Bei Anschlag in Berlin zerstörter Lkw  | Bildquelle: dpa

Hinweise auf Täterschaft Fingerabdrücke von Amri gefunden

Stand: 22.12.2016 14:49 Uhr

Nach dem Berlin-Anschlag erhärten sich die Indizien auf eine Täterschaft von Anis Amri. Nach Informationen von NDR, WDR und SZ wurden an der Fahrertür des Lkw seine Fingerabdrücke gefunden. Bereits vor Monaten hatte sich der Tunesier offenbar als Selbstmordattentäter angeboten.

An der Tür des Sattelschleppers, mit dem der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt verübt wurde, sind die Fingerabdrücke des Verdächtigen Anis Amri gefunden worden. Das haben Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" ergeben. Wie die "Berliner Zeitung" erfuhr, sollen entsprechende Spuren auch am Lenkrad des Sattelschleppers entdeckt worden sein. Dies wollte die Bundesanwaltschaft nicht kommentieren.

Bereitschaft signalisiert

Der Tunesier, der europaweit von der Polizei gesucht wird, hatte sich offenbar bereits vor Monaten als Selbstmordattentäter angeboten. Das schreibt der "Spiegel". Laut dem Bericht hätten dies Auswertungen der Telefonüberwachung von "Hasspredigern" ergeben. Das Magazin berichtet, dass Amris Formulierungen jedoch verklausuliert gewesen seien. Dies habe als Grundlage für eine Festnahme nicht ausgereicht. Von März bis September war Amri überwacht worden. Seit Dezember gilt er als untergetaucht.

Dem Bericht zufolge erkundigte sich der Tunesier auch, wie er sich Waffen beschaffen könne. Amri wird dringend verdächtigt, am Montagabend einen polnischen Lkw in seine Gewalt gebracht und in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gesteuert zu haben. Dabei kamen der polnische Fahrer des Lkw sowie elf weitere Menschen ums Leben, etwa 50 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Europaweite Fahndung nach Anis Amri
tagesschau 14:00 Uhr, 22.12.2016, Ingrid Bertram, WDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Bruder: "Ich bitte ihn, sich zu stellen"

Über Amri, der 2015 über Italien nach Deutschland gelangt war, hieß es weiter im "Spiegel", er habe sich hierzulande gegenüber den Behörden als politisch verfolgter Ägypter ausgegeben. Da er so gut wie keine Angaben über Ägypten habe machen können, sei sein Asylantrag innerhalb weniger Wochen als "offensichtlich unbegründet" abgelehnt worden. Auch sei damals bereits aufgefallen, dass er sich unter verschiedenen Identitäten in Europa bewegte.

Ein Bruder des 24-Jährigen rief Amri zur Aufgabe auf. "Ich bitte ihn, sich der Polizei zu stellen", sagte Abdelkader Amri der Nachrichtenagentur AP. Die Familie im tunesischen Oueslatia sei erschüttert über die Nachrichten von dem Anschlag. "Wenn bewiesen wird, dass er verwickelt war, sagen wir uns von ihm los", sagte Amris Bruder.

Ein weiterer Bruder Amris, Walid Amri, sagte, Anis habe keine Verbindung zum Terrorismus. "Wir standen per Facebook und Telefon mit ihm in Kontakt." Sie hätten vor zehn Tagen gesprochen. "Er hat mir gesagt, dass er im Januar nach Tunesien kommt und dass er sich für ein Projekt ein Auto gekauft hat", sagte Walid der Nachrichtenagentur Reuters.

Unterwegs mit falschen Identitäten

Die Behörden halten Amri für dringend tatverdächtig. Sie waren auf den Mann aufmerksam geworden, weil im Führerhaus des Lkw Dokumente gefunden wurden, die auf Amri hindeuten. Ob sich der Tunesier tatsächlich am Tatort aufgehalten hat, ist bisher unklar.

Bekannt ist, dass Amri mindestens acht Identitäten benutzte. Auch die Papiere im Lkw waren nicht auf seinen richtigen Namen ausgestellt. Nach Einschätzung von ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt könnte hinter den zurückgelassenen Dokumente Kalkül gesteckt haben: "Es könnte Absicht gewesen sein, denn auch andere islamistische Terroristen haben an Tatorten Ausweise hinterlassen", sagte er gegenüber tagesschau.de. "Wenn Attentäter damit rechnen, dass sie eventuell sterben werden, könnte es darum gehen, dass die Öffentlichkeit unbedingt erfahren soll, wer sie waren."

Auch US-Geheimdienste beobachteten Amri

Auch US-Geheimdienste hatten den Mann offenbar im Visier. Wie die "New York Times" berichtet, stand er über den Messenger-Dienst Telegram mindestens einmal im Kontakt mit dem IS. Die Zeitung beruft sich auf die Aussage eines nicht näher beschriebenen US-Offiziellen. Demnach soll sich Amri im Internet auch über den Bau von Sprengsätzen informiert haben. Wegen dieser Vorgeschichte stand der Tunesier offenbar auf der Flugverbots-Liste der USA.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Dezember 2016 um 14:00 Uhr.

Darstellung: