Frank-Walter Steinmeier | Bildquelle: dpa

Bundesversammlung Wie viele stimmen nicht für Steinmeier?

Stand: 12.02.2017 11:07 Uhr

Heute bestimmt die Bundesversammlung einen neuen Bundespräsidenten. Alles andere als ein Steinmeier-Sieg in Runde eins wäre eine Sensation. Aber selbst, wenn die ziemlich sicher ausbleibt: Das Stimmverhalten der Union wird allemal interessant.

Die Bundesversammlung wählt heute ab 12.00 Uhr einen Nachfolger von Bundespräsident Joachim Gauck. Als Favorit gilt der SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier. Der 61-jährige Ex-Außenminister ist der gemeinsame Kandidat der Großen Koalition. Auch Grünen- und FDP-Stimmen sollen an ihn gehen. Zuletzt war 1999 mit Johannes Rau ein Sozialdemokrat zum Bundespräsidenten gewählt worden.

Die anderen Bewerber gelten als chancenlos: der Armutsforscher Christoph Butterwegge als Linken-Kandidat, AfD-Vize Albrecht Glaser, der Jurist Alexander Hold (Kandidat für die Freien Wähler) und Engelbert Sonneborn (Kandidat Die Partei).

Dennoch wird mit Spannung erwartet, wie viele der 1260 Mitglieder der Versammlung für Steinmeier stimmen. Vor allem aus der Union dürfte es nicht nur Zustimmung geben. CDU/CSU und SPD haben zusammen 923 Stimmen - also weit mehr als die 631, die im ersten Wahlgang notwendig sind.

Der 77-jährige Gauck kandidiert nach fünf Jahren nicht wieder. Er bleibt noch bis zum 18. März im Amt.

"Die Herausforderungen werden groß sein"

Steinmeier will in dem Amt laut eigenen Worten einer zunehmenden Verunsicherung in der Gesellschaft entgegenwirken.

"Ich stelle mich darauf ein, dass die Herausforderungen groß sind, dass wir die Krisen und Konflikte um uns herum nicht fernhalten können", sagte Steinmeier am Samstagabend bei einem SPD-Empfang anlässlich der Bundesversammlung. "Das Gespräch der Gesellschaft mit sich selbst" müsse wieder neu organisiert werden. Es gehe darum, sich bei Verunsicherungen nicht zu verlieren und die Zukunft zu gestalten, sagte Steinmeier.

Kanzleramtschef, SPD-Kandidat, Außenminister

Steinmeier wurde 1956 als Sohn eines Tischlers im nordrhein-westfälischen Detmold geboren. Unter Gerhard Schröder war er von 1999 bis 2005 Chef des Kanzleramts. In dieser Zeit wirkte Steinmeier maßgeblich an den Hartz-Reformen mit, was ihm die Linkspartei vorhält. In Merkels erster großer Koalition wurde er 2005 Außenminister und 2007 auch Vizekanzler.

Bei der Bundestagswahl 2009 zog er schließlich als SPD-Kanzlerkandidat ins Rennen. Die SPD stürzte jedoch auf 23 Prozent ab - ihr schlechtestes Ergebnis seit 1949. Während der folgenden schwarz-gelben Regierungszeit fungierte Steinmeier bis 2013 als Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bundestag. In der Neuauflage der schwarz-roten Regierung wurde er 2013 erneut Außenminister. Seit langem führt er die Liste der beliebtesten Politiker in Deutschland an.

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Deutschlands Bundespräsidenten

Staatsoberhäupter seit 1949

Theodor Heuss

Theodor Heuss, der erste Bundespräsident Deutschlands, hatte sein Amt von 1949 bis 1959 inne. So mancher bezeichnet ihn als Glücksfall für die junge Republik. Seiner Amtsführung war es zu verdanken, dass das Amt des Bundespräsidenten hohes Ansehen erlangte. Dem Liberalen gelang es, Vorurteile der Weltöffentlichkeit gegen die Deutschen abzubauen. 1959 wurde sogar erwogen, ihm durch eine Änderung des Grundgesetzes eine dritte Amtszeit zu ermöglichen. Heuss lehnte ab. | Bildquelle: picture-alliance / Helga Lade Fo

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Februar 2017 um 09:00 Uhr.

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