Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm spricht im April auf der Landessynode der evangelischen Kirche in Bayern. | Bildquelle: dpa

Bedford-Strohm kritisiert CSU "Sorge, dass Empathie verlorengeht"

Stand: 20.07.2018 01:20 Uhr

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Bedford-Strohm, ist besorgt: Über den Ton, den die CSU in der Flüchtlingsfrage anschlägt und wie wenig dabei noch über die Verantwortung für Menschen in Not gesprochen wird.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, hat die CSU wegen ihrer aus seiner Sicht zu einseitigen Flüchtlingspolitik in die Kritik genommen. "In den letzten Monaten hat man aus der CSU im Hinblick auf die Flüchtlingspolitik immer nur davon gehört, wie man Flüchtlinge von uns fernhalten kann", sagte der EKD-Vorsitzende im Interview mit der Zeitung "Die Welt". "Davon, dass wir auch eine humanitäre Verpflichtung zur Aufnahme haben, war wenig die Rede."

Erfolglose Strategie, um AfD-Wähler zu gewinnen

"Der Grundton in der öffentlichen Debatte" habe sich verändert, sagte der bayerische Landesbischof weiter. Die CSU versuche so, Wähler der AfD zurückzugewinnen. Diese Versuche hätten sich aber nicht nur als erfolglos erwiesen, sondern auch als "inhaltlich unangemessen".

Wie die jüngste repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Infratest dimap für das BR-Politikmagazin "Kontrovers" ergab, ist die Zustimmung für die CSU in Bayern auf einen historischen Tiefstand gesunken. Derzeit käme die Partei auf 38 Prozent der Wählerstimmen - drei Monate vor der Landtagswahl in Bayern.

Migration mit Verantwortung regulieren

Er selbst habe die veränderte Tonlage in "kontroversen Gesprächen" mit CSU-Politikern wahrgenommen, so Bedford-Strohm weiter. Manche Äußerung hätten ihm Anlass zur Sorge gegeben, dass im Umgang mit Flüchtlingen "die Empathie verlorengeht".

Natürlich gebe es die Notwendigkeit, die Migration zu steuern, räumte der Ratsvorsitzende ein. Dies entbinde aber nicht "von der Verantwortung für die Menschen, die sich in Not befinden".

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, beim Hauptgottesdienst des Katholikentages. | Bildquelle: dpa
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Kardinal Reinhard Marx mahnte die CSU, sich ihrer Verantwortung "für die Armen und Schwachen" bewusst zu sein.

Bereits Mitte der Woche hatte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, in der "Zeit" ähnlich kritische Töne gegenüber der CSU angeschlagen: "Eine Partei, die sich für das C im Namen entschieden hat, geht eine Verpflichtung ein - im Sinne der christlichen Soziallehre besonders in der Haltung gegenüber den Armen und Schwachen."

Über dieses Thema berichtete BR in der Sendung Kontroverse am 18. Juli 2018 um 21:00 Uhr.

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