Fässer mit Atommüll

23 Milliarden überwiesen Atomkonzerne kaufen sich frei

Stand: 03.07.2017 17:44 Uhr

Für insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro übernimmt ab sofort der deutsche Staat die Verantwortung für die Endlagerung des Atommülls. Ob die Milliarden-Zahlungen der deutschen Atomkonzerne tatsächlich ausreichen, kann jedoch niemand verlässlich sagen.

Deutschlands Atomkonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall haben insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro für die Zwischen- und Endlagerung des Nuklearmülls an einen Staatsfonds überwiesen. Das bestätigten die Konzernsprecher auf dpa-Nachfrage.

Die Milliardensumme fließt in einen Fonds, der von Investment-Spezialisten verwaltet wird. Daraus sollen die Kosten vor allem für das geplante Atom-Endlager beglichen werden. Wie hoch diese sein werden und ob die Zahlungen der Konzerne reichen, kann heute noch niemand verlässlich sagen. Spätestens Ende 2022 werden alle Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet. Bis dahin soll der Staatsfonds noch deutlich an Wert gewinnen.

Atomkraftwerk Isar 1: Wegen der Abschaltung nach Fukushima hatte E.ON geklagt
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Bis zur Abschaltung des letzten Atomkraftwerks Ende 2022 soll der Fonds noch anwachsen.

Allein Eon zahlte zehn Milliarden

Aus technischen Gründen und wegen der hohen Summen mussten die Überweisungen auf mehrere Vorgänge aufgeteilt werden. Allein vom größten Einzelzahler Eon kamen rund 10 Milliarden Euro. Eon musste erhebliche Anstrengungen unternehmen, um das Geld aufzubringen: So gab es im März eine Kapitalerhöhung, zusätzlich legte der Konzern Mitte Mai Anleihen mit einem Volumen von zwei Milliarden Euro auf.

RWE steuerte 6,8 Milliarden Euro bei, EnBW 4,8 Milliarden Euro und Vattenfall 1,8 Milliarden Euro. Indem sie die Summe auf einen Schlag aufbrachten, umgingen die Konzerne die hohen Zinsen von 4,58 Prozent jährlich, die im Falle einer Ratenzahlung zusätzlich angefallen wären.

Jetzt trägt der Staat das Risiko

Alle weiteren Risiken für die künftige Entsorgung liegen damit ab sofort beim Staat. Dieser Kompromiss geht auf Vorschläge der Atomkommission von 2016 zurück. Die Konzerne müssen außerdem die Stilllegung und den Abriss der Kernkraftwerke bezahlen. Das wird nach Einschätzung von Fachleuten noch Jahrzehnte dauern.

Noch vor wenigen Tagen hatten Eon, RWE und EnBW allerdings unverhoffte Zusatzeinnahmen kassiert: Der Staat musste nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes gut sechs Milliarden Euro an zu Unrecht erhobener Brennelementesteuer für die Kernkraftwerke plus Zinsen zurückerstatten.

Teurer Geldsegen - wohin mit den Atom-Milliarden?
J. Döschner, WDR
03.07.2017 19:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Juli 2017 um 17:00 Uhr.

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