Außenminister Sigmar Gabriel | Bildquelle: dpa

Vizekanzler Gabriel Er ist so frei

Stand: 28.08.2017 11:33 Uhr

Als SPD-Chef gescheitert, als Wirtschaftsminister mit gemischter Bilanz, als Chefdiplomat plötzlich beliebt: Kein Wunder, dass er sein Außenamt gerne behalten würde. Ein Rückblick auf erstaunliche vier Jahre im politischen Leben des Sigmar Gabriel.

Von Sabine Rau, ARD-Hauptstadtstudio

Es ist die erstaunlichste Metamorphose im politischen Berlin der vergangenen Jahre: Als Sigmar Gabriel am 24. Januar 2017 an das Rednerpult im Willy-Brandt-Haus tritt, ist er als Parteichef am Ende. Es ist das Eingeständnis: Mit ihm hat die SPD keine Chance im anstehenden Bundestagswahlkampf. Aber er hat auch noch einen Coup parat: Er greift nach dem Auswärtigen Amt, als Vizekanzler und Außenminister - ein Job auf Zeit, denken viele damals.

Im Auswärtigen Amt löst die Nachricht Alarmstimmung aus. Der sprunghafte, unbeherrschte Raufbold als Chefdiplomat in internationaler Mission? Nicht nur als SPD-Chef, auch als Wirtschaftsminister eilt ihm ein robuster Ruf voraus.

Martin Schulz und Sigmar Gabriel | Bildquelle: dpa
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Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: Als Parteichef am Ende ...

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel nach dem Verlassen eines Flugzeugs der Flugbereitschaft der Bundeswehr | Bildquelle: dpa
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... beginnt Gabriel einen Neuanfang als Chefdiplomat.

Schwarzbrot im Wirtschaftsministerium

Das Wirtschaftsministerium hatte er sich zu Beginn der Legislaturperiode gesichert in der Hoffnung, seiner Partei auf diesem Gebiet bessere Kompetenzwerte zu verschaffen. Es sind allerdings harte Brocken, die er zu bewältigen hat. Und die Bilanz ist keinesfalls überall glänzend: Die Klimaabgabe für besonders dreckige Kohlekraftwerke scheitert, die Energiewende gestaltet sich äußerst schwergängig - wegen des Netzausbaus liefert er sich einen zähen Konflikt mit Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer.

Als Erfolg kann Gabriel allerdings die Rettung von 15.000 Tengelmann/Edeka-Arbeitsplätzen verbuchen, wie auch die Durchsetzung des Freihandelsabkommens mit Kanada, CETA, gegen den zunächst entschiedenen Widerstand seiner eigenen Partei.

Befreit von tonnenschwerer Last

Allerdings verschaffen diese Erfolgsmeldungen weder ihm noch seiner Partei dauerhaft Pluspunkte. Das ist die Situation Ende 2016, als es um die Entscheidung geht, wer die SPD in den Bundestags-Wahlkampf führt. Wochenlang lässt er seine Partei, seinen Parteifreund Martin Schulz und die Öffentlichkeit im Unklaren.

Als die Würfel gefallen sind, scheint eine tonnenschwere Last von Gabriel genommen. Während die Umfragewerte für den neuen SPD-Chef in die Höhe schnellen, macht Gabriel sich auf in diplomatische Missionen: Gleich die erste Reise geht nach Paris, danach Washington,  Moskau, Israel, Golfstaaten.

Außenminister Gabriel bei einer Rede | Bildquelle: REUTERS
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In seiner neuen Rolle als Chefdiplomat gefällt Gabriel - sich selbst und auch anderen.

Und: Es gibt nicht etwa die von vielen Beamten im Auswärtigen Amt befürchteten Friktionen. Im Gegenteil: Gabriel zeigt sich als gewandter Diplomat, trifft den richtigen Ton gegenüber Trump und Putin, spricht Klartext gegenüber schwierigen Partnern wie Benjamin Netanyahu und Recep Tayyip Erdogan.

Plötzlich populär

Das verschafft ihm neues Ansehen: Seine Beliebtheitswerte steigen so hoch wie nie zuvor. Und er weiß den plötzlichen Aufwind zu nutzen: In der Europapolitik fordert er Kanzlerin und Finanzminister heraus mit einem Namensartikel in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", in dem er mehr deutsches Geld für Europa verlangt. Und in der Türkeipolitik ist er es, der den Kurs für die gesamte Bundesregierung neu justiert.

Gabriel versteht die Popularität des Außenamts zu nutzen und damit auch im Wahlkampf zu punkten. Niemand in Berlin hat einen Zweifel daran: Sigmar Gabriel hat die feste Absicht, auch in der nächsten Regierung zu bleiben, was er ist: Außenminister.

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