Aufbauarbeiten für die Republica | Bildquelle: dpa

re:publica "Wir müssen uns selbst verteidigen"

Stand: 02.05.2018 12:10 Uhr

Die Politik schützt Nutzer nicht, also müssen diese selbst handeln, meint eine Reihe von Netzaktivisten. Auf der re:publica wollen sie für eine kinderleichte Massenverschlüsselung werben.

Von Sandra Stalinski, tagesschau.de

Es gibt ein Menschenrecht, das nicht nur in China oder Saudi-Arabien, sondern auch in Deutschland, der EU, den USA und Kanada jeden Tag millionenfach gebrochen wird: das Recht auf Privatheit. Niemand weiß, wer die eigenen Mails mitliest, was mit den massenhaft gesammelten und gespeicherten Daten beim Surfen im Netz passiert und wer Bewegungsprofile von uns erstellt.

Markus Beckedahl, Gründer re:publica, mit Einzelheiten zum Datenschutz
tagesschau24 16:00 Uhr, 02.05.2018

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So beschreiben zahlreiche Aktivisten das Szenario, in dem sich ein jeder Internetnutzer befindet. Das einzige Mittel, das rasch zu ändern, sei die digitale Selbstverteidigung. Gemeint ist damit alles, was die eigene Privatsphäre und Daten im Internet schützt: Also die Frage, wo man welche Daten herausgeben sollte, welche alternativen Browser es gibt, um Tracking zu verhindern, wie man mit anonymer IP-Adresse surfen kann und vieles mehr.

Ein Thema, das auch in diesem Jahr wieder eine prominente Rolle bei der re:publica spielen wird. Von 2. bis 4. Mai treffen sich Netzaktivisten, Medienmacher und -nutzer zum zwölften Mal in Berlin, um sich über die Entwicklungen der Digitalisierung zu informieren.

Juli Zeh: "Die Politik unternimmt nichts"

Pop - "Power to the People" heißt das Motto diesmal und genau das, nämlich, dass die Macht beim Bürger und sonst nirgends liegen sollte, wollen auch die Aktivisten von pEp. Dahinter steht eine Gruppe rund um eine schweizer Stiftung, deren vordringlichstes Ziel das Recht auf Privatheit und - damit einhergehend - der Schutz der eigenen Daten und Kommunikation im Netz ist. Auf der re:publica wollen sie nun eine Genossenschaft gründen, um ihre Ideen zu verbreiten und möglichst viele Mitstreiter zu gewinnen.

Juli Zeh | Bildquelle: picture alliance / Erwin Elsner
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Juli Zeh: "Bürger müssen vor Folgen der Digitalisierung geschützt werden."

Namhafte Autoren wie Sibylle Berg, Juli Zeh und Marc-Uwe Kling sind Gründungsmitglieder und werden im Rahmen einer Bühnenshow ihre Ideen vorstellen. "Es wird allerhöchste Zeit, uns Bürger wirksam vor den Folgen der Digitalisierung zu schützen. Weil die Politik nichts unternimmt, machen wir das jetzt eben selbst", begründet Juli Zeh das Anliegen der Gruppe.

Privatsphäre im Netz leicht gemacht

Hinter der Abkürzung pEp ("pretty easy privacy") steht in erster Linie die Idee, die Verschlüsselung von Kommunikation im Netz endlich einfacher zu machen. Der Name ist abgeleitet von Pretty Good Privacy, einem der gängigsten Programme für Datenverschlüsselung. Doch bei den bisher verfügbaren Techniken sei die Nutzung viel zu kompliziert, sagt Volker Birk, einer der beiden Gründer der pEp-Stiftung. "Wir wollen die Verschlüsselung nun so einfach machen, dass sie jeder nutzen kann, ohne sich mit technischen Details befassen zu müssen."

