Michael Müller, Angela Merkel, Thomas de Maizière und Frank-Walter Steinmeier besuchen die Trauerfeier am Breitscheidplatz | Bildquelle: AP

Nach Anschlag in Berlin "Ein trauriger Jahrestag"

Stand: 19.12.2017 13:30 Uhr

Ein goldener Riss im Boden - er soll die tiefe Wunde symbolisieren, die der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt vor einem Jahr hinterlassen hat. Die Vorstellung des Mahnmals am Breitscheidplatz ist eine von vielen Gedenkveranstaltungen, die heute an die Opfer des Terrorakts erinnern.

Die Hauptstadt Berlin steht heute ganz im Zeichen des Gedenkens: Zum ersten Jahrestag des Attentats hat der Regierende Bürgermeister Michael Müller in einer nicht öffentlichen Zusammenkunft Betroffenen das Mahnmal für das Attentat vorgestellt.

Ein goldener Riss im Boden am Breitscheidplatz soll die tiefe Wunde symbolisieren, die das Attentat im Leben der Betroffenen hinterließ. Im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel legten Hinterbliebene entlang des Risses und auf Stufen mit den Namen der Opfer weiße Rosen nieder.

Nicht Weitermachen wie bisher

Im Anschluss kamen sie gemeinsam mit Helfern zu einer Gedenkandacht in der Gedächtniskirche zusammen. In seiner Rede forderte der Bundespräsident mehr Mitgefühl mit den Hinterbliebenen der Opfer. Weitermachen wie bisher, hätten die Angehörigen verstanden - "das wirkte wie der allzu routinierte Versuch, den Schock zu unterdrücken". Dies habe Unverständnis hervorgerufen.

Die Hinterbliebenen hatten der Kanzlerin in einem offenen Brief politisches Versagen vorgeworfen und kritisiert, dass sie nicht persönlich kondoliert habe. Gestern dann hatte Merkel die Angehörigen und Opfer im Kanzleramt empfangen und betont, dass die Lage von Anschlagsopfern "mit aller Kraft" verbessert werden solle.

Gespräche mit den Hinterbliebenen hätten ihr gezeigt, welche Schwächen der Staat in dieser Situation gezeigt habe, sagte Merkel am Rande des Gedenkens in Berlin.

"Und für mich, und das sage ich für die ganze Bundesregierung, heißt es, daran zu arbeiten, dass wir die Dinge, die nicht gut gelaufen sind, besser machen, dass wir alles Menschenmögliche tun, nicht nur die Sicherheit zu gewährleisten, sondern den Menschen, deren Leben zerstört oder deren Leben getroffen wurde, auch die Möglichkeit zu geben, möglichst gut wieder in das Leben hineinzukommen."

Die Kanzlerin sagte zu, die Angehörigen und Verletzten in einigen Monaten wieder zu treffen, um ihnen deutlich zu machen, was künftig anders laufen sollte.

Ein goldener Riss wurde als Mahnmal auf dem Breitscheidplatz in Berlin eingehweiht | Bildquelle: REUTERS
galerie

Auf dem Breitscheidplatz werden um das Mahnmal Rosen zum Gedenken der Opfer niedergelegt

Schutz vor Terrorangriffen auf dem Prüfstand

Bundespräsident Steinmeier forderte in seiner Rede darüber hinaus, dass der Schutz vor terroristischen Angriffen überprüft werden müsse. "Tun wir wirklich alles, was wir in unserem demokratischen Rechtsstaat tun können und tun müssen, um Terroranschläge zu verhindern?", fragte das Staatsoberhaupt. "Wir müssen Versäumnisse aufklären und aus Fehlern lernen", sagte er angesichts der Pannen bei Ermittlungen gegen den Attentäter Anis Amri.

Der Tunesier war am 19. Dezember 2016 mit einem gestohlenen Lkw in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz gerast und tötete dabei elf Menschen, fast 100 weitere wurden teils schwer verletzt. Zuvor hatte Amri den polnischen Fahrer des Lkw erschossen.

De Maizière sieht Lehren bei Sicherheitsbehörden

Schon Monate zuvor war Amri von deutschen Sicherheitsbehörden als gefährlich eingestuft und zwischenzeitlich inhaftiert worden. Amri, der sich der Terrormiliz "Islamischer Staat" angeschlossen hatte, wurde wenige Tage nach dem Anschlag in Mailand bei einer Polizeikontrolle erschossen. Er war 2015 im Zuge der Flüchtlingsbewegungen nach Deutschland gekommen und hatte Behörden gegenüber unterschiedliche Angaben zu seiner Identität gemacht.

Nach Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière haben die Sicherheitsbehörden bereits Konsequenzen aus dem Anschlag gezogen. In den vergangenen 365 Tagen sei viel dafür getan worden, "damit so etwas nicht noch einmal passiert", twitterte der CDU-Politiker. So bitter es auch sei: Es gebe keine absolute Garantie gegen Terroranschläge, räumte der Minister zugleich ein. "Heute ist ein trauriger Jahrestag", fügte er hinzu.

BMI @BMI_Bund
Heute ist ein trauriger Jahrestag. Minister #deMaizière: „Ich werde den Abend des 19. Dezember 2016 nie vergessen.“ #Breitscheidplatz https://t.co/3lg4tF8srv

Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz gedachte via Twitter ebenfalls der Toten des Anschlags. "Und ich denke an ihre Angehörigen. Wir müssen mehr für die Opfer und die Hinterbliebenen tun", mahnte Schulz.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. Dezember 2017 um 09:00 Uhr.

Darstellung: