Soldatinnen und Soldaten | Bildquelle: dpa

Seminar für Soldaten "Egal, wen sie lieben"

Stand: 31.01.2017 05:44 Uhr

Diskriminierende Gewalt- und Sexpraktiken bei der Bundeswehr bleiben oft unbemerkt oder werden kleingeredet. Verteidigungsministerin von der Leyen will das mit der prominent besetzten Konferenz "Sexuelle Orientierung und Identität in der Bundeswehr" jetzt ändern.

Von Stephan Lenhardt, SWR

Allein die Ankündigung des Seminars "Sexuelle Orientierung und Identität in der Bundeswehr" sorgte für großen Wirbel: "Sex-Seminar bei der Bundeswehr", titelte die "Bild"-Zeitung. Im Internet verspottet wurde sie mit "Fummeln fürs Vaterland". Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) selbst hatte den Workshop ins Leben gerufen. 

"Falsche Prioritäten"

"Es ist mir nicht klar, was der Sinn dieser Veranstaltung ist. Mir ist nicht bekannt, dass Homosexuelle in den Streitkräften diskriminiert werden", sagte der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, der "Passauer Neuen Presse". Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Rainer Arnold, warf von der Leyen vor, "falsche Prioritäten" zu setzen. Und auch der Bundeswehrverband schrieb auf seiner Facebook-Seite: "Diversity sollte nicht das erste Thema ihrer Tagesordnung sein. Dort sollte es mehr um das scharfe Ende des Berufs gehen."

Hauptmann Marcus Otto ist anderer Meinung. Er ist 33 Jahre alt und lebt offen schwul. "Diskriminierung von Homosexuellen dringt nicht ganz nach oben. Denn eine Beschwerde ist immer mit einem Outing verbunden", sagt er. Otto dient bei der Artillerie in Idar-Oberstein. Er ist Vorsitzender beim "Arbeitskreis Homosexueller Angehöriger der Bundeswehr e.V." und dort auch Ansprechpartner für Gleichgesinnte.

Persönliche Gespräche bei offener Tür

"Das Problem ist, dass gewisse Diskriminierung schwer nachzuweisen ist", sagt Otto. Die offene, mitunter gewalttätige Diskriminierung gäbe es heutzutage nicht mehr. Vielmehr geschehe sie im Verborgenen - beispielsweise dann, wenn Vorgesetzte mit homophoben Einstellungen über Karrieren entscheiden. Otto berichtet von einem Kameraden, der nach seinem Outing aus "Fürsorgegründen" nicht mehr in den Einsatz geschickt worden sei. "Und das war zu General Kujats Zeiten." Persönliche Gespräche hätten nur noch mit offener Tür stattgefunden.

"Was man sich dabei gedacht hat, weiß ich nicht. Aber daran sieht man, dass auch Vorgesetzte im Umgang mit dieser Thematik immer noch Unterstützung brauchen, weil doch viele sehr unsicher damit umgehen. Wenn die Bundeswehr modern sein will, gehört Diversity-Management dazu." Otto wird bei dem Seminar in Berlin einen Vortrag halten und meint: "Wenn ich im Kreis der besten Arbeitgeber Deutschlands sein will, dann muss ich an allen Problemen gleichzeitig arbeiten."

"Soldaten nicht dem Spott aussetzen"

Es sei "kein randständiges Thema", hatte Ministerin Ursula von der Leyen schon vor dem Workshop gesagt. Soldaten dürften nicht dem Spott ausgesetzt werden,"egal woher sie kommen, egal wen sie lieben, egal an was oder wen sie glauben". Die Vorkommnisse in der Pfullendorfer Staufer-Kaserne sorgen für zusätzliche Brisanz.

Konferenz zu sexuellen Minderheiten bei der Bundeswehr
tagesschau 14:00 Uhr, 31.01.2017, Oliver Köhr, ARD Berlin

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Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 24. Januar 2017 um 00:30 Uhr.

Korrespondent

Stephan Lenhardt | Bildquelle: SWR/Alexander Kluge Logo SWR

Stephan Lenhardt, SWR

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