Schriftzug des Antrags auf Asyl

Deutlicher Anstieg seit Jahresbeginn Asylanträge von Türken mehr als verdoppelt

Stand: 05.11.2016 17:38 Uhr

Fast 4000 Türken haben seit Jahresbeginn in Deutschland Asyl beantragt. Das sind mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2015. Doch die Entwicklungen seit dem Putschversuch im Juli seien dafür nicht verantwortlich, betonte das Bundesinnenministerium.

Seit Jahresbeginn ist die Zahl von Asylanträgen türkischer Staatsbürger deutlich gestiegen. Zwischen Januar und September seien 3973 Anträge bei den deutschen Behörden gestellt worden, erklärte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Das seien mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2015.

Kein signifikanter Anstieg seit dem Putschversuch

Das Innenministerium bestätigte damit zwar die Zahlen, über die zuerst die "Bild"-Zeitung berichtet hatte. Der Ministeriumssprecher widersprach aber ausdrücklich der Darstellung der Zeitung, wonach vor allem die Folgen des Putschversuchs in der Türkei für den Anstieg verantwortlich seien. Die deutlichen Zuwächse bei den Asylanträgen türkischer Bürger haben demnach nichts mit dem Vorgängen in der Türkei nach dem gescheiterten Putsch im Juli zu tun. Seither habe es keine signifikante Steigerung der Zahlen gegeben, sagte der Sprecher.

In der Türkei herrscht seit dem Putschversuch der Ausnahmezustand. Präsident Recep Tayyip Erdogan geht massiv gegen mutmaßliche Unterstützer des Putschversuchs vor. Zehntausende Menschen wurden festgenommen oder aus dem Staatsdienst entlassen. Kritiker werfen ihm vor, unter dem Deckmantel des Vorgehens gegen Putschisten und Terroristen massiv auch gegen alle seine politischen Gegner vorzugehen und dabei die besonderen Machtbefugnisse zu nutzen, die er im Zuge des Ausnahmezustands besitzt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. November 2016 um 07:03, 08:03 und 09:44 Uhr.

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