Computertastatur | Bildquelle: dpa

Neues Bundeswehr-Kommando Kaum Krieger für die virtuelle Front

Stand: 05.04.2017 01:23 Uhr

Am Laptop statt im Schützengraben sollen die Angehörigen des neuen Bundeswehr-Kommandos "Cyber- und Informationsraum" die sensiblen Netzwerke der Streitkräfte gegen Hackerangriffe verteidigen. Doch der größte Gegner dürfte der Mangel an geeignetem Personal sein.

Von Christian Thiels, tagesschau.de

Kampfflugzeuge fallen wie tote Fliegen vom Himmel. Ihre sensiblen Computersysteme sind ausgefallen, die millionenteuren Jets von ihren hilflosen Piloten nach einem Hackerangriff nicht mehr zu steuern. Der dritte Weltkrieg wird auch in den globalen Computernetzwerken geführt - zumindest im Roman "Ghost Fleet" von Peter Singer und August Cole.

Doch reine Fiktion ist dieses Buch wohl nicht, denn die Autoren - beide renommierte Fachleute für Militärtechnologie - greifen Entwicklungen auf, die längst Realität sind. Moderne Waffensysteme sind vielfach vernetzt und gleichen eher gepanzerten Computern als klassischem Kriegsgerät. Auch für Kommunikation, Aufklärung und Führung nutzen die Militärs ausgeklügelte Netzwerke. Wer die lahmlegt, kann eine Armee blind, taub und nahezu wehrlos machen.

Neues Kommando der Bundeswehr soll vor Cyberangriffen schützen
tagesthemen 22:15 Uhr, 05.04.2017, Oliver Köhr, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Permanent Angriffe auf die Computernetzwerke

Diese Gefahr sieht offenbar auch die Bundeswehr. "Die Hackerangriffe werden immer komplexer", sagt General Ludwig Leinhos. Er ist der Inspekteur des neuen Kommandos "Cyber- und Informationsraum" und soll mit seiner Truppe die deutschen Streitkräfte vor Angriffen aus dem Netz schützen. Und davon gebe es reichlich.

Allein in den ersten neun Wochen dieses Jahres seien die Computernetzwerke der Bundeswehr mehr als 284.000 Hackerangriffen ausgesetzt gewesen, sagt Leinhos im Gespräch mit tagesschau.de. "Dagegen müssen wir uns Tag für Tag immer wieder neu wappnen und unsere Abwehrmechanismen kontinuierlich optimieren. Teilweise sollen unsere Systeme ausgespäht oder Informationen abgegriffen werden. Wesentlich bedrohlicher ist es, wenn ganze Anlagen stillgelegt oder Infrastruktur zerstört werden soll. Das kann Menschenleben gefährden", so Leinhos.

Bislang sei es allerdings gelungen, "alle erkannten Angriffe auf unser Netz abzuwehren", betont der General, der heute mit militärischem Zeremoniell offiziell seine neue Aufgabe übernimmt. Leinhos wird Chef von rund 14.000 Soldaten und zivilen Mitarbeitern. Unter seinem Kommando fasst die Bundeswehr alle diejenigen in den Streitkräften zusammen, die im weitesten Sinne etwas mit dem Kampf an der virtuellen Front zu tun haben. Darunter sind auch Fernmeldesoldaten, Fachleute für Geodaten und eine noch recht überschaubare Zahl von echten IT-Experten.

Bundeswehrsoldaten am Computer
galerie

Die Bundeswehr koordiniert nun den Kampf gegen Angriffe aus dem Netz unter einem Kommando.

Lange vernachlässigtes Thema

Im Verteidigungsministerium hat man erkannt, dass Konflikte schon heute nicht mehr nur klassisch am Boden, in der Luft oder auf dem Wasser entschieden werden, sondern eben auch im Netz. Eine Erkenntnis, die andere Nationen schon vor Jahren erlangt haben. Die USA etwa betreiben ihr "Cyber Command" seit 2010. In Deutschland wurde das Thema lange vernachlässigt. Erst Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen griff es auf. Die Bundeswehr, so die Ministerin, sei ein "Hochwertziel" für potenzielle Angriffe aus dem Netz. Um die zu erkennen und dann auch abzuwehren, benötigt das neue Cyber-Kommando allerdings zusätzliche Fachleute.

Eine eigene Werbekampagne soll potenzielle Hacker in Truppe und Uniform locken. Man habe "einen enormen Bedarf an Nachwuchskräften", erklärt Inspekteur Leinhos und ergänzt: "Daher prüfen wir gerade, wie wir noch direkter diese Zielgruppe ansprechen und an uns binden. Da müssen wir flexibler werden und genau überprüfen, welche Qualifikationen wir wollen und bei welchen Anforderungen Abstriche vertretbar sind." Anders formuliert: Wer an der Tastatur besondere Leistungen zeigt, muss die vielleicht nicht unbedingt auf der Hindernisbahn oder im Schützengraben erbringen.

Wenig attraktiver Arbeitgeber

Doch das allein wird kaum ausreichen. Marcel Dickow von der Stiftung Wissenschaft und Politik sieht noch ganz andere Probleme für die Rekrutierung von Fachpersonal. Da ist zum einen das Geld. Das öffentliche Besoldungsrecht macht es schwer, den potenziellen Mitarbeitern vergleichbar viel zu zahlen wie in der freien Wirtschaft: "Das Gehaltsgefüge ist nicht konkurrenzfähig", so Dickow im NDR.

Aber auch die militärische Kultur sei für die gesuchte Klientel wenig attraktiv: "Befehl und Gehorsam ist etwas, was Hacker so nicht kennen, so arbeiten sie auch nicht." Wohl auch deshalb versucht das Verteidigungsministerium eigene Experten auszubilden. Ab 2018 wird an der Bundeswehruniversität München der Studiengang Cyber-Sicherheit angeboten. "Wir rechnen mit 70 Absolventen pro Jahrgang. Dort wächst unser Potenzial für die Zukunft. Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg", sagt Inspekteur Leinhos.

In der verfassungsrechtlichen Grauzone: Die Cyber-Bundeswehr
Andreas Reuter, ARD Berlin
05.04.2017 11:36 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Nur defensiv oder auch offensiv?

Offiziell soll das neue Kommando nur defensiv tätig sein, also nur Angriffe abwehren, ohne selbst Cyberwaffen wie etwa Computerviren zu entwickeln. Solche offensiven Programme können genutzt werden, um Computersysteme des Gegners auszuschalten. Bekannt geworden ist etwa das Programm "Stuxnet", mit dem mutmaßlich amerikanische oder israelische Regierungsstellen das iranische Atomprogramm sabotiert haben sollen.

Um sich gegen solche Angriffe zu wehren, müsse man allerdings auch die Fähigkeit haben, selbst anzugreifen, sagen IT-Experten. In einem internen Strategiepapier der Bundeswehr, das die Plattform netzpolitik.org vor knapp zwei Jahren öffentlich machte, heißt es dazu im typischen Militärjargon: "Offensive Cyber-Fähigkeiten der Bundeswehr sind als unterstützendes, komplementäres oder substituierendes Wirkmittel anzusehen." Auf gut Deutsch: Auch die Bundeswehr soll für den Fall des Falles über Angriffsprogramme verfügen. Das Papier trägt die Unterschrift von Verteidigungsministerin von der Leyen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. März 2017 um 18:40 Uhr

Darstellung: