Silvia Breher (CDU), Petry (AfD) und Hofreiter (Die Grünen) | Bildquelle: Deutscher Bundestag / DPA

Erststimmen-Ergebnisse Überraschungssieger, prominente Verlierer

Stand: 25.09.2017 16:29 Uhr

Prominent, aber unbeliebt? Nicht alle Spitzenpolitiker konnten das Direktmandat für ihren Wahlkreis holen. Andere setzten sich dagegen mit viel Zuspruch durch - so wie AfD-Parteichefin Petry. Die meisten Erststimmen erhielt aber eine CDU-Politikerin.

Von Nil Idil Çakmak, tagesschau.de

Wären nur Bürger aus Sachsen zur Bundestagswahl gegangen, dann wäre die AfD jetzt stärkste Kraft im Bundestag. In dem ostdeutschen Bundesland schaffte sie es, drei Direktmandate für den Bundestag zu erringen.

Den größten Zuspruch durch die AfD-Wähler erfuhr Frauke Petry. 37,4 Prozent der Erststimmen holte sie im Wahlkreis sächsische Schweiz - Osterzgebirge. Das zweitbeste Ergebnis bei der AfD bekam Karsten Hilse. 33,2 Prozent stimmten im Wahlkreis Bautzen I für den Politiker. Das dritte Direktmandat ging an Tino Chrupalla (32,4 Prozent) in Görlitz.

In anderen Bundesländern konnte die AfD dagegen kein Direktmandat gewinnen. Spitzenkandidat Alexander Gauland verlor Frankfurt Oder - Oder Spree und auch Alice Weidel war chancenlos im Wahlkreis Bodensee.

Das einzige Direktmandat der Grünen

Canan Bayram | Bildquelle: dpa
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Gewinnerin bei den Grünen: Canan Bayram

Die Gewinnerin bei den Grünen ist Canan Bayram. Wenn auch mit deutlichem Verlust im Vergleich zu Hans-Christian Ströbele 2013 gewann Bayram mit 26,3 Prozent im unkonventionellsten Wahlkreis Deutschlands: Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg - Prenzlauer Berg Ost. Damit holte sie das einzige Direktmandat für die Grünen.

Parteichef Cem Özdemir verpasste knapp den Einzug über das Direktmandat. Für seinen Wahlkreis Stuttgart I bekam er 29,7 Prozent der Stimmen. Sein CDU-Konkurrent Stefan Kaufmann gewann mit 32 Prozent.

In ihren von CDU und CSU dominierten Wahlkreisen hatten Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter keine Chance. So stimmten nur 7,1 Prozent der Wahlberechtigten in Erfurt - Weimar - Weimarer Land II für Göring-Eckart und 13,7 Prozent in München-Land für Hofreiter.

Direktmandate im Osten Deutschlands

Vier von fünf Direktmandaten gewann die Linkspartei in Berlin. Dabei gingen die meisten Stimmen an Gregor Gysi (39,9 Prozent), Direktkandidat für den Wahlkreis Berlin-Treptow-Köpenick. Mit einem ähnlich hohem Ergebnis gewann Gesine Lötzsch (34,7 Prozent) in Berlin-Lichtenberg und Petra Pau (34,2 Prozent) in Berlin-Marzahn-Hellersdorf. Stefan Liebich zieht mit 28,8 Prozent für den Wahlkreis Berlin-Pankow in den Bundestag. Der einzige Wahlkreis außerhalb Berlins, den die Linkspartei für sich entscheiden konnten, ist Leipzig II. Hier gewann Sören Pellmann mit 25,3 Prozent.

Fraktionschef Dietmar Bartsch verlor dagegen Rostock - Landkreis Rostock II knapp an die CDU. Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht erlitt in ihrem Wahlkreis Düsseldorf II eine deutliche Niederlage. Sie kam auf lediglich 13 Prozent der Stimmen, während die CDU hier 33,8 Prozent der Erststimmen erhielt.

Keine Chance gegen die CDU

FDP-Parteichef, Spitzenkandidat und Fraktionschef - Christian Lindner verkörpert alle wichtigen Positionen, die Parteimitglieder brauchen, um in den Bundestag zu ziehen. Nur das Direktmandat im Wahlkreis Rheinisch-Bergischer-Kreis in Nordrhein-Westfalen konnte Lindner nicht für sich gewinnen. Mit 15,7 Prozent der Erststimmen liegt er weit hinter seinem CDU-Konkurrenten Hermann-Josef Tebroke, der hier 40 Prozent bekam.

FDP: Beer und Lindner stellen Wahlplakate vor | Bildquelle: dpa
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Christian Lindner im Wahlkampf

Wählerverluste

Auch wenn Angela Merkel den Wahlkreis Vorpommern-Rügen - Vorpommern-Greifswald I seit 1990 gewinnt, muss sie einige Einbußen hinnehmen. Zwar bekam sie 44 Prozent der Stimmen. Aber damit verlor sie 12,3 Prozentpunkte gegenüber 2013. Dagegen holte die AfD in ihrem Wahlkreis 19,2 Prozent der Stimmen. Obwohl Wolfgang Schäuble noch länger als die Bundeskanzlerin das Direktmandat in seinem Wahlkreis Offenburg gewinnt - seit 1972 - hat auch er Stimmen verloren. Er erhielt 48,1 Prozent der Erststimmen, verlor allerdings 7,9 Prozentpunkte im Vergleich zu 2013.

Im Wahlkreis Meißen kam es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der CDU und der AfD. Die Wahl um die meisten Erststimmen konnte Thomas de Maizière mit 36,7 Prozent allerdings für sich entscheiden. In Weilheim gewann Alexander Dobrindt mit einer deutlichen Mehrheit der Stimmen. Fast die Hälfte des Wahlkreises (47,9 Prozent) wählte hier den CSU-Politiker.

Das beste Ergebnis erzielte allerdings eine weniger bekannte CDU-Politikerin. Silvia Breher erhielt 57,7 Prozent der Erststimmen in ihrem Wahlkreis Cloppenburg-Vechta. Damit hat sie mehr Stimmen als alle anderen gewählten Bewerber im Bundestag.

Silvia Breher | Bildquelle: silvia-breher.de
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Mit diesem Foto bedankte sich Silvia Breher bei ihren Wählern.

Kaum Direktmandate für Spitzenpolitiker

Das beste Ergebnis für die SPD erzielte Sigmar Gabriel. In Salzgitter-Wolfenbüttel setzte er sich mit 42,8 Prozent der Erststimmen durch. Den Wahlkreis Göttingen gewann Thomas Oppermann nur knapp (34,9 Prozent) gegen seinen Konkurrenten Fritz Güntzler von der CDU (33,3 Prozent).

Heiko Maas in Saarlouis und Andrea Nahles in Ahrweiler mussten für ihren Wahlkreis dagegen eine Niederlage einstecken. In beiden Wahlkreisen gewann die CDU.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. September 2017 in den Sondersendungen zur Wahl ab 09:00 und 12:00 Uhr.

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