NSA Datenskandal | Bildquelle: picture alliance

Recherchen von NDR und "SZ" Neue Selektorenlisten im BND gefunden

Stand: 21.05.2015 18:13 Uhr

Beim Bundesnachrichtendienst sind offenbar weitere Selektorenlisten der NSA gefunden worden. Dabei handelt es sich um Dateien mit insgesamt 459.000 Suchbegriffen. Das berichtete nach Recherchen von NDR und SZ ein leitender BND-Mitarbeiter im BND-NSA-Untersuchungsausschuss.

Von John Goetz, NDR

Der Bundesnachrichtendienst hat in den vergangenen Wochen zwei weitere umfangreiche Selektoren-Dateien entdeckt. Fundort war das Rechtsreferat der Abteilung „Technische Aufklärung“ des BND. Nach Recherchen von NDR und "Süddeutscher Zeitung" berichtete das heute der Leiter der beim BND zur Aufklärung der Affäre eingesetzten Spezialgruppe in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Bundestags-Untersuchungsausschusses.

Hinweise auf EU-Regierungen

Einer der beiden Bestände umfasse rund 400.000 Selektoren und stamme aus dem Frühjahr 2005. In den Suchanfragen der amerikanischen Geheimdienste habe es Hinweise auf Regierungen von EU-Mitgliedsstaaten gegeben. Es sei nicht erkennbar, dass damals Suchbegriffe abgelehnt worden seien. Offenbar habe es bei den 400.000 Selektoren eine Prüfung nach dem G10-Gesetz gegeben, es wurde also geprüft, ob Deutsche von den Suchbegriffen betroffen sind.

Deutsche wohl nicht betroffen

Der zweite Datenbestand stamme aus der Zeit September 2006 bis Anfang 2008. Dabei handele es sich um 59.000 Suchbegriffe. Nur 400 von ihnen seien mit dem Hinweis gekennzeichnet, dass sie abgelehnt würden. Ob die Suchbegriffe auch tatsächlich gelöscht wurden, sei nicht festzustellen. In den Dateien habe es auch Hinweise auf Telefonnummern von EU-Einrichtungen sowie EU- und NATO-Mitgliedsstaaten gegeben. Auch Firmen seien darunter gewesen, allerdings sei keines der Unternehmen in Deutschland ansässig. Ebenso seien keine Dateien mit der deutschen Vorwahl 0049 darunter gewesen.

Bei den Listen aus dem Jahr 2005 und den Listen aus der Zeit von 2006 bis 2008 handele es sich um Telefon-und Faxnummern sowie  E-Mail-Adressen, allerdings nicht um IP-Adressen.

Viele der Ziele, auf die sich die jetzt entdeckten Selektoren beziehen, seien identisch mit den Zielen, die auf den Selektorenlisten im Jahr 2013 entdeckt worden seien.

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