Industriemechaniker-Lehrlinge arbeiten in einer Lehrwerkstatt

Berufsbildungsbericht verabschiedet Freie Lehrstellen - nicht für Hauptschüler

Stand: 15.04.2015 11:05 Uhr

Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt, trotzdem ist die Zahl der Ausbildungsverträge gesunken. Das zeigt der aktuelle Berufsbildungsbericht, den das Kabinett verabschiedet hat. Vor allem Jugendliche mit niedrigeren Schulabschlüssen gehen leer aus.

Die Bundesregierung hat den Berufsbildungsbericht 2015 veröffentlicht. Eine der Kernaussagen: Die Zahl unbesetzter Lehrstellen 2014 hat einen neuen Höchststand erreicht. Demnach waren im Vorjahr 37.100 gemeldete Ausbildungsplätze unbesetzt, ein Plus von rund zehn Prozent im Vergleich zu 2013. Und: Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ging mit gut 522.000 leicht zurück.

Immerhin: Die Zahl unversorgter Bewerber sank auf rund 20.900 Fälle (minus 0,8 Prozent).

Weniger Ausbildungsverträge

Auch die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden bestätigen die Tatsache, dass eine Lücke klafft und weniger Jugendliche ausgebildet werden. Dabei unterscheidet sich die Bilanz der Statistikbehörde leicht von der des Berufsbildungsberichtes, weil unterschiedliche Stichtage zugrunde gelegt werden. So schlossen laut Statistischem Bundesamt rund 518.000 Jugendliche 2014 einen Ausbildungsvertrag ab und damit so wenige wie seit Anfang der 1990er-Jahre nicht. Das seien 7500 oder 1,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Als Gründe werden die rückläufige Zahl von Schulabgängern und die höhere Neigung zum Studium genannt.

Beliebteste Ausbildungsberufe 2014

Der Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau für Büromanagement war 2014 der beliebteste in Deutschland. Von 100 Auszubildenden entschieden sich nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) 29 dafür - mehrheitlich junge Frauen.

Der frühere Spitzenreiter Kaufmann/-frau im Einzelhandel rutschte auf Platz zwei. Bei den weiblichen Lehrlingen liegt die Kauffrau für Büromanagement klar vor Verkäuferin, Kauffrau im Einzelhandel sowie Medizinischer und Zahnmedizinischer Fachangestellten.

Spitzenreiter bei den Männern war der Kfz-Mechatroniker, gefolgt vom Industriemechaniker. Dann kommen Kaufmann im Einzelhandel, Elektroniker sowie Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Viele Studenten, wenige Auszubildende

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka will die traditionsreiche Berufsbildung deshalb aus dem sich abzeichnenden Schattendasein herausführen. "Dringend notwendig ist eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung für die duale Ausbildung, die gerade international als eine Stärke Deutschlands gesehen wird", sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe "eine verstärkte Tendenz, nicht in diese duale Ausbildung zu gehen".

Unter dualer Ausbildung versteht man die parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule oder an einer Berufsakademie. Inzwischen gibt es vor allem bei Abiturienten große Motivationsprobleme - von ihnen nimmt pro Jahrgang gut die Hälfte ein Studium auf.

Wanka sieht Unternehmen in der Pflicht

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Bildungspolitiker Hubert Heil, sagte der dpa: "Mehr Wertschätzung für berufliche Bildung ist immer richtig, aber Wertschätzung allein reicht nicht. Es ist nicht zu akzeptieren, dass Ausbildungssuchende mit schwachen Schulabschlüssen keine Chance auf dem Ausbildungsmarkt bekommen und somit viele Plätze unbesetzt bleiben. Um diese Menschen müssen sich die Unternehmen verstärkt bemühen, anstatt nur über fehlende Ausbildungsreife zu lamentieren."

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack kommentierte die bereits vorliegenden Zahlen des Berichts: "Mehr Jugendliche gehen bei der Suche nach einer Ausbildung leer aus, während gleichzeitig die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze steigt. Die Quote der Ausbildungsbetriebe liegt mit 20,7 Prozent auf dem tiefsten Wert seit 1999. Insgesamt gingen 2014 fast 10.000 Ausbildungsbetriebe verloren." Die gut 37.000 offenen Lehrstellen stünden "längst nicht allen Jugendlichen offen".

Hauptschüler bekommen keine Chance

Das geschäftsführende Vorstandsmitglied der IG Metall, Hans-Jürgen Urban, forderte: "Die Metallarbeitgeber müssen mehr ausbilden. Die Ausbildungsbilanz der IG Metall für 2014 weist erneut im Kernbereich der Metall- und Elektroberufe weniger neue Ausbildungsverträge aus." Daher müsse "die Bestenauslese endlich aufhören", sagte Urban. "Auch Jugendlichen mit Hauptschulabschluss muss eine Ausbildung ermöglicht werden. Über 280.000 von der Bundesagentur für Arbeit als geeignet eingestufte Jugendliche haben vergeblich eine Ausbildung gesucht."

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