Quartier Leclerc in Illkirch bei Straßburg | Bildquelle: dpa

Bundeswehr-Skandal Schon 2012 Hakenkreuz-Vorfall in Illkirch

Stand: 06.05.2017 09:37 Uhr

Ist der Fall des rechtsextremen Offiziers Franco A. nur die Spitze eines Eisbergs? An seinem Bundeswehrstandort in Illkirch hat es offenbar schon früher rechtsextreme Umtriebe gegeben. 2012 sollen Soldaten dort ein meterhohes Hakenkreuz gelegt haben.

In der Kaserne des mutmaßlich rechtsextremen Bundeswehroffiziers Franco A. in Illkirch hat es nach "Bild"-Informationen bereits 2012 einen Skandal mit Nazi-Symbolen gegeben. Entsprechende Informationen habe das Verteidigungsministerium bestätigt, berichtet die Zeitung. Danach hätten Bundeswehrsoldaten in der Nacht des 7. November 2012 ein vier Meter großes Hakenkreuz auf den Boden der Kaserne der Deutsch-Französischen Brigade gestreut.

Anlass sei offenbar ein Champions-League-Spiel zwischen Bayern München und dem französischen Fußballclub OSC Lille gewesen. Der Fall sei aber unverzüglich den direkten Vorgesetzten sowie dem Ministerium und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) gemeldet worden.

Laut Verteidigungsministerium seien damals 20 Soldaten vernommen, drei von ihnen mit Geldbußen belegt und aus der Bundeswehr entlassen worden. Zu dieser Zeit war Franco A. war noch nicht in Illkirch, er wurde erst im Februar 2016 zum dortigen Jägerbataillon 291 versetzt.

Ministerin rechnet mit weiteren Vorfällen

Kurz vor der Veröffentlichung der "Bild"-Zeitung sagte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen in den tagesthemen, sie rechne damit, dass noch weitere rechtsextreme Vorfälle in der Bundeswehr öffentlich werden. "Wir müssen uns darauf einstellen, das ist meine tiefe Überzeugung, dass das, was wir bisher wissen, nicht alles ist, sondern, dass sich dort noch mehr zeigen wird", sagte die Ministerin. Dabei bezog sie sich nicht explizit auf den inzwischen bekannt gewordenen Vorfall.

Noch sei unklar, ob Franco A. tatsächlich Anschläge geplant habe. "Das kann man nicht ausschließen", sagte die Ministerin. Auch ob es rechtsextreme Netzwerke in der Truppe gebe, sei noch offen. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen den inhaftierten Franco A. wegen des Anfangsverdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Ursula von der Leyen, Bundesverteidigungsministerin, über ihre Kritik an der Bundeswehr
tagesthemen 21:45 Uhr

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Für von der Leyen steht fest, dass im Fall des Bundeswehroffiziers A. Fehler gemacht wurden. Es stehe außer Frage, dass der Fall bereits 2013 aus der Bundeswehr an den MAD hätte gemeldet werden müssen. "Damals hat A. seine Masterarbeit abgegeben - und diese Masterarbeit ist glasklar rassistisch und stramm rechtsextrem", betonte von der Leyen. Trotzdem sei dem Mann in der Truppe eine zweite Chance gegeben worden und er habe Karriere bei der Bundeswehr gemacht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Mai 2017 um 09:50 Uhr.

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