Wahlhelfer sortieren die roten Wahlbriefe mit den abgegebenen Stimmen für die Bundestagswahl 2017. | Bildquelle: dpa

Statistik zur Bundestagswahl Wahl der Taktierer

Stand: 23.03.2018 06:56 Uhr

So strategisch wählten die Deutschen noch nie: Bei der Bundestagswahl splitteten mehr Wähler ihre Stimmen als je zuvor- das zeigt die Analyse des Wahlleiters. Auch bei den Briefwählern gab es einen Rekord.

Bei der Bundestagswahl 2017 haben sich 27,3 Prozent für das sogenannte Stimmensplitting entschieden. Sie wählten also mit der Zweitstimme die Landesliste einer Partei, gaben aber dem Direktkandidaten einer anderen Partei ihre Erststimme. Das geht aus der vom Bundeswahlleiter vorgestellten repräsentativen Wahlstatistik hervor. Laut Bundeswahlleiter Georg Thiel haben damit "so viele Wählerinnen und Wähler wie noch nie bei der Vergabe von Erst- und Zweitstimme eine unterschiedliche Wahlentscheidung getroffen."

Besonders viele FDP-Wähler taktierten

Vergleichsweise selten nutzten das Stimmensplitting die Wähler von CDU, CSU, SPD und AfD, besonders häufig Wähler der FDP. 56,4 Prozent derjenigen, die sich für die FDP-Liste entschieden, wählten mit ihrer Erststimme Direktkandidaten anderer Parteien.

Die meisten Erststimmen von FDP-Wählern erhielten die Direktkandidaten der CDU (33,8 Prozent). Auch von den wenigen, die für die AfD-Liste stimmten und dazu den Direktkandidaten einer anderen Partei wählten, entschieden sich die meisten für die CDU. Vom Stimmensplitting der Wähler der Grünen-Listen profitierte vor allem die SPD, aber auch die CDU erhielt etliche Erststimmen aus dem Lager der Grünen-Wähler.

2009 splitteten 26,4 Prozent

Bei der Bundestagswahl 2009 hatten sich 26,4 Prozent der Wähler für ein Stimmensplitting entschieden. 2013 wählten 23 Prozent diese Strategie. Traditionell entscheiden sich eher Anhänger kleiner Parteien für das Stimmensplitting, weil sie nicht mit einem Wahlerfolg des Direktkandidaten ihrer Partei rechnen.

Stimmzettel für die Wahl zur Bundestagswahl 2017. | Bildquelle: dpa
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Stimmensplitting: Besonders häufig nutzten dies Wähler der FDP.

Die repräsentative Wahlstatistik stützt sich auf eine Stichprobe von 2,2 Millionen Wahlberechtigten. Dabei basiert sie auf der tatsächlichen Stimmabgabe selbst und nicht auf nachträglichen Angaben wie dies etwa von Wahlforschungsinstituten praktiziert wird.

Rekord bei Briefwählern

Weiterer Rekord: Der Anteil der Briefwähler war so hoch wie noch nie. Er erreichte mit 28,6 Prozent einen neuen Höchststand. Diese Zahlen stammen nicht aus der repräsentativen Wahlstatistik, sondern aus dem endgültigen Wahlergebnis. Der Anteil der Briefwähler lag damit um 4,3 Prozentpunkte höher als bei der Bundestagswahl 2013.

Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen neuen und alten Bundesländern: Die Quote war im Osten Deutschlands deutlich niedriger. Sie reichen von 17,9 Prozent in Sachsen-Anhalt bis 23,9 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. In den alten Bundesländern lagen die Quoten zwischen 22 Prozent in Niedersachsen und 37,3 Prozent in Bayern.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 26. Januar 2018 um 14:15 Uhr.

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