Traktoren und Demonstranten mit bunten Fahnen | Bildquelle: dpa

Demo für Agrarreform "Wir haben es satt!"

Stand: 21.01.2017 16:16 Uhr

Etwa 18.000 Menschen haben in Berlin für eine Wende in der Agrar- und Ernährungspolitik demonstriert. Unter dem Motto "Wir haben es satt!" forderten sie gesundes Essen, eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft und fairen Handel.

Bauern, Umwelt- und Tierschützer haben in Berlin für eine Wende in der Landwirtschaftspolitik demonstriert. Die Veranstalter sprachen von etwa 18.000 Teilnehmern. Der Protestmarsch fand parallel zur Internationalen Grünen Woche in Berlin statt.

Den Auftakt der Demonstration bildete ein Konvoi, an dem sich laut Veranstalter 130 Traktoren beteiligten. Zu der Kundgebung hatte ein Bündnis aus rund 100 Organisationen aufgerufen, darunter Umwelt-, Tierschutz- und alternative Agrarverbände.

Kritik am Bauernhofsterben

In einem Neun-Punkte-Plan forderten die Kundgebungsteilnehmer ein Ende von Subventionen zugunsten von industriell wirtschaftenden Großbetrieben sowie einen Stopp von "Mega-Fusionen im Agrarsektor".

"Stattdessen brauchen wir Anreize für Bauern, die Tiere besonders artgerecht halten und umweltschonend wirtschaften", erklärte der Sprecher des Aktionsbündnisses, Jochen Fritz. Er rief Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt auf, "Agrarpolitik für Bauern statt Agrarindustrie zu machen".

Nach Angaben der Veranstalter mussten "aufgrund fehlgeleiteter Agrarpolitik" in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren bereits mehr als 100.000 vorwiegend kleinere Höfe aufgeben. Außerdem belaste die deutsche Agrarpolitik, insbesondere durch übermäßige Fleischproduktion, die Umwelt und das Klima und zerstöre durch Dumpingexporte kleinbäuerliche Strukturen überall auf der Welt.

Demonstranten mit Schildern | Bildquelle: AFP
galerie

Unter dem Motto "Wir haben es satt!" haben Tausende in Berlin für eine Neuausrichtung der Landwirtschaft protestiert.

Tierschutz nicht ausreichend

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, kritisierte außerdem das Tierschutzgesetz. Es lasse immer noch "die millionenfache Qual von Tieren in landwirtschaftlicher Haltung zu", sagte er und nannte als Beispiele die massenweise Tötung männlicher lebensfähiger Küken und die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung.

Verlangt wurde auch eine drastische Verringerung des Einsatzes von Pestiziden und Antibiotika. Doch nicht alle Landwirte folgen den Forderungen der Demonstranten. Ein paar Hundert Menschen versammelten sich am Hauptbahnhof zu der Gegenkundgebung "Dialog statt Protest - Wir machen Euch satt!"

Menschen bei der "Grünen Woche" | Bildquelle: dpa
galerie

Die Demonstration fand parallel zur "Grünen Woche" in Berlin statt. Bis zum 29. Januar präsentieren sich 1650 Aussteller aus 66 Ländern. Die Veranstalter rechnen mit etwa 400.000 Besuchern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Januar 2017 um 17:00 Uhr.

Darstellung: