Eine Kita  | Bildquelle: dpa

Nationaler Bildungsbericht "Soziale Schere geht auseinander"

Stand: 22.06.2018 13:56 Uhr

Immer mehr Kinder und Jugendliche werden an Kitas und Schulen gefördert und ausgebildet, zeigt der Bildungsbericht. Doch ihre Chancen hängen weiter vom Einkommen ihrer Eltern ab. Die Forscher fordern Invesitionen.

Kitas und Schulen in Deutschland sind aus Expertensicht noch nicht gut genug auf den stetig wachsenden Zulauf von Kindern und Jugendlichen eingestellt. Dabei droht die Kluft zwischen jenen mit großen Bildungserfolgen und jenen mit schlechten Chancen für das Arbeitsleben zu wachsen. Das geht aus dem aktuellen Bildungsbericht 2018 hervor. Der Bericht im Auftrag von Bund und Ländern stammt von einer unabhängigen Forschergruppe.

Bildungsbericht: Wunsch nach höherer Bildung steigt
tagesschau 20:00 Uhr, 22.06.2018, Anke Hahn, ARD Berlin

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Soziale Herkunft entscheidet

So verließen mit 49.300 Schulabgängern 2016 wieder mehr Jugendliche als in den Vorjahren die Schule ohne mindestens einen Hauptschulabschluss (sechs Prozent). "Dabei handelt es sich vornehmlich um einen Anstieg bei ausländischen Jugendlichen", so der Bericht. Fast jeder zehnte Jugendliche verfehlt in Jahrgangsstufe 9 den Mindeststandard beim Lesen. Dagegen stieg der Anteil der Schulabsolventen mit Abitur binnen zehn Jahren von 34 auf 43 Prozent im Jahr 2016.

Dabei besteht weiterhin ein entscheidender Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Trotz vieler Reformprojekte sei es nicht gelungen, "Bildungsungleichheiten entscheidend zu verringern", heißt es in dem Bericht. Ob Jugendliche ein Studium aufnehmen, hängt also stark mit dem Elternhaus zusammen. Nur knapp ein Viertel der Kinder von Eltern mit einer beruflichen Ausbildung ohne Abitur studieren, bei Akademikerkindern liegt der Anteil dagegen bei mehr als drei Vierteln.

Medizinstudenten sitzen in einer Vorlesung im Hörsaal der Anatomie in der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg | Bildquelle: picture alliance / ZB
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Nur ein Viertel der Kinder von Eltern ohne Abitur studieren.

Das kritisiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): "Allen Maßnahmen zum Trotz ist es bis heute nicht gelungen, das Kardinalproblem des deutschen Bildungssystems - die enge Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg - zu lösen", sagte die GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe. "Die soziale Schere geht sogar wieder weiter auseinander."

Mehr Kinder mit Deutsch als Zweitsprache

Insgesamt kommen wegen steigender Geburtenzahlen und der Zuwanderung nach Deutschland immer mehr Kinder und Jugendliche in die Kitas und Schulen. Deshalb kommen die Forscher zu dem Schluss: Es brauche mehr Personal und Plätze. Auch weil Mütter immer häufiger arbeiteten, steige der Bedarf an Betreuung.

Zudem stelle eine zunehmende Vielfalt in Kindergärten und Schulen eine zentrale Herausforderung für das Bildungssystem dar. Gründe für diese Entwicklung sehen die beteiligten Wissenschaftler unter anderem in Zuwanderung und Inklusion. In Kitas und Schulen stehen Erzieher und Lehrer dem Bericht zufolge vor der Aufgabe, mit sehr unterschiedlichen Gruppen von Kindern und Jugendlichen umgehen zu müssen. So stieg demnach etwa die Zahl der Kinder in Kindertagesbetreuung, die in ihrer Familie vorrangig nicht Deutsch sprechen, zwischen 2006 und 2017 von 363.000 auf 553.000.

Forscher fordern mehr Geld

Der Sprecher der Autorengruppe, der Berliner Bildungsforscher Kai Maaz, sprach sich für einen weiteren Ausbau und Umbau des deutschen Bildungssystems aus. Die Wissenschaftler fordern insbesondere Investitionen: Zentral ist aus ihrer Sicht dabei die Personalausstattung. "Ein, wenn nicht der zentrale Faktor für ein leistungsfähiges Bildungssystem ist eine ausreichende Anzahl an Fachkräften, die die hohen Ansprüche und Erwartungen erfüllen können", heißt es in dem Bericht.

Anja Karliczek | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutter
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Bildungsministerin Anja Karliczek hält Bildung für eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke), sprach von einem "Weckruf an die Politik". Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) betonte: "Bildung liegt in der Verantwortung der gesamten Gesellschaft."

Der nationale Bildungsbericht wird alle zwei Jahre auf Grundlage von amtlichen Statistiken und wissenschaftlichen Studien vorgelegt. Beteiligt sind daran Wissenschaftler führender Forschungsinstitutionen. Das Bundesbildungsministerium und die Kultusministerkonferenz der Länder fördern die Erarbeitung des Bildungsberichts.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Juni 2018 um 12:00 Uhr und 14:00 Uhr.

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