SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz | Bildquelle: dpa

SPD zwei Wochen vor der Wahl Die Angst vor der 23-Prozent-Hürde

Stand: 08.09.2017 14:42 Uhr

Zwei Wochen vor der Bundestagswahl ist die Partei von Martin Schulz abgerutscht auf 21 Prozent - und damit unter die historisch schlechten 23 Prozent von Kanzlerkandidat Steinmeier im Jahr 2009. Für eine neue GroKo würde es trotzdem reichen. Aber ist das klug?

Von Wenke Börnsen, tagesschau.de

21 Prozent. Die SPD um Kanzlerkandidat Martin Schulz ist im aktuellen DeutschlandTrend von miesen 23 Prozent auf noch miesere 21 Prozent abgerutscht. Das TV-Duell mit Kanzlerin Angela Merkel hat also nicht die erhoffte Trendwende gebracht - im Gegenteil. Der Abwärtstrend hält unvermindert an. Zwei Wochen vor der Wahl rennt der Schulz-SPD die Zeit davon.

Höchste Zeit also, sich Gedanken zu machen über das Danach. Wie weiter am 25. September? Den Zahlen des DeutschlandTrends zufolge ist die SPD noch stark genug als geschwächter Juniorpartner an der Seite der Merkel-Union. Aber ist das klug?

Als Frank-Walter Steinmeier 2009 versuchte, aus der Großen Koalition heraus, Merkel abzulösen, holte er das schlechteste Ergebnis in der SPD-Geschichte - 23 Prozent. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück erreichte 2013 mit 25,7 Prozent immerhin einen Achtungserfolg, als er die SPD aus der Opposition heraus in den Bundestagswahlkampf führte, um Schwarz-Gelb abzulösen.

GroKo? Die Begeisterung ist übersichtlich

Schwarz-Rot ist zwar nicht sonderlich beliebt, aber laut Umfragen weniger unbeliebt als andere Konstellationen. Merkel wäre einer Neuauflage wohl nicht abgeneigt, in ihrer Partei hält sich die Begeisterung allerdings in Grenzen. Bei der SPD sieht man eine neue Große Koalition noch kritischer. Die Partei hat im aktuellen Regierungsbündnis zwar etwa in der Rentenpolitik einiges erreicht. In den Umfragen zahlt sich das aber nicht aus. Und insbesondere der linke SPD-Flügel hat arge Bauchschmerzen mit der Rolle des ewigen Juniorpartners unter Merkel.

Weitere mögliche Folge einer erneuten GroKo: Die AfD könnte die größte Oppositionspartei werden. Der ARD-DeutschlandTrend sieht sie derzeit bei elf Prozent. Damit wäre die AfD drittstärkste Kraft, noch vor Linkspartei, FDP und Grünen.

Und Jamaika?

Neben einer Großen Koalition würde es rein rechnerisch ebenfalls reichen für ein Bündnis aus Union, FDP und Grünen, auch Jamaika-Koalition genannt. FDP-Chef Christian Lindner zeigte sich allerdings reserviert hinsichtlich eines Bündnisses mit den Grünen. "Für ein Jamaika-Bündnis fehlt mir inzwischen die Fantasie", sagte er dem Magazin "Focus". Auch CSU-Chef Horst Seehofer hatte einem Bündnis mit den Grünen eine Quasi-Absage erteilt.

Die Grünen blicken ebenfalls wenig euphorisch auf die FDP. Die Partei sei gegen Klimaschutz, gegen Abgas-Grenzwerte, gegen den Mindestlohn und gegen die Mietpreisbremse, stellte Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt fest. Eine derartige rückwärtsgewandte Politik sei mit den Grünen im Bund nicht zu machen.

Rot-Rot-Grün ist derzeit kein Thema. SPD und Linkspartei schrieben eine gemeinsame Regierung nach der Bundestagswahl ab und schoben sich gegenseitig die Schuld dafür zu, dass diese Option derzeit Illusion ist.

Wagenknecht gegen Nahles und zurück

"Wenn man sich die Umfragen anguckt, kann man jetzt nicht ernsthaft noch in eine Kamera sagen, wir sehen gute Chancen für Rot-Rot-Grün", sagte Linkspartei-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht. "Man muss eben leider sagen, die SPD hat es vermasselt." Die SPD habe die Hoffnung vieler Menschen enttäuscht, die glaubten, Schulz würde seine Partei auf einen sozialdemokratischen Weg zurückführen.

SPD-Spitzenpolitikerin Andrea Nahles gab die Vorwürfe zurück: "Es ist die Linke, vor allem Sahra Wagenknecht, die gegen die SPD hetzt, wo sie nur kann", sagte sie der "Wirtschaftswoche". "Uns ist es nicht gelungen, das Linksbündnis zu einem Projekt zu machen."

Sahra Wagenknecht | Bildquelle: dpa
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Linken-Politikerin Sarah Wagenknecht und ...

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles | Bildquelle: dpa
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SPD-Spitzenfrau Andrea Nahles streiten um die Schuldfrage.

Trotzdem schloss bislang keine Bundestagspartei die denkbaren Konstellationen Union/SPD, Union/FDP, Union/Grüne, Union/FDP/Grüne und SPD/Linkspartei/Grüne definitiv aus. Ein kategorisches Nein gibt es zu einem Bündnis mit der AfD.

Sigmar Gabriel ist spitze

Notiz am Rande: Während die SPD wieder ungefähr auf dem Niveau angekommen ist, auf dem Schulz die Parteiführung im Frühjahr von Sigmar Gabriel übernommen hat, freut sich der Ex-Parteichef über hervorragende Umfragewerte. Der Außenminister führt erstmals die Bestenliste an, Gabriel liegt bei den Beliebtheitswerten vor Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble.

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. September 2017 um 12:36 Uhr.

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