Ingo Kramer, der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)  | Bildquelle: picture alliance / dpa

Arbeitgeber zu Fremdenfeindlichkeit "Das Image deutscher Produkte leidet"

Stand: 24.09.2016 12:21 Uhr

Die zunehmende Fremdenfeindlichkeit könnte das Image deutscher Produkte verschlechtern und so der Wirtschaft schaden. Das sagte Arbeitgeberpräsident Kramer der "Passauer Neuen Presse". Laut Innenministerium hat die fremdenfeindliche Gewalt tatsächlich dramatisch zugenommen.

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hat vor Schäden für die deutsche Wirtschaft gewarnt, sollte die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland weiter um sich greifen. "Es ist noch gar nicht so lange her, dass wir im Ausland für unsere Willkommenskultur gefeiert wurden. Das ändert sich gerade. Jetzt zeigt sich ein anderes Bild", sagte Kramer der "Passauer Neuen Presse".

Wenn "nachhaltig der Eindruck entsteht, dass der Fremdenhass stärker ist als die Willkommenskultur, wird das ein großes Problem", sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). "Das könnte unter anderem dazu führen, dass das Image deutscher Produkte leidet und die Investitionsbereitschaft zurückgeht."

Gegen die "Verrohung der Sprache"

Kramer bemängelte in diesem Zusammenhang zudem die "Verrohung der Sprache", insbesondere in der Politik. "Leider äußern sich Politiker heute gegenüber Flüchtlingen und Fremden in einer Weise, die ihnen vor einiger Zeit noch peinlich gewesen wäre. Das ist unerträglich", sagte der BDA-Chef.

Vielleicht glaubten manche Politiker, dass die Bürger bei den etablierten Parteien blieben, wenn sie sich mit scharfen Worten über Flüchtlinge äußerten. "Aber das Gegenteil ist der Fall. Wer gegen Fremde ist, sucht sich das Original und nicht die Kopie", sagte Kramer mit Blick auf die Wahlerfolge der rechtspopulistischen AfD. "Man gräbt der AfD nicht das Wasser ab, indem man argumentiert wie sie."

Fremdenfeindliche Gewalt dramatisch gestiegen

Tatsächlich ist die Zahl der fremdenfeindlichen Gewalttaten in diesem Jahr einem Bericht zufolge dramatisch gestiegen. Von Januar bis Mitte September habe die Polizei bereits 507 Fälle und damit fast doppelt so viele wie im Vorjahr registriert, berichtet der "Spiegel" in seiner neuen Ausgabe unter Berufung auf eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Grünen-Anfrage.

Die Zahl aller politisch motivierten Straftaten gegen Asylbewerber und Flüchtlinge betrug demnach zufolge seit Jahresbeginn mehr als 1800. Demnach legten Neonazis und Asylgegner in diesem Jahr schon 78 Mal Feuer, sieben Tötungsdelikte wurden gezählt.

Trotz der massiven Zunahme rechter Gewalt stufen die Behörden laut "Spiegel" nur 20 Rechtsextremisten als "Gefährder" ein. Zum Vergleich: Bundesweit sind 520 islamistische Gefährder registriert. Das sei "nicht verständlich", sagte die Grünen-Innenpolitikerin Irene Mihalic dem "Spiegel": "Da klafft im rechten Bereich ein gewaltiges Loch zwischen der Anschlagswirklichkeit und der Zahl derer, die man real im Fokus hat."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. September 2016 um 09:00 Uhr.

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