Abrechnung von Kfz-Schäden BGH regelt Kostenersatz bei Unfall

Stand: 11.11.2015 16:27 Uhr

Wer mit seinem Auto einen Unfall hatte, kann sich die Reparatur von seiner Kaskoversicherung zahlen lassen, auch wenn er seinen Wagen nicht reparieren lässt. Der BGH hat entschieden, in welchem Fall die Kosten einer Markenwerkstatt erstattet werden.

Autofahrer bekommen von ihrer Kfz-Versicherung nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes unter bestimmten Bedingungen die Kosten für eine Unfallreparatur in einer Markenwerkstatt ersetzt.

Der Versicherer dürfe bei der Abrechnung nach einem Schadensgutachten nicht die niedrigeren Stundensätze einer "freien" Werkstatt heranziehen, wenn das Auto ein neueres Fabrikat sei oder wenn es bisher immer in einer Markenwerkstatt gewartet und repariert worden sei, entschied der Bundesgerichtshof (BGH). Das müsse der Versicherte im Zweifelsfall nachweisen, etwa durch Einträge im Wartungs-Scheckheft.

Rechnung oder Gutachten

Autofahrer können wählen, ob sie nach einem Unfall die tatsächliche Reparatur-Rechnung einreichen oder den Schaden von einem Kfz-Gutachter schätzen lassen. Viele tun das, wenn sie das schwer beschädigte Fahrzeug nicht mehr reparieren lassen wollen, sondern sich einen neuen Wagen anschaffen.

Etappensieg nach Klage

Ein Autofahrer erzielte vor dem BGH mit seiner Klage gegen die VHV Allgemeine nun einen Etappensieg. Das Landgericht Berlin hatte noch der Versicherung Recht gegeben. Der Mercedes-Fahrer hatte sein Auto nach einem selbst verursachten Unfall nicht reparieren lassen und forderte von der Vollkasko-Versicherung die angenommenen Kosten dafür zurück.

Ein Gutachter errechnete bei der "fiktiven Abrechnung" einen Aufwand von 9400 Euro - auf Basis der Sätze einer Mercedeswerkstatt. Der Versicherer zahlte aber nur 6400 Euro und berief sich dabei auf die deutlich günstigeren Sätze einer freien Werkstatt in der gleichen Gegend.

BGH zu Ansprüchen aus Autoversicherung
tagesschau 17:00 Uhr, 11.11.2015, Tobias Sindram, SWR

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Fall erneut vor dem Landgericht Berlin

Der Anwalt der Versicherung hatte vor dem BGH argumentiert, der Autofahrer wolle sich womöglich bereichern: "Er möchte mehr Geld von der Versicherung in Cash haben als tatsächlich notwendig wäre, um das Fahrzeug in einer freien Werkstatt fachgerecht reparieren zu lassen." Die Anwältin des Autofahrers widersprach. Der BGH stelle lediglich die fiktive Schadensabrechnung gleich mit der Abrechnung für eine tatsächliche Reparatur. Der konkrete Fall muss nun vom Landgericht Berlin noch einmal geprüft werden. Es muss feststellen, ob hier die Voraussetzungen für den Anspruch des Autofahrers vorliegen.

(Az. IV ZR 426/14)

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. November 2015 um 17:30 Uhr.

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