Er und seine Mitstreiter haben eine Software beziehungsweise Softwarekomponenten entwickelt, bei denen die verschlüsselte Kommunikation von Mails und Messenger-Diensten voll automatisiert ablaufen soll. Sobald der Nutzer das entsprechende Tool einmal installiert hat, soll er sich nicht mehr weiter darum kümmern müssen.

Die Eine-Million-Dollar-Frage

In der Tat könnte das eines der dringlichsten Probleme der Community lösen, sagt auch Markus Beckedahl von netzpolitik.org im Gespräch mit tagesschau.de. "Es ist seit Jahren die Eine-Million-Dollar-Frage, wie man ein einfacher zu nutzendes System bekommt, das trotzdem sicher und stabil funktioniert." Er ist gespannt darauf, ob pEp halten kann, was es verspricht.

In der Theorie klingt es jedenfalls kinderleicht: Für das Mailprogramm Thunderbird gibt es schon jetzt das Plug-In Enigmail. Das muss man einmal hinzufügen und sich danach nie mehr darum kümmern. Die Verschlüsselung der Mails läuft einfach automatisch im Hintergrund, sofern auch der Empfänger eine Verschlüsselungstechnik nutzt. Wenn nicht, werden die Mails eben weiterhin unverschlüsselt versendet. Auch für Webmail-Dienste wie Gmail soll es solche Plug-Ins bald geben. Doch auch wenn pEp mit den gängigen Verschlüsselungstechniken kompatibel ist, bleibt eine Schwachstelle bestehen: Wenn das Gegenüber keine solche Technik nutzt, kann auch nichts verschlüsselt werden. Der Schutz der Privatsphäre funktioniert also nur, wenn solche Techniken zum Standard werden.

Die Software ist kostenlos

Auf dem Smartphone können sich Android-Nutzer eine App herunterladen, die ein eigenes Mailprogramm zur Verfügung stellt. Nutzt man künftig diese Mailing-App statt der Anwendung von Google, ist die Mailkommunikation ebenfalls verschlüsselt. Für iOS soll es ähnlich funktionieren, bislang gibt es aber nur eine Beta-Version.

Die pEp-Stiftung liefert die Technik und stellt sie denen zur Verfügung, die beispielsweise eine App machen wollen. Das Ganze läuft gemeinnützig, Gewinne wollen und dürfen sie nicht machen. "Alles, was den Namen pEp trägt, wird als free software angeboten", sagt Birk zu tagesschau.de. Das heißt, jeder kann sich die Software kostenlos herunterladen. Die Nutzer können selbst entscheiden, ob sie einen selbst gewählten Betrag dafür bezahlen wollen oder nicht. Die Stiftung finanziert sich über Spenden.

Sibylle Berg | Bildquelle: imago/STAR-MEDIA
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Sibylle Berg sieht in pEp "das praktischste und einfachste Werkzeug, um sich gegen Überwachung zur Wehr zu setzen".

Prominente Mitstreiter

Doch weil eine so kleine Stiftung allein wenig erreichen kann, haben sie sich jetzt prominente Mitstreiter gesucht, um die Idee von pEp in der Netzgemeinde zu verbreiten. "Ich bin Gründungsmitglied der pEp-Kooperative, weil ich glaube, dass eine einfache Massenverschlüsselung die Welt nicht retten wird. Aber den Untergang verlangsamt", sagt die deutsch-schweizerische Schriftstellerin und Dramatikerin Sibylle Berg zu tagesschau.de.

Am morgigen Donnerstag wird auf der re:publica die pEp-Genossenschaft (pEp coop) offiziell gegründet. "Freundeskreis Freiheit (im Netz) - Die freundliche Verweigerung" heißt die Session, die um 20 Uhr beginnt. Jeder kann Mitglied werden und mit seinem Beitrag die Arbeit von pEp unterstützen. Die Registrierung auf der Homepage www.pep.coop ist ab sofort möglich.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Mai 2018 um 12:00 Uhr.

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