Ein Taschendieb zieht ein Handy aus einer Damenhandtasche. | Bildquelle: dpa

Vertraulicher BKA-Bericht Zuwanderer begehen weniger Straftaten

Stand: 30.12.2016 18:00 Uhr

Im dritten Quartal 2016 ist die Zahl der Straftaten durch Flüchtlinge stark gefallen. Das geht aus einem Lagebild des Bundeskriminalamts hervor. Probleme bereiten den Behörden islamistischer Terror und rechtsextreme Gewalt.

Von Reiko Pinkert und Jan Lukas Strozyk

Die Zahl der Straftaten, bei denen Zuwanderer Täter oder Tatverdächtige sind, ist gesunken. Das geht aus einem vertraulichen Lagebericht des Bundeskriminalamts (BKA) hervor, der NDR und "Süddeutscher Zeitung" vorliegt. Der Bericht beschreibt die Entwicklung der Kriminalität durch Zuwanderer in den ersten drei Quartalen des Jahres 2016. Vergleicht man demnach das dritte und das erste Quartal, ist die Zahl der Straftaten um knapp ein Viertel gesunken.

Für den Gesamtzeitraum gibt das BKA 214.600 Straftaten an. Das sind einige Tausend Straftaten mehr als 2015. Im gleichen Zeitraum haben sich in Deutschland allerdings 213.000 zusätzliche Asylbewerber registriert. Die Kriminalitätsdaten stammen aus laufenden Fallbearbeitungen von Bund und Ländern. Davon sind nicht alle Fälle abgeschlossen - zum Teil können Verdächtige noch freigesprochen werden. Die BKA-Statistik befasst sich mit allgemeiner Kriminalität. Verstöße gegen das Asylrecht flossen nicht ein.

Wer kommt in der Statistik vor?

Als Zuwanderer im Sinne des BKA-Lageberichts gelten Asylbewerber, Asylberechtigte und sich in Deutschland unerlaubt aufhaltende Personen. In Fällen, in denen der Asylstatus unklar ist, ordnete das BKA die Täter anhand der Staatsangehörigkeit zu oder ermittelte den Wohnort. Befand er sich in einer Unterkunft für Asylbewerber, floss die Tat in die Statistik ein.

Zahlen zu Straftätern aus EU-Mitgliedsstaaten wurden im Rahmen des Lageberichts nicht erhoben.

Größtenteils Bagatelldelikte

Ein Kontrolleur in einer Straßenbahn in Kassel. | Bildquelle: dpa
galerie

17% aller Straftaten durch Zuwanderer entfallen auf "Beförderungserschleichung".

Das Papier zeigt, dass ein Großteil der Straftaten Bagatelldelikte sind. Allein 17 Prozent der Straftaten resultieren aus sogenannter Beförderungserschleichung, also Schwarzfahren. Jeweils rund ein Viertel waren Anzeigen wegen Diebstahl beziehungsweise Körperverletzung und andere Gewaltdelikte.

Den überwiegenden Teil der Körperverletzungen fügten sich Zuwanderer gegenseitig zu: Nur sechs Prozent aller registrierten Straftaten sind Fälle, in denen deutsche Staatsangehörige verletzt wurden.

Sexuelle Nötigung, Vergewaltigungen oder Vergewaltigungsversuche und andere Sexualstraftaten machen etwa 1,3 Prozent der Straftaten aus. In der Summe bewegen sich diese Delikte laut BKA "auf konstant niedrigem Niveau".

Unterschiede bei Herkunftsländern

Große Unterschiede stellte das BKA bei den Herkunftsländern der Kriminellen fest. Die Statistik legt nahe, dass Menschen aus Syrien, Irak und Afghanistan - die Länder an der Spitze der Asylstatistiken - relativ selten in den Fokus der Ermittler geraten. Etwa zwei Drittel der Zuwanderer kommen aus diesen Herkunftsländern. Ihr Anteil der Straftäter respektive Verdächtigen liegt jedoch nur bei 33 Prozent.

Umgekehrt werden Zuwanderer vom Balkan (elf Prozent der Einwanderer, 19 Prozent der Tatverdächtigen), aus den Maghreb-Staaten (zwei Prozent, 22 Prozent), aus Gambia, Nigeria und Somalia (zusammen drei Prozent / acht Prozent) und Georgien (0,6 Prozent / fünf Prozent) in Relation deutlich häufiger einer Straftat verdächtigt oder überführt.

Vereinzelte Hinweise auf Kriegsverbrechen

Polizisten bei einer Anti-Terror-Razzia in Hildesheim. | Bildquelle: dpa
galerie

Das BKA erhält immer wieder Hinweise auf Anschlagspläne - Anti-Terror-Razzia in Hildesheim. (Archiv)

Im Bereich der politisch motivierten Straftaten entwickeln sich die Zahlen weniger positiv. Laut BKA-Lagebericht erhielten die Ermittlern bis Mitte November 457 Hinweise auf islamistische Kämpfer oder Sympathisanten, die sich in Deutschland aufhalten sollen.

Gegen 90 Menschen wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet. In einigen Fällen, so das BKA, habe man auch konkrete Hinweise auf Anschlagspläne erhalten. Der Bericht wurde vor dem Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt verfasst. In 19 Fällen ermitteln deutsche Behörden aktuell gegen Zuwanderer wegen Kriegsverbrechen, die im Irak und Syrien begangen worden sein sollen.

Auftrieb für Rechtsextreme

Das BKA verweist in dem Bericht auch auf politisch motivierte Gewalt gegen Zuwanderer durch rechte Gruppen. Die Flüchtlingsdebatte sei "zur Bildung eines ideologischen Konsenses" unter Rechtsextremen geeignet, heißt es in dem Bericht. In Regionen mit einer stark organisierten rechten Szene folgen daraus "nicht nur schwerste Gewaltstraftaten durch Einzeltäter oder Kleinstgruppen, sondern auch die Bildung terroristischer/krimineller Gruppen innerhalb des rechten Spektrums". Das Lagebild nennt dabei explizit die "Gruppe Freital" und die "Old School Society".

Straftaten durch Zuwanderer laut BKA-Lagebericht rückläufig
P. Hornung, NDR
30.12.2016 18:27 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Dezember 2016 um 18:30 Uhr.

Darstellung: