In Erfurt informiert ein Bauer Passantinnen über Erzeugerpreise. | Bildquelle: dpa

Sinkende Preise für Lebensmittel Bauern bangen um ihre Existenz

Stand: 23.03.2016 16:22 Uhr

Billige Milch als Lockangebot, Fleisch zum Schnäppchenpreis. Die Verbraucher freut's. Viele Bauern dagegen haben zunehmend Existenzängste, weil sich der Betrieb nicht mehr lohnt. Mit einem Aktionstag warben sie heute für höhere Preise.

Wenn sie Marmelade, Schinken und Butter fürs Frühstück kaufen, fragen sich wohl die wenigsten Supermarktkunden: Wie viel vom Preis an der Kasse geht eigentlich an wen? In der Kette von den Bauernhöfen über die Verarbeiter bis zum Handel herrscht großer Druck. Jeder will verdienen. Natürlich auch die Landwirte. Und die machen nun mobil und fordern wegen starker Preiseinbrüche für Milch und andere Produkte einen größeren Anteil für sich.

Bauern protestieren gegen Schleuderpreise
tagesthemen 22:30 Uhr, 23.03.2016, Gudrun Engel, WDR

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Landwirte fordern Solidarität von Verbrauchern

Mit Aktionen in ganz Deutschland wenden sich Bauern jetzt vor allem an die Verbraucher. "Wir machen Dein Frühstück. Aber Dein Geld kommt nicht bei uns an", lautet eine zentrale Botschaft. Bauernpräsident Joachim Rukwied spricht von weniger als einem Viertel des Lebensmittelpreises im Handel. Der Verband appelliert daher an die Kunden, doch ein bisschen mehr zu zahlen, fordert mehr Wertschätzung für Lebensmittel.

Frederick Hirzel, Geschäftsführer des Bauernverbandes Mecklenburg-Strelitz, zeigt in Stralsund einen Frühstückteller. | Bildquelle: dpa
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Ein Frühstückteller mit Agrar-Erzeugnissen: Protest der Landwirte gegen Schleuderpreise für Lebensmittel in ganz Deutschland.

Weltweiter Milchsee wächst

Aber warum sind die Preise für die Erzeuger so niedrig? Dass viele Höfe finanziell bangen müssen, liegt in erster Linie an den Weltmärkten. Schon seit Monaten sind die Preise, die die Landwirte dort erzielen können, tief im Keller. "Wir sehen leider kein Licht am Ende des Tunnels", sagt Bauernpräsident Rukwied.

Beispiel Milch: der Erzeugerpreis sackte von mehr als 37 Cent auf 27 Cent pro Liter ab. Eine Ursache ist die schwächere Nachfrage in Schwellenländern vor allem in Asien. Außerdem stellen Milchbauern in den USA und Neuseeland mehr her. Und noch immer blockt Russland als Antwort auf EU-Sanktionen wegen der Ukraine-Krise Agrarimporte.

Druck auch vom Handel

Die vier Handelsriesen Edeka, Rewe, Lidl und Aldi beherrschen zusammen 85 Prozent des Markts. Sie sitzen in Preisverhandlungen daher am längeren Hebel. Viele Bauern ärgert es auch, dass Lebensmittel in den Läden seit einigen Monaten teurer werden, obwohl der Handel doch günstiger ordern kann. Die Supermärkte weisen Kritik daran vehement zurück. Mit der Spanne auf den Einkaufspreis müssten eigene Kosten für Lagerung, Verpackung und Transporte gedeckt werden. Und viel sei das ohnehin nicht. Bei einem Liter Trinkmilch, der bei einer günstigen Eigenmarke im Kühlregal 55 Cent kostet, liege sie bei gut sechs Cent.

Auf Gedeih und Verderb?

Trotz der Rangeleien wissen alle, das sie als Partner aufeinander angewiesen bleiben. Eine Schlüsselrolle komme den Molkereien zu, betont der Bundesverband des Lebensmittelhandels. Schließlich könnten sie Strategien entwickeln, um Rohmilch zu hochwertigen Produkten für verschiedene Abnehmer im In- und Ausland zu veredeln. So könnten auch Leistungszuschläge für Bauern drin sein. Der Bauernverband drängt die Molkereien, sich für Preisverhandlungen mit dem Handel stärker zu verbünden. Und die Grünen fordern ein generelles Umsteuern weg von der reinen Mengenproduktion für die Weltmärkte, Stichwort "Klasse statt Masse".

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