Flüchtlinge und Berufsausbildung | Bildquelle: dpa

Forderung des DGB Staatliches Ausbildungsprogramm für Flüchtlinge

Stand: 28.12.2015 11:58 Uhr

Bald dürften sich Zehntausende junge Flüchtlinge in Deutschland für eine Ausbildung interessieren: Der DGB fordert deshalb ein Programm, um sie auch außerhalb von Betrieben gezielt zu qualifizieren - beispielsweise in Regionen "in denen der Ausbildungsmarkt besonders angespannt ist".

Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert ein staatliches Programm, um jungen Flüchtlingen den Weg in eine Berufsausbildung zu erleichtern. Ein solches Programm für außerbetriebliche Ausbildung solle in Regionen greifen, "in denen der Ausbildungsmarkt besonders angespannt ist", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack dem "Handelsblatt".

Bald großes Interesse an Lehrstellen?

Auch wenn die allermeisten zunächst Deutsch lernen müssten, dürften sich bald viele Zehntausende für eine Lehrstelle interessieren. Deshalb müssten neben mehr außerbetrieblichen Plätzen "bereits 2016 auch die assistierte Ausbildung und die Einstiegsqualifizierungen besser an die Bedürfnisse der Geflüchteten angepasst werden", forderte Hannack. Bei der neuen assistierten Ausbildung für schwächere Jugendliche hilft ein Bildungsträger dem Lehrling und dem Betrieb.

Stefan Körzell
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Gewerkschaftler Körzell meint, Flüchtlinge könnten den Fachkräftemangel in Ostdeutschland ausgleichen helfen.

Auch DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell forderte eine gezielte Qualifizierung von Flüchtlingen. Der in Chemnitz erscheinenden "Freien Presse" sagte er, auf diese Weise könne der zunehmende Fachkräftebedarf eingedämmt werden. Gerade in Sachsen und anderen Regionen Ostdeutschlands fehlten besonders viele Fachkräfte. Diese Entwicklung werde sich in den kommenden zehn Jahren verschärfen, sagte Körzell. Die weit verbreiteten Ressentiments gegenüber Flüchtlingen führten jedoch dazu, dass sich der Osten eine große Chance vergebe.

Vergibt der Osten eine "große Chance"?

Nach jüngsten Erkenntnissen aus sächsischen Kommunen und Jobcentern zögen viele Flüchtlinge nach ihrer behördlichen Anerkennung in ein westdeutsches Bundesland. Dabei spielten zunehmende Anfeindungen eine Rolle. Wenn es den Flüchtlingen im Osten schwer gemacht werde, "gehen sie dahin, wo sie sich angenommen fühlen", sagte Körzell.

Er sieht eine Parallele zu den Gastarbeitern, die Anfang der 60er-Jahre nach Westdeutschland kamen. Auch sie seien Vorbehalten begegnet. "Doch die Zuwanderer wurden auf dem Arbeitsmarkt gebraucht und irgendwann waren sie auch gesellschaftlich anerkannt. Die Erkenntnis muss reifen, dass es auch in Ostdeutschland so sein wird."

Handwerk will Flüchtlinge fit machen

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks will 20.000 Flüchtlinge in den 550 Bildungsstätten des Handwerks für eine Ausbildung fit machen. Dazu hätten Verhandlungen mit der Bundesregierung begonnen, sagte Handwerks-Präsident Hans Peter Wollseifer der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". Er ergänzte:

"Das ist eine gute Investition, weil die Migranten so schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden und hoffentlich bald Steuern und Beiträge selbst zahlen können."

Die Betriebe hätten bislang gute Erfahrungen gemacht, jedoch fehlten in den Herkunftsländern vieler Flüchtlinge bestimmte Präzisionsgeräte. Da müsse in Deutschland nachqualifiziert werden. Wollseifer forderte die Ausländerbehörden auf, die Duldungen ausbildungsfreundlich zu handhaben. Flüchtlinge, die eine Ausbildung begonnen hätten, hätten derzeit nur eine Duldung für ein Jahr. Damit sei nicht klar, ob ihre dreijährige Ausbildung erfolgreich ende.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Dezember 2015 um 05:30 Uhr.

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