Die Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe

Verdächtiger Zettel im Wohnheim "Ali Baba 13.11. Paris."

Stand: 20.11.2015 06:01 Uhr

Die Anschläge von Paris bescheren auch dem deutschen Generalbundesanwalt jede Menge Arbeit. Besonders seltsam ist ein Fall aus dem sauerländischen Arnsberg. Dort soll ein Algerier auf einem Zettel eine verdächtige Bemerkung hinterlassen haben.

Von Holger Schmidt, SWR, ARD-Terrorismusexperte

"Ali Baba 13.11. Paris." Diese handschriftliche Notiz bereitet den Ermittlern seit Tagen Kopfzerbrechen. Ist es ein Zufall oder ein versteckter Hinweis? Und wann wurde es geschrieben?

Gefunden wurde das Papier, versteckt oder verloren, hinter einem Schrank, einen Tag nach den Anschlägen von Paris. Im Zimmer eines 39-jährigen Algeriers, der in einem Wohnheim in Arnsberg (Sauerland) lebt. Zuvor hatten zwei syrische Flüchtlinge gemeldet, der Mann hätte schon Tage vor den Attentaten von Paris eine Gewalttat in der französischen Hauptstadt angekündigt.

Ist der Mann womöglich ein Mitwisser?

Der Mann war den Behörden bekannt

Fest steht nach SWR-Informationen: Der Algerier war im sogenannten Gemeinsamen Zentrum - das ist eine Einrichtung von Polizei und Zollbehörden aus Deutschland und Frankreich - schon vor den Attentaten bekannt: Der Mann darf Frankreich nicht betreten. Es besteht ein Einreiseverbot.

Andererseits haben Untersuchungen der Notizen nicht eindeutig ergeben, dass der Algerier wirklich der Verfasser ist. Gegenüber der deutschen Polizei beteuert der Mann seine Unschuld. Er sitzt trotzdem in Untersuchungshaft. Wegen des Verdachts der Nichtanzeige geplanter Straftaten, wie es juristisch heißt.

Beamte eines Spezialeinsatzkommandos der Polizei in Alsdorf bei Aachen | Bildquelle: dpa
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Nicht jede Spur ist eine heiße: Bei den sieben Verdächtigen jedenfalls, die am Dienstag nahe Aachen festgenommen wurden, hat sich die Polizei inzwischen entschuldigt.

Wenn dieser Vorwurf im Zusammenhang mit Terrorismus steht, ist es zwingend ein Fall für den Generalbundesanwalt. Deswegen hat die Behörde in Karlsruhe nun die Ermittlungen übernommen. "Wir behandeln es mit der gebotenen Sorgfalt", ist der einzige Satz, der der Sprecherin des Generalbundesanwalts zu entlocken ist. Aufregung klingt anders.

Es ist nicht der einzige Fall, der die Behörde seit den Attentaten von Paris beschäftigt: Wegen des Todes eines Deutschen wird ebenfalls ermittelt, die Terrorwarnung im Zusammenhang mit dem Spiel Deutschland-Niederlande ist ein Fall für den Generalbundesanwalt, und auch ein seltsames Ermittlungsverfahren aus Cuxhaven.

Erst Alsdorf, nun Arnsberg und Cuxhaven

Dort hatten sich am Abend der Attentate Zeugen bei der Polizei gemeldet und von einem jungen Mann berichtet, der ihnen von den Anschlägen berichtet haben soll. Auch dieser Mann ist für die Polizei kein Unbekannter. Bereits vor einiger Zeit hatte er Sympathie für den so genannten "Islamischen Staat" bekundet und stand dafür vor dem Jugendrichter. Sonderlich ernst wurde das allerdings nicht genommen, eine Strafe gab es nicht.

Die Zeugen aus Cuxhaven konnten gegenüber der Polizei aber nicht sagen, wann genau am Freitagabend der Mann ihnen von den Anschlägen erzählt hatte. Es scheint gut möglich, dass er davon aus den Medien erfahren hatte und alles ein Missverständnis ist. Doch die Sorge vor Verbindungen nach Deutschland lässt die Sicherheitsbehörden alle diese Fälle sehr ernst nehmen.

So wie auch den Fall am Montag in der Nähe von Aachen. Sieben Personen wurden aufgrund einer Zeugenaussage vorübergehend von der Polizei festgenommen, weil einer von ihnen der flüchtige Attentäter gewesen sein soll. Es war eine Verwechslung. Inzwischen hat sich die Polizei bei den Leuten entschuldigt.

Dieser Beitrag lief am 20. November 2015 um 06:40 Uhr auf WDR 5.

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