Hans und Sophie Scholl | Bildquelle: picture alliance / -/dpa

75. Todestag der Geschwister Scholl Ihr Widerstand wirkt weiter

Stand: 22.02.2018 04:10 Uhr

Vor 75 Jahren wurden Hans und Sophie Scholl hingerichtet, weil sie zum Widerstand gegen das NS-Regime aufriefen. Noch heute stehen ihre Namen für Mut und den Kampf gegen Unrecht. 

Von Stefan Maier, SWR

Es ist kurz nach 17 Uhr am 22. Februar 1943, als Sophie Scholl im Zuchthaus München-Stadelheim unter dem Fallbeil ihr Leben verliert. Mit den Worten "Es lebe die Freiheit!" stirbt wenige Minuten später ihr Bruder Hans. Am gleichen Tag wird auch Christoph Probst hingerichtet, ebenfalls Mitglied der Widerstandsgruppe "Weiße Rose".

Erst vier Tage vorher waren die drei verhaftet worden. Hans und Sophie hatten in der Universität München Flugblätter ausgelegt, die zum Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime aufriefen. "Der deutsche Name bleibt für immer geschändet", heißt es darin wenige Tage nach der Kapitulation in Stalingrad, "wenn nicht die Deutsche Jugend endlich aufsteht, rächt und sühnt zugleich, ihre Peiniger zerschmettert und ein neues geistiges Europa aufrichtet!"

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75. Todestag der Geschwister Scholl

Portraits der "Weißen Rose"

Die Widerstandsgruppe "Weiße Rose" und ihre sechs Mitglieder Willi Graf, Kurt Huber, Alexander Schmorell, Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst (von links) verfassten, druckten und verteilten unter Lebensgefahr insgesamt sechs Flugblätter, in denen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufgerufen wurde. Sie bezahlten dafür mit dem Leben. | Bildquelle: dapd

Verhaftet, verhört, verurteilt

Als Sophie Flugblätter in den Innenhof der Universität wirft, wird sie vom Hausmeister beobachtet. Er hält die Geschwister fest. Sie werden verhaftet, drei Tage lang verhört. Am 22. Februar verurteilt sie der Präsident des Volksgerichtshofs, Roland Freisler, zum Tode. Vier Stunden später werden sie hingerichtet.

Aus den Vernehmungsprotokollen der Gestapo spricht der Mut der Geschwister noch im Angesicht des Todes. "Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue deshalb meine Handlungsweise nicht und will die Folgen (…) auf mich nehmen." So endet das Protokoll.

Sie wusste ebenso wie ihr Bruder, dass sie das Todesurteil erwartete. Kurz vor der Hinrichtung verabschiedeten sich die Geschwister von ihren Eltern. Deren Gnadengesuch blieb erfolglos.

Gedenken an Geschwister Hans und Sophie Scholl
tagesschau 20:00 Uhr, 22.02.2018, Vera Cornette, BR

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Erbe von der Familie weitergeführt

Inge Aicher-Scholl | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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Inge Aicher-Scholl hat die Botschaft der Geschwister Scholl weitergeführt.

Julian Aicher ist einer der Neffen der Geschwister Scholl. Seine Mutter, Inge Aicher Scholl, hat die Botschaft der Geschwister weitergeführt, in Büchern über die beiden, in Taten. Sie hat mit ihrem Mann, dem Designer Otl Aicher, in den 1950er-Jahren gegen die Wiederbewaffnung protestiert, in den 1980ern gegen Atomraketen. Auch Julian fühlt sich dem Erbe verpflichtet.

Vor gut einem Jahr wollte die AfD die Geschwister Scholl für sich vereinnahmen. "Sophie Scholl würde AfD  wählen", hieß es beim Kreisverband Nürnberg. Julian und weitere drei Neffen wehrten sich, veröffentlichten eine Erklärung: "Sophie Scholl kann keine Partei wählen. Denn Sophie Scholl ist seit 1943 tot. Hingerichtet von Leuten, die heute in der AfD wieder Nachahmer finden." Sophie Scholl hätte bestimmt keine Partei gewählt, in der Nazi-Parolen beklatscht werden, sagt Julian Aicher.

"Sie haben die Unmenschlichkeit angeprangert"

Die Geschwister haben Julian Aichers Leben geprägt. Freude und Belastung zugleich, wie er sagt.  Belastung, weil die Erinnerung an zwei Menschen, die mit 21 und 24 ermordet wurden, schmerzvoll ist, obwohl er sie nie kennengelernt hat. Freude, weil ihr Mut ihm Vorbild ist.

Er trägt ihr Erbