Ein Stimmzettel wird in die Urne geworfen | Bildquelle: REUTERS

Bundestagswahl 2017 Es geht um jedes Prozent

Stand: 24.09.2017 15:53 Uhr

Diese Bundestagswahl ist so unvorhersehbar wie lange nicht. Laut Bundeswahlleiter zeichnet sich eine ähnliche hohe Wahlbeteiligung ab wie 2013. Bis um 14 Uhr gaben 41,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Briefwähler sind dabei nicht erfasst.

In Deutschland sind etwa 61,5 Millionen Bürger aufgerufen, ihre Stimme für einen neuen Bundestag abzugeben. Wenn um 18 Uhr die Wahllokale schließen, werden viele gebannt auf die erste Hochrechnung schauen: Denn das Ergebnis der Wahl ist so unvorhersehbar wie lange nicht.

Bei der Wahlbeteiligung zeichnet sich ein ähnliches Ergebnis ab wie vor vier Jahren. Bis um 14.00 Uhr gaben 41,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie der Bundeswahlleiter mitteilte. Das waren 0,3 Prozentpunkte weniger als vor vier Jahren. Die Stimmen der Briefwähler sind dabei nicht berücksichtigt. Die Wahlbeteiligung insgesamt hatte vor vier Jahren 71,5 Prozent betragen. Bei der Bundestagswahl 2009 war sie auf den bislang niedrigsten Stand überhaupt abgerutscht und lag bei 70,8 Prozent.

Steinmeier ruft zu reger Wahlbeteiligung auf

Auch deshalb forderte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Bürger eindringlich zur Stimmabgabe auf. Für ihn sei wählen "in einer Demokratie vornehmste Bürgerpflicht", schrieb Steinmeier in der "Bild am Sonntag". Wer nicht wählen gehe, lasse andere "über die Zukunft unseres Landes" entscheiden. Bei seiner Stimmabgabe bedankte sich der Bundespräsident bei den etwa 650.000 Wahlhelfern.

Als erster Spitzenpolitiker gab der Spitzenkandidat der Grünen, Cem Özdemir, seine Stimme im Berliner Bezirk Kreuzberg ab. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wählte in seiner Heimatstadt Würselen. Begleitet wurde Schulz von seiner Ehefrau Inge. "Mir geht es gut", sagte er. Nervös sei er nicht. Kanzlerin Angela Merkel ging gemeinsam mit ihrem Mann Joachim Sauer im Wahllokal der Humboldt-Universität in Berlin-Mitte zur Stimmabgabe. Sie gab kein Statement ab, sondern sprach nach dem Urnengang nur kurz mit den Wahlhelfern.

SPD-Kanzlerkandidat Schulz gibt in Begleitung seiner Frau Inge seine Stimme in seiner Heimatstadt Würselen ab. | Bildquelle: REUTERS
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SPD-Kanzlerkandidat Schulz gab in Begleitung seiner Frau Inge seine Stimme in Würselen ab.

Angela Merkel wirft ihren Stimmzettel in die Urne. | Bildquelle: AFP
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Kanzlerin Merkel trat am Nachmittag in Berlin-Mitte an die Wahlurne.

Union deutlich vor SPD

Der letzte ARD-DeutschlandTrend sieht die Union allerdings mit 37 Prozent klar vorn, die SPD liegt derzeit bei 20 Prozent. Doch knapp die Hälfte der Wähler zeigte sich noch unentschlossen, weshalb noch viel Bewegung möglich ist.

Besonders spannend wird es am heutigen Wahlsonntag beim Rennen um Platz drei. Für die kleinen Parteien geht es um jeden Prozentpunkt: Schafft es die AfD nicht nur in den Bundestag, sondern sogar zweistellig zu werden? Kann die FDP wieder ins Parlament einziehen und vielleicht sogar in eine Regierungskoalition eintreten? Gelingt den Grünen eine Trendwende? Oder wird es die Linkspartei sein, die auf den letzten Metern noch die entscheidenden Stimmen holt?

