Filmproduzent Artur Brauner und seine Tochter Alice | Bildquelle: dpa

Filmproduzent Artur Brauner Der alte Mann und das Finanzamt

Stand: 26.04.2018 18:43 Uhr

Der erfolgreiche Filmproduzent Artur Brauner hat dem Fiskus offenbar Steuern in Millionenhöhe geschuldet. Sind die Berliner Finanzbehörden zu nachgiebig?

Von Gabi Probst und Rene Althammer, rbb

Auch wenn sein 100. Geburtstag unmittelbar bevorsteht, den Gang über den roten Berlinale-Teppich ließ Artur Brauner sich auch in diesem Jahr nicht nehmen. Brauner, das ist deutsche Nachkriegsfilmgeschichte schlechthin. Ob Winnetou und Old Shatterhand oder "Hitlerjunge Salomon": Artur "Atze" Brauner hat den deutschen Film international bekannt gemacht.

Doch es gibt nicht nur den erfolgreichen Filmproduzenten, der sich zu Recht in Glanz und Glamour sonnt. Es gibt auch den anderen Brauner, den Unternehmer und Immobilienbesitzer, der seit über zwei Jahrzehnten mit den Berliner Finanzämtern im Streit liegt. Es geht um Millionen.

Filmproduzent Artur Brauner | Bildquelle: AFP
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Artur Brauner ist einer der erfolgreichsten deutschen Filmproduzenten.

Mehr als 70 Millionen Euro Schulden beim Finanzamt?

Im Sommer vergangenen Jahres behauptete das Finanzamt Wilmersdorf noch, Brauner schulde dem Staat 35 Millionen Euro nicht gezahlte Steuern und weitere 38 Millionen Euro an Säumniszuschlägen. Auch wenn sein Anwalt die Rechtmäßigkeit der Summen bestreitet: Dass Brauners Zahlungsmoral gegenüber dem Fiskus mitunter zu wünschen übrig ließ, scheint unstrittig.

Inzwischen sollen zumindest die offenen Steuerforderungen beglichen worden sein, so der Anwalt weiter gegenüber dem ARD-Politikmagazin "Kontraste". Strittig scheinen indes noch die Säumniszuschläge.

Die Berliner Senatsverwaltung schweigt

Wenn Brauner dem Finanzamt wirklich über Jahre Steuern in Millionenhöhe schuldig blieb, dann stellen sich Fragen, vor allem an die Berliner Politik: Warum haben die Finanzämter die offenen Forderungen nicht viel früher eingetrieben? Warum wurden keine steuerstrafrechtlichen Ermittlungen eingeleitet, als Brauner wohl über Jahre keine Steuererklärung abgab? Die Senatsverwaltung schweigt zu dem Fall - Steuergeheimnis.

Dies aber könne so nicht bleiben, fordert nun Wolfgang Kubicki (FDP), der nicht nur Vizepräsident des Deutschen Bundestags ist, sondern auch Anwalt im Steuerstrafrecht. "Politische Konsequenzen wären zunächst, dass das Berliner Abgeordnetenhaus sich mit der Frage intensiv beschäftigen muss, auch mit der Frage der Verantwortlichkeit", sagt er.

Ein Füller und ein Taschenrechner liegen auf einer Steuererklärung | Bildquelle: picture alliance / Hans-Jürgen
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Jahrelang gab Brauner offenbar keine Steuererklärung ab.

Sollte der Finanzsenator sich gegenüber den Abgeordneten im Fall Brauner jedoch auf das Steuergeheimnis berufen "dann bleibt nur ein Untersuchungsausschuss, um den Vorgang zu beleuchten und die Verantwortlichkeiten festzustellen", so Kubicki.

Dass Brauner, der über Jahrzehnte zur Berliner High Society gehörte, bisher weitgehend ungeschoren davon kam, schüre einen bösen Verdacht, so Kubicki: "Das kann ich mir nur vorstellen über besondere Beziehung zwischen den beteiligten Personen." Anders sei dies nicht denkbar. "Und zwar deshalb, weil nach wie vor die Finanzverwaltung aus meiner Sicht die schlagfertigste Verwaltung überhaupt ist. Dass die das zulässt, ohne dass sie eine Direktive bekommt, nicht tätig zu werden, halte ich für ausgeschlossen."

"Echte Steuerrückstände"
Bundesland"Echte Rückstände" per 31.12.2017 in Mio. Euro
Baden-Württemberg789,553
Bayern1.216
Berlin304,6
Brandenburg311,305
Bremen67,8
Hamburg253,88
Hessen493,76
Mecklenburg-Vorpommern147
Niedersachsen460
Nordrhein-Westfalen1.100
Rheinland-Pfalz325,3
Saarland72,186
Sachsen205
Sachsen-Anhalt96,7
Schleswig-Holstein162,552
Thüringen61
Gesamtdeutschland5.966,897 (2012: 6.796,638)

"Echte Steuerforderungen" gehen zurück

Der Fall Brauner scheint eine Besonderheit darzustellen. Bundesweit ist die Höhe der so genannten offenen "echten" Steuerforderungen immer weiter zurückgegangen. Für ganz Deutschland lagen sie zum 31. Dezember bei 5,967 Milliarden Euro.

In Berlin waren es 304,6 Millionen Euro. Brauner gehörte mit den vom Finanzamt geforderten 35 Millionen Euro dann schon zu den Großschuldnern. Um so unverständlicher, warum Politik und Justiz über Jahre nicht durchgriffen.

Wohl eher eine Ausnahme. Denn die Höhe der "echten Steuerrückstände", also der Forderungen, die weder gestundet wurden noch strittig sind, nimmt seit Jahren ab. Aktueller Spitzenreiter ist Bayern mit 1,216 Milliarden Euro, wie das Finanzministerium mitteilte. Schlusslicht Thüringen fehlen dagegen gerade einmal 61 Millionen Euro in der Kasse, wie eine "Kontraste"-Umfrage ergeben hat.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version hieß es, Hessen sei Spitzenreiter bei den "echten Steuerrückständen". Wir haben dies entsprechend korrigiert.

Über dieses Thema berichtete "Kontraste" am 26. April 2018 um 21:45 Uhr im Ersten.

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