafür, eine staatliche Einrichtung wie das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) damit zu beauftragen, Spender und Wunscheltern nach ausgewiesenen Kriterien einander zuzuordnen. Dabei könne auch eine "phänotypische Passung" berücksichtigt werden - damit die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dass Empfängereltern und Kind sich ähnlich sehen.

Derzeit verlaufen die Spenden noch ohne staatliche Zuordnung. Spätestens seit 2013 werden auch in Deutschland überzählige Embryonen weitergegeben. Damals gründete sich das Netzwerk Embryonenspende, ein Zusammenschluss von Kinderwunschkliniken, der freigegebene Embryonen und befruchtete Eizellen an kinderlose Paare vermittelt. "Wir bieten die Behandlung für rund 1000 Euro an. Damit decken wir unsere Kosten. Gewinn machen wir nicht", so Monika Frommel, Vorsitzende des Netzwerks Embryonenspende zu tagesschau.de. Bislang kam es zu 45 Transfers, 15 Schwangerschaften und sieben Geburten mit insgesamt neun Babys.

Streitfall "Dreierregel"

An der Arbeit des Netzwerks gibt es auch Kritik. Es verschweige die psychologischen Herausforderungen, die durch die Annahme eines genetisch nicht eigenen Kindes entstünden, so der Verein Spenderkinder, in dem durch Samenspende gezeugte Erwachsene organisiert sind. In Augsburg hat zudem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen das Netzwerk wegen Verdacht auf Verstoß gegen das Embryonenschutzgesetz (ESchG) aufgenommen. Die Ermittlungen dauern an, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

In Deutschland dürfen Embryonen nur dann weitergegeben werden, die während eines Verfahrens zur künstlichen Befruchtung entstanden sind, von den biologischen Eltern jedoch nicht mehr benötigt werden. Embryonen nur zum Zweck der Spende herzustellen, verbietet das Embryonenschutzgesetz. Auch ist es untersagt, für eine künstliche Befruchtung mehr Embryonen herzustellen als nötig sind. Laut ESchG dürfen innerhalb eines Zyklus nur maximal drei Eizellen imprägniert und bis zum Abschluss des Befruchtungsprozesses weiterentwickelt werden.

Aus dem deutschen Embryonenschutzgesetz

Das deutsche Embryonenschutzgesetz verbietet die Herstellung oder Verwendung von Embryonen zu einem anderen Zweck als dem, eine Schwangerschaft herbeizuführen. Die künstliche Veränderung menschlicher Keimbahnzellen ist laut Paragraf 5 grundsätzlich unter Strafe gestellt.
Ausgenommen ist eine künstliche Veränderung der Erbinformation einer außerhalb des Körpers befindlichen Keimzelle, die nicht zur Befruchtung verwendet wird.
Ebenfalls ausgenommen sind Veränderungen einer Keimbahnzelle, "die einer toten Leibesfrucht, einem Menschen oder einem Verstorbenen entnommen worden ist". Dann müsse aber ausgeschlossen sein, "dass die Keimbahnzelle auf einen
Embryo, Fötus oder Menschen übertragen wird oder aus ihr eine Keimzelle entsteht". Keimbahnzellen sind Vorläufer von Keimzellen. Keimzellen sind beim Menschen Eizellen und Spermien.

In der Praxis wird diese so genannte Dreierregel jedoch flexibel ausgelegt. Ärzte argumentieren, dass sie so viele Embryonen herstellen müssen, wie für eine aussichtsreiche Behandlung nötig sind. Wenn dabei ungewollte überzählige Embryonen entstünden, dann sei das weder verboten noch strafbar, heißt es beim Netzwerk Embryonenspende. In seiner Stellungnahme fordert der Deutsche Ethikrat nun eine Klarstellung der Dreierregel, wobei eine Mehrheit von 14 Mitgliedern eine "strikte Auslegung" empfiehlt, während 12  Mitglieder für eine "erweiterte Auslegung" plädieren.

Umgang mit Eizellen

Nicht näher befasst hat sich der Ethikrat mit der Frage, wie mit der Weitergabe von sogenannten "imprägnierten Eizellen im Vorkernstadium" umgegangen werden sollen. Dabei handelt es sich um Eizellen, in die das Spermium zwar eingedrungen ist, bei denen die eigentliche Verschmelzung von männlichem und weiblichem Erbgut jedoch noch nicht stattgefunden hat. Grundsätzlich ließen sich die Empfehlungen aus der Stellungnahme auch auf diese Spenden übertragen, heißt es in dem Bericht. Eine solche Abgabe sei allerdings verboten und müsste erst gesetzlich zugelassen werden.

Dem widerspricht Monika Frommel. "In Deutschland ist es verboten, unbefruchtete Eizellen weiterzugeben. Aber eine imprägnierte Eizelle im Vorkernstadium ist nicht mehr unbefruchtet, da das Spermium bereits in sie eingedrungen ist." An dieser Stelle gebe es keinen rechtlichen Regelungsbedarf, so die Jura-Professorin.  

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 22. März 2016 um 07:11 Uhr

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