Im Namen der "AfD Armee Fraktion" Ex-Mitglieder der AfD erhalten Drohbriefe

Stand: 20.03.2016 20:30 Uhr

Mehrere Ex-AfD-Mitglieder haben Drohbriefe von der "AfD Armee Fraktion" erhalten. Sie sollen ihre Mandate niederlegen. Ex-AfD-Politiker Henkel spricht von einem "traurigen Höhepunkt". Die Drohbriefe sprengten alles, was er bisher erleben musste.

Mehrere ehemalige Mitglieder der AfD haben von Unbekannten Drohbriefe erhalten. Sämtliche Empfänger der Schreiben, die von der selbsternannten "AfD Armee Fraktion" (AAF) verschickt wurden, hatten sich nach ihrem Ausstieg aus der AfD der Partei "Allianz für Fortschritt und Aufbruch" (ALFA) angeschlossen.

In den Briefen würden die Politiker aufgefordert, ihre Mandate niederzulegen, sagt der stellvertretende ALFA-Vorsitzende Bernd Kölmel der Nachrichtenagentur Reuters. Er bestätigte damit einen Medienbericht. Die "Welt am Sonntag" hatte von insgesamt sechs betroffenen AfD-Aussteigern berichtet. Die meisten sollen aus Baden-Württemberg stammen. Neben seiner Position bei der ALFA hat Kölmel auch noch einen Sitz im Europaparlament inne.

Vor Landtagswahlen in drei Bundesländern verschickt

Die Drohbriefe seien während des Wahlkampfes in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt verschickt worden. Landeskandidaten, die für die ALFA antraten, sollten ihre Bewerbungen zurückziehen. In allen drei Bundesländern hatten am 13. März Landtagswahlen stattgefunden - und bei allen drei Wahlen hatte die AfD Spitzenwerte erreicht.

Die Drohungen richten sich dabei nicht nur gegen den Empfänger selbst, im Fall von Kölmel wurde auch seine Familie angegriffen: "Verpiss dich mit deiner Arschloch Partei oder wir räumen auf und bei deinen Kindern fangen wir an", heißt es in dem an ihn adressierten Schreiben. Und weiter: "Der bewaffnete Kampf hat begonnen." Mit ihrer Namensgebung "AfD Armee Fraktion" orientiert sich die Gruppierung offenbar an der linksextremen RAF-Bewegung, der "Roten Armee Fraktion".

Unterzeichnet sind die Schreiben mit den Worten "Heil Höcke". Björn Höcke ist AfD-Chef in Thüringen. Er repräsentiert den nationalistischen Flügel der Partei und wurde bereits wiederholt dafür kritisiert, sich nicht klar genug von der rechtsextremen NPD zu distanzieren.

Thüringens AfD-Chef Björn Höcke | Bildquelle: dpa
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Björn Höcke ist der AfD-Chef in Thüringen.

Rache für verlorene AfD-Wählerstimmen

Ebenso wie Kölmel erhielt auch Hans-Olaf Henkel, ehemaliges Mitglied im AfD-Bundesvorstand, einen Drohbrief. Dieser ging an seine Berliner Adresse, die öffentlich eigentlich nicht bekannt ist. "Wir werden uns für jede Stimme rächen, die Du die AfD kostest", war darin zu lesen, gefolgt von Todesdrohungen.

Auch Henkel sitzt nach wie vor im Europaparlament. Er war im vergangenen Juli aus Protest gegen die Wahl Frauke Petrys zur neuen Bundesvorsitzenden aus der AfD ausgetreten. Danach hatte Petry ihn sowie Kölmel und den AfD-Mitbegründer Bernd Lucke, der später ALFA-Chef wurde, mehrfach aufgefordert, die Mandate im EU-Parlament aufzugeben.

Hans-Olaf Henkel, Ex-Vorstand der AfD, zu den Drohbriefen
20.03.2016

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Henkel glaube aber nicht, dass hinter den Schreiben eine "terroristische Struktur" stehe. Aus seiner Sicht wurden die Drohbriefe von einem Einzeltäter verschickt. Dass ein Mitglied der AfD-Spitze dahinter stehen könnte, schloss er aus.

"Das spottet jeder Beschreibung"

Über das Ausmaß der Bedrohung ist er schockiert. Er sei immer wieder - etwa als BDI-Chef - scharf angegangen worden. "Aber das, was ich vom rechten Rand der AfD erfahren musste - auch als ich noch in der Partei war - das spottet jeder Beschreibung. Das sprengt alles, was ich bisher erleben musste", sagte er der ARD. Diese an ihn und seine Familie gerichtete Drohung stelle den "traurigen Höhepunkt" dar.

Die betroffenen Politiker erstatteten Anzeige. In Baden-Württemberg nahm der Staatsschutz die Ermittlungen auf. Alle sechs Briefe sind laut Polizei über das Briefzentrum im baden-württembergischen Waiblingen nahe Stuttgart verschickt worden.

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