Vom BKA veröffentlichte Fahndungsfotos des tunesischen Verdächtigen Anis Amri. | Bildquelle: dpa

Informationen zum Verdächtigen Wer ist Anis Amri?

Stand: 21.12.2016 21:35 Uhr

Anis Amri wurde von deutschen Ermittlern als islamistischer "Gefährder" geführt. Wegen möglicher Anschlagsplanungen wurde er sogar monatelang überwacht. Und auch vor seiner Zeit in Deutschland fiel er durch Verbrechen auf. Was ist über ihn bekannt?

Anis Amri ist für die deutschen Sicherheitsbehörden kein Unbekannter. Gegen den Tunesier wurde wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermittelt, wie der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger in Düsseldorf sagte. Die Ermittlungen seien vom Landeskriminalamt NRW initiiert worden und wurden in Berlin geführt. Dort habe der 24-Jährige seit Februar dieses Jahres seinen Lebensmittelpunkt gehabt und sei nach heutigem Kenntnisstand zuletzt nur kurz in Nordrhein-Westfalen gewesen. Die Sicherheitsbehörden hätten ihre Erkenntnisse über ihn im gemeinsamen Terrorabwehrzentrum ausgetauscht, zuletzt im November 2016.

Amri war als islamistischer "Gefährder" bekannt. Er sei "durch Kontakte zu einer radikal-islamitischen Szene aufgefallen". Ermittler gehen seit längerem davon aus, dass er eine "staatsgefährdende Straftat" verüben könnte. Die deutschen Sicherheitsbehörden stufen derzeit 549 Menschen als Gefährder ein. Nicht alle von ihnen halten sich in Deutschland auf.

Stand der Ermittlungen im Fall des Terrorverdächtigen Anis Amri
tagesthemen 22:00 Uhr, 21.12.2016, Demian von Osten, WDR

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Im Umfeld Abu Walaas aktiv

Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" geriet Amri bei Ermittlungen gegen Abu Walaa und dessen engste Helfer in den Fokus der Behörden. Abu Walaa, der im November verhaftet wurde, wird als die "Nummer 1 des IS in Deutschland" bezeichnet. Amri fiel bei Telefonüberwachungen als eine Art Übermittler von Nachrichten auf.

Dass die Sicherheitsbehörden ihm einen Terrorakt zutrauen, wird mit Blick in die Gefährderdatei deutlich, die dem Bayerischen Rundfunk in Auszügen vorliegt. Dort hieß es bereits im März:

Der Verdächtige werbe im gesamten Bundesgebiet "offensiv bei anderen Personen darum, gemeinsam mit ihm islamistisch motivierte Anschläge zu begehen". Er beabsichtige, sich "großkalibrige Schnellfeuergewehre über Kontaktpersonen in der französischen Islamistenszene zu beschaffen". Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei davon auszugehen, dass A. seine Anschlagsplanungen "ausdauernd und langfristig" verfolgen werde.

Bis September überwacht

Zwischen März und September wurde der Tunesier überwacht, teilte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft mit. Es habe den Verdacht gegeben, dass er einen Einbruch plane, um sich Mittel für den Kauf automatischer Waffen zu beschaffen - "möglicherweise, um damit später mit noch zu gewinnenden Mittätern einen Anschlag zu begehen", fügte die Staatsanwaltschaft hinzu. Amri sei daraufhin observiert worden, auch seine Kommunikation sei überwacht worden.

Allerdings hätten die "umfangreichen Überwachungsmaßnahmen" keine Hinweise zu den Vorwürfen erbracht. Deshalb habe "keine Grundlage für eine weitere Verlängerung der Anordnungen zur Überwachungsmaßnahmen mehr" bestanden, diese seien im September beendet worden, hieß es in der Justizerklärung weiter.

Dies steht teils in Widerspruch zu Informationen von NDR, WDR und SZ unter Berufung auf eine Vertrauensperson des LKA. Demnach habe sich Juli 2016 der Verdacht noch einmal erhärtet - die Vertrauensperson berichtete, Amri spreche davon, Anschläge begehen zu wollen. Amri habe die Vertrauensperson gefragt, ob sie Schusswaffen besorgen könne. Zudem sollen zwei der engsten Gefolgsleute von Abu Walaa ihm Unterschlupf und Ausweispapiere angeboten haben.

Bundeskriminalamt @bka
#FAHNDUNG nach Tatverdächtigem #Breitscheidplatz: #GBA und #BKA bitten um Ihre Mithilfe: https://t.co/rqI5FB08Qt https://t.co/GpfvZM2qs2

Abschiebung geplant - und gescheitert

Amris verwendete offenbar mehrere Identitäten. Im Sommer wurde er laut NDR, WDR und SZ in Friedrichshafen mit einem gefälschten Ausweisdokument festgenommen. Das Amtsgericht Ravensburg teilte dazu mit, eine Person mit dem Namen Anis A. sei bei einer Routinekontrolle der Polizei aufgegriffen worden, weil sie abgeschoben werden sollte. Warum er aus der Abschiebehaft entlassen wurde, sei nicht bekannt.

Im Juni 2016 wurde Amris als Asylbewerber abgelehnt, wie NRW-Innenminister Jäger bestätigte. Der Tunesier habe abgeschoben werden sollen. Dies sei wegen fehlender Ausweispapiere aber nicht möglich gewesen. Tunesien habe zunächst bestritten, dass er Staatsbürger des Landes sei. Die Ausweispapiere habe man nun heute erhalten - zwei Tage nach dem Anschlag. "Ich will diesen Umstand nicht weiter kommentieren", so Jäger.

Verbindungen des Terrorverdächtigen Anis Amri zur Salafisten-Szene
tagesthemen 22:00 Uhr, 21.12.2016, Boris Baumholt, Georg Heil, WDR

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Saß Amri in Italien im Gefängnis?

In Deutschland hielt sich der Tunesier bereits seit 2015 auf. Laut Jäger reiste der Verdächtige vermutlich im Juli des Jahres nach Deutschland ein. Er sei "hochmobil" gewesen. Zunächst tauchte er in Freiburg in Baden-Württemberg auf, dann in Nordrhein-Westfalen und Berlin.

Vor seiner Zeit in Deutschland lebte Amri vermutlich in Italien. Nach einem unbestätigten tunesischen Medienbericht des Senders Mosaik verbrachte er vier Jahre in einem italienischen Gefängnis, weil er Feuer gelegt hatte. Mosaik beruft sich auf Amris Vater und auf tunesische Sicherheitskreise. Seine Heimat verließ der junge Mann demnach vor sieben Jahren - angeblich auch, weil er dort mehrfach wegen Drogendelikten festgenommen worden war.

Keine Spur

Seit Dezember haben die Ermittler die Spur des Tunesiers verloren. Vermutlich tauchte er unter. Derzeit ist unklar, ob Amri den Lastwagen fuhr, der am Montag in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gelenkt wurde. In dem Fahrzeug wurde allerdings seine Duldungsbescheinigung gefunden. Sonst gibt es keine Spur von ihm.

Polizist vor dem verwüsteten Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin | Bildquelle: dpa
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Im Fahrerhaus fanden die Ermittler einen toten Polen - den eigentlichen Fahrer - und eine Duldungsbescheinigung Amris.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 21. Dezember 2016 um 22:05 Uhr.

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