Größter Bundestag seit den 1950ern

Eines scheint nach Einschätzung der Beobachter klar: Dem neuen Bundestag werden sechs Fraktionen angehören, so viele wie seit der ersten Wahlperiode von 1949 nicht mehr. FDP und AfD liegen in den Umfragen schon seit längerem konstant über fünf Prozent.

Völlig unklar ist allerdings, mit welcher Regierungskoalition es nach der Wahl weitergehen könnte. Ausgeschlossen haben alle Parteien eigentlich nur eine Zusammenarbeit mit der AfD. Ansonsten ist vieles denkbar.

Koalitionen völlig offen

Nach derzeitigem Stand der Umfragen gibt es eine deutliche rechnerische Mehrheit für eine Neuauflage der Großen Koalition. Auch inhaltlich dürften hier Kompromisse gefunden werden. Zweierbündnisse mit den kleineren Parteien sind - Stand jetzt - rechnerisch nicht möglich. Für Schwarz-Gelb ist es allerdings relativ knapp. Die FDP ist erklärter Wunschpartner der Union.

Eine "Jamaika"-Koalition aus Union, FDP und Grünen ist rechnerisch zwar möglich, entsprechende Koalitionsverhandlungen dürften aber hart werden, insbesondere FDP und Grüne liegen inhaltlich weit auseinander, gleiches gilt für Grüne und CSU. Das Anfang des Jahres in linken Kreisen noch hoffnungsvoll betriebene Projekt Rot-Rot-Grün gilt mittlerweile sowohl rechnerisch als auch inhaltlich als sehr unwahrscheinlich. Auch für eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP dürfte es nicht reichen.

Spannend wird diesmal auch der Blick auf die Wahlbeteiligung. Seit den 2000er-Jahren ist sie fast kontinuierlich gesunken und lag bei der Bundestagswahl 2013 bei 71,5 Prozent. Bei den vergangenen Landtagswahlen war die Wahlbeteiligung jedoch jeweils um vier bis zehn Prozentpunkte gestiegen. Dieser Trend könnte sich im Bund nun fortsetzen.

In der Wahlkabine hat jeder Wähler zwei Stimmen: Mit der Erststimme wird der Kandidat für das Direktmandat des jeweiligen Wahlkreises gewählt. Die Zweitstimme für die Landesliste einer Partei entscheidet darüber, welche Partei mit wie vielen Sitzen in den 19. Deutschen Bundestag einziehen. Und damit auch darüber, welche Regierungskoalitionen möglich sind und welche Partei den Bundeskanzler stellen kann.

Bis zu 700 Abgeordnete erwartet

Durch die vielen zu erwartenden Ausgleichs- und Überhangmandate dürfte der künftige Bundestag noch einmal größer werden als noch in dieser Legislaturperiode. Statt wie heute 630 könnte das Parlament in den kommenden vier Jahren Schätzungen zufolge bis zu 700 Abgeordnete haben. Vorgesehen sind eigentlich nur 598 Parlamentarier.

Insgesamt treten 42 Parteien zur Wahl an, 34 davon stellen in mindestens einem Bundesland eine Landesliste, die restlichen treten mit Direktkandidaten in den insgesamt 299 Wahlkreisen an.

Bei der Wahl 2013 schaffte die Union mit Angela Merkel 41,5 Prozent, SPD-Herausforderer Peer Steinbrück kam auf 25,7 Prozent. SPD und Union gingen daraufhin in Koalitionsverhandlungen für eine Große Koalition. Mitte Dezember stand das Regierungsbündnis.

61,5 Millionen Wahlberechtigte sind zur Stimmabgabe aufgefordert
tagesschau 13:15 Uhr, 24.09.2017, Axel Finkenwirth, ARD Berlin

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Über dieses Thema berichtete am 24. September 2017 die tagesschau um 09:00 Uhr und tagesschau24 um 09:12 Uhr.

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