Airbus A400M (Archivbild, ©Bundeswehr/Andrea Bienert) | Bildquelle: Bundeswehr /Bienert

Ärger um Transportflugzeug A400M - der teure Ladenhüter

Stand: 17.03.2017 17:45 Uhr

Die Bundeswehr hat zu viele Transportflieger des Typs A400M bestellt. Verkaufen? Niemand will sie haben. Nun muss die Luftwaffe die überzähligen Maschinen selbst betreiben - das kostet mindestens 500 Millionen Euro zusätzlich.

Von Christian Thiels, tagesschau.de

"Ein Verkauf konnte bis heute nicht realisiert werden." Dieser schlichte Satz ist das Eingeständnis eines dramatischen Scheiterns. Er findet sich in einem Brief von Markus Grübel, seines Zeichens Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, an die Haushaltspolitiker, die sich federführend um den Wehrtetat kümmern.

Seit 2011 versucht die Bundeswehr 13 Transportflugzeuge des Typs A400M loszuwerden. Man hatte 53 Flieger bestellt, will aber nur noch 40 abnehmen. Denn mehr Flugzeuge braucht die Luftwaffe nicht. Doch auf eine Stornierung ließ sich Airbus nicht ein. Also entschied der Haushaltausschuss im Januar 2011, den unmittelbaren Weiterverkauf der zu viel bestellten Flugzeuge mit Airbus gemeinsam zu organisieren.

Keiner will die Pannenflieger

Doch es fand sich kein Käufer für das pannenbehaftete Flugzeug. Was also tun? Die Maschinen einzulagern und weiter nach einem Käufer zu suchen sei "äußerst risikohaft", schreibt Grübel, weil sehr teuer und personalintensiv. Am liebsten wäre es dem Verteidigungsministerium, die Maschinen einer multinationale Einheit zu unterstellen und dann gemeinsam mit anderen Ländern zu betreiben und natürlich auch die Kosten zu teilen.

Airbus A400M (Archivbild, ©Bundeswehr/Andrea Bienert) | Bildquelle: Bundeswehr /Bienert
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Die Bundeswehr hat lediglich Bedarf für 40 Transportflugzeuge des Typs Airbus A400M.

Doch konkrete Verhandlungen dazu gibt es bislang nicht. Nun sollen die Maschinen erst einmal von der Luftwaffe betrieben werden. Doch das ist gar nicht so einfach. "Aus operativ-taktischen Gründen sowie aus Platzgründen wäre eine Verteilung der 13 Luftfahrzeuge A400M auf zwei Standorte notwendig", schreibt Grübel in seinem Brief, der tagesschau.de vorliegt.

Es fehlt an Platz und Personal

Doch genug geeignete Flugplätze hat die Bundeswehr ebenso wenig wie genug Personal, um die zusätzlichen Maschinen zu betreiben. Also braucht es zusätzliche Soldaten, mehr Infrastruktur und diverse zusätzliche Technik für Wartung und Betrieb. "Eine grobe Abschätzung anfallender Ausgaben für den Anfangsflugbetrieb" der überzähligen Transportflugzeuge ergab "einen einmaligen Investitionsbedarf von mindestens 505 Millionen Euro", ist in Grübels Schreiben nachzulesen.

alt Airbus A400M

Airbus A400M

Der taktische Militärtransporter Airbus A400M "Grizzly" soll die veralteten Transportmaschinen verschiedener Luftstreitkräfte ersetzen, bei der Bundeswehr die Transall. Der erste Prototyp wurde Ende 2009 erprobt. Im Oktober 2013 stellte die französische Luftwaffe das erste Serienmodell in Dienst. Die Bundeswehr erhielt die erste Maschine im Dezember 2014. Das propellergetriebene Flugzeug hat eine Gesamtlänge von 45 und eine Spannweite von 42,40 Metern. Bei einer maximalen Reisegeschwindigkeit von 780 km/h kommt die Maschine bei 20 Tonnen Nutzlast auf eine Reichweite von maximal 6390 Kilometern.

Der A400M kann über längere Strecken im Tiefflug und zum Absetzen von Lasten oder Fallschirmspringern eingesetzt werden. Allerdings gab es während der Entwicklung zahlreiche Probleme, die zu erheblichen Verzögerungen im Vergleich mit den ursprünglich geplanten Auslieferungsterminen führen.

Weitere Kostenrisiken durch den A400M

Allein 150 Millionen würde der notwendige Umbau des Flugplatzes Untermeitingen verschlingen. Für Tobias Lindner, der für die Grünen im Verteidigungs- und Haushaltsausschuss sitzt, ist das Eingeständnis des Verteidigungsministeriums eine Art Bankrotterklärung: "Diese Entscheidung macht deutlich, dass die Neuverhandlungen des A400M Vertrages von 2010 der Realität nicht standhalten", so Lindner.

Ärgerlich findet er vor allem, dass die Bundesregierung dem Hersteller Airbus auch noch einen 500-Millionen-Euro Kredit gewährt habe, dessen Rückzahlung direkt von dem weiteren Exporterfolg des A400M abhänge. Die Rückzahlung des Exportkredits sei nun angesichts der fehlenden Interessenten für die 13 überzähligen Flugzeuge äußerst fragwürdig. "Das Ministerium selbst beziffert das Ausfallrisiko mit etwa 1,2 Milliarden Euro. Das A400M-Programm ist und bleibt ein Sorgenkind", so Lindner.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. März 2017 um 17:25 Uhr

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