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Russisches Netzwerk Im VK-Netz des Druiden

Stand: 28.01.2017 22:32 Uhr

Deutsche Hetzer und Rechtsextreme: Im russischen Netzwerk VK haben sie eine Plattform zum ungehinderten Austausch gefunden. Hier konnte auch der selbst ernannte Druide Hass verbreiten, der seit Kurzem in Untersuchungshaft sitzt. Wie ist das möglich?

Von Mareike Aden und Arndt Ginzel, NDR

Es ist eine so krude wie erschreckende Gedankenwelt, die sich auf den VK-Seiten des selbst ernannten Druiden Burgos von Buchonia offenbart: Antisemitismus, Esoterik, Verherrlichung des Nationalsozialismus, Fremdenhass, Gewaltaufrufe. Über das russische Facebook-Pendant VK oder auch "Vkontakte" - was übersetzt in etwa "Im Kontakt" heißt - hat sich der 66-Jährige, der eigentlich Karl Burkhard B. heißt, mit seinen Anhängern ausgetauscht, seine rechtsextremen Ansichten verbreitet - und sich möglicherweise auch radikalisiert.

Seit einigen Tagen sitzt der Anführer in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt ihn, eine rechtsextreme Organisation gegründet sowie Anschläge auf Juden, Flüchtlinge und Polizisten vorbereitet zu haben.

Reichsbürger und Holocaust-Leugner

Schamane Manfred Dorfmüller
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Der selbst ernannte Schamane Manfred Dorfmüller weicht auf das russische Netzwerk VK aus, weil er sich dort ungehindert mit Gleichgesinnten austauschen kann.

Manfred Dorfmüller ist Mitglied der VK-Gruppe und stand im regen Austausch mit dem Druiden. Beide sehen sich als Reichsbürger. Noch Anfang Januar diskutierten sie, an welches Reich sie sich gebunden fühlten - an das Kaiserreich oder das so genannte Dritte Reich von 1933. Im Netz präsentiert sich der in Nordrhein-Westfalen lebende Rentner Dorfmüller als Schamane mit feuerrot gefärbtem Bart und Haaren. Auf den ersten Blick wirkt er eher wie ein spleeniger Esoteriker oder Öko-Aussteiger, und nicht wie ein bekennender Anhänger des Nationalsozialismus.

VK-Internetseite des Schamanen Manfred Dorfmüller
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VK-Seite von Manfred Dorfmüller

Dorfmüller hält den Holocaust für eine Lüge, er spricht im Interview mit der ARD davon, dass die Bundesrepublik als Staat nicht existiere. Für Facebook, das er beharrlich "Fratzenbuch" nennt, hat er nur Verachtung übrig, weil man ihn dort immer wieder sperre. Er habe sich nur über US-Präsident Barack Obama lustig machen wollen. Facebook reagierte auf Dorfmüllers rassistische Äußerungen und schloss ihn für einige Zeit aus. Inzwischen ist Dorfmüller auf das russische Netzwerk ausgewichen: "VK sperrt nicht", erklärt er knapp.

Hier scheint alles erlaubt

Das mehr als 100 Millionen Nutzer zählende russische Netzwerk ist zum Zufluchtsort für deutsche Rechtsextremisten geworden. Von Funktion und Aussehen ähnelt es dem amerikanischen Vorbild stark. Entsprechend niedrig sind die Hürden zum Wechsel. Schon seit 2013 beobachtet der sächsische Verfassungsschutz, dass es einschlägige rechtsextremistische Gruppen zu VK zieht.

In einem entsprechenden Bericht der Behörde heißt es, festzustellen sei, "dass die Meinungsäußerung an Schärfe zugenommen hat und - nach deutschen Maßstäben - zum Teil sogar strafrechtlich relevant ist. Offenbar meinen deutsche VK-Nutzer, dass sie dort sicher vor jedem Verfolgungsdruck sind."

Tatsächlich scheint in dem russischen Netzwerk alles erlaubt: Es gibt Seiten, auf denen missliebige Journalisten, Flüchtlingshelfer oder Menschen, die sich gegen rechts engagieren, mit Namen und Adressen aufgelistet werden. Immer wieder tauchen rassistische oder antisemitische Inhalte auf. Accounts wie VK.com/ARD oder ZDF wirken dem Namen nach hochoffiziell, erweisen sich jedoch als reine Hetzseiten gegen die ungeliebte "Lügenpresse".

"Typisches Radikalisierungsnetzwerk"

Anfangs hätten vor allem Verschwörungstheoretiker und die Reichsbürgerszene VK als Plattform genutzt, erklärt Jan Rathje von der Amadeo-Antonio-Stiftung. Inzwischen verfügten jedoch rechtsextreme Parteien, Gruppen wie der "Der Dritte Weg" und "Blood & Honour" oder auch diverse Pegida-Ableger über einen VK-Account. Im Vergleich zu Facebook habe das russische Netzwerk eine geringere Reichweite in Deutschland. "VK kann daher als typisches Radikalisierungsnetzwerk gesehen werden - das zeigt auch der Fall des Druiden", ergänzt Rathje im Interview mit der ARD.

Die aktuelle Debatte über die Verantwortung von Facebook als Verbreitungsweg von Hass und Falschnachrichten geht offenkundig an dem russischen Netzwerk vorbei. Der Moskauer Journalist Roman Dobrochotow, Chefreporter des investigativen, kremlkritischen Internetportals "The Insider", glaubt, dass es an Sanktionsmöglichkeiten nicht mangelt. "Wenn der russische Staat wirklich wollen würde, dass bei 'Vkontakte' keine Neonazis aktiv sind, dann wäre alles innerhalb von einem Tag blockiert oder gelöscht."

Rechtsextreme und die russische Plattform vk.com
tagesthemen 23:15 Uhr, 28.01.2017, Mareike Aden, Arndt Ginzel, NDR

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Putin-Kritik hat für Behörden Priorität

Seit dem Rücktritt des VK-Gründers Pawel Durow vor zwei Jahren verfüge der russische Staat über umfangreiche Kontrollmöglichkeiten. "Der Inlandsgeheimnis FSB hat vollen Zugriff auf das VK-Netzwerk und die Inhalte", sagt Dobrochotow. Die rechtsextreme Hetze deutscher Neonazis werde hingenommen, weil es kein Interesse gäbe, sie zu sanktionieren, erklärt er. Für die russischen Behörden hätten kritische Äußerungen über das System Putins Priorität.

"Man wird zwar nicht gleich gelöscht, aber man ist sofort im Blickfeld der Behörden, wenn man Putin kritisiert. Aber von Nationalisten oder Neonazis sieht der Kreml für sich keine Gefahr ausgehen - weder von den eigenen und vor allem nicht von deutschen." Hinzu kämen bei VK wohl Sprachbarrieren bei deutschen Inhalten, vermutet Dobrochotow während er dutzende VK-Gruppen von russischen Neonazis und Nationalisten zeigt.

Auf Anfrage der ARD erklärt VK schriftlich: Man blockiere Nutzer und Gruppen, "die zu rechtswidrigen und extremistischen Handlungen aufrufen, sowohl im Rahmen einer eigenen Kontrolle der Inhalte und auf Anfrage von [der staatlichen Aufsichtsbehörde] Roskomnadzor“. Zudem reagiere man auf Beschwerden von Nutzern. Auf die Hassseite des Druiden "Die Weissen" und die Seiten all seiner Gruppenmitglieder hat VK bislang nicht reagiert. 

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 28. Januar 2017 um 23:15 Uhr.

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