Weihnachtsmarkt nach dem mutmaßlichen Anschlag | Bildquelle: AP

Anschlag auf Weihnachtsmarkt Berlin in Schockstarre

Stand: 20.12.2016 13:50 Uhr

Zwölf Tote und Dutzende Verletzte, der Beifahrer des Lastwagens erschossen - der Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt schockiert. Das Innenministerium ordnete bundesweite Trauerbeflaggung an.

Nach dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin mit zwölf Toten hat die Polizei ihre Präsenz auf den Straßen der Hauptstadt verstärkt. "Wir haben vorsorglich die Zahl der Streifen in Berlin erhöht", teilte die Polizei auf Twitter mit. Die Beamten sind demnach "wie in allen Bundesländern" mit Schutzwesten und Maschinenpistolen ausgestattet.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière ordnete für heute bundesweite Trauerbeflaggung an. Wie sein Ministerium mitteilte, gilt die Weisung für sämtliche Behörden unter Bundesaufsicht. Dies geschehe "als Zeichen der Anteilnahme nach der Gewalttat auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin am gestrigen Abend".

Am Montagabend war ein Lastwagen auf einen Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast. Dabei wurden mindestens zwölf Menschen getötet. Rund 50 Menschen wurden verletzt. In den Kliniken der Berliner Charité werden noch zwölf Menschen mit schweren Verletzungen, sagte de Maizière.

Die Fakten - die Fragen

Die Fakten
* Am Montagabend gegen 20 Uhr rast ein Sattelschlepper auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin.
* Zwölf Menschen sterben, 49 werden teils lebensgefährlich verletzt. Die Bundesregierung spricht seit Dienstag von einem Terroranschlag, der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" reklamiert die Tat für sich.
* Auf dem Beifahrersitz des Lkw wird ein Toter entdeckt. Es ist der ursprüngliche Fahrer aus Polen. Er wurde erschossen.
* Der Lkw gehört einer polnischen Spedition mit Sitz in Gryfino bei Stettin.
* Nach der Tat wird in der Nähe der Berliner Siegessäule ein Mann festgenommen. Da kein dringender Tatverdacht besteht, wird er wieder freigelassen.
* Am Mittwoch wird bekannt, dass die Polizei bundesweit nach einem Tunesier fahndet. Dessen Ausweispapiere sollen im Fußraum des Lkw gefunden worden sein. Der Mann hat laut ARD-Recherchen Verbindungen zu Salafisten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.
Die Fragen
* Die Identität des Fahrers: Wer fuhr den Lkw und flüchtete dann vom Tatort?
* Die Anzahl der Täter: Waren mehrere Menschen an dem Attentat beteiligt?
* Wo wurde der Lkw gestohlen?
* Die Stunden vor der Tat: Wurde der Lkw, wie der Spediteur unter Verweis auf GPS-Daten sagt, am Nachmittag mehrmals gestartet?

Beifahrer erschossen

Der dunkle Lastwagen mit polnischem Kennzeichen fuhr laut Polizei gegen 20 Uhr auf einer Strecke von 50 bis 80 Metern über den Markt und zerstörte dabei mehrere Stände. Ein weiterer Mann, der auf dem Beifahrersitz saß, starb laut Polizei vor Ort. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter sagte, er sei erschossen worden. Er berief sich auf Erkenntnisse der Ermittlungsbehörden. Bei dem Erschossenen handelt es sich demnach vermutlich um den polnischen Kraftfahrer, der den Lastwagen aber nicht gesteuert haben soll.

Nach der Tat wurde ein 23-jähriger Mann festgenommen, der als mutmaßlicher Täter bezeichnet wurde. Doch die Ermittler sind sich inzwischen nicht mehr sicher, ob es sich um den Fahrer des Lkw handelt. "Es ist in der Tat unsicher", sagte der Berliner Polizeipräsident Klaus Kandt. Die Ermittlungen dauerten allerdings noch an. Es würden unter anderem DNA-Proben mit Spuren in dem Sattelschlepper abgeglichen, und der Mann werde auf Schmauchspuren, also Rückstände von Schießpulver, an den Händen untersucht.

Der für den Staatsschutz zuständige Generalbundesanwalt in Karlsruhe leitet die Ermittlungen. Für den Nachmittag kündigte er eine Pressekonferenz an.

Sattelschlepper in Polen gestohlen?

Der Lastwagen gehörte einer polnischen Spedition, wie deren Eigentümer Ariel Zurawski dem polnischen Sender TVN 24 sagte. Der eigentliche Fahrer war laut Speditionseigentümer seit etwa 16.00 Uhr nicht mehr zu erreichen gewesen. "Er ist mein Vetter, ich kenne ihn seit meiner Kindheit. Ich bürge für ihn", sagte Zurawski der Nachrichtenagentur AFP am Telefon. Der Lastwagen hatte Stahlkonstruktionen aus Italien nach Berlin transportiert. Wegen einer Verzögerung habe der Fahrer bis zum Dienstag warten müssen und den Lastwagen in Berlin geparkt, so Zurawski.

Der Lastwagen könnte polnischen Medien zufolge am Montagnachmittag in Berlin entführt worden sein. GPS-Daten hätten gezeigt, dass der Wagen ab etwa 16 Uhr mehrmals gestartet worden sei, berichtete der Sender TVN24 unter Berufung auf die betroffene polnische Spedition bei Gryfino in der Nähe von Stettin. Dabei könnte es sich um Versuche eines mutmaßlichen Entführers gehandelt haben, den LKW zu steuern, vermuteten polnische Medien. Gegen 19.45 Uhr habe der Wagen seinen Standort in Berlin endgültig verlassen, hieß es.

Tagesschau-Sondersendungen

Über die Ereignisse in Berlin berichtet das Erste heute wie folgt:
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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Dezember 2016 von 12:00-15:10 Uhr.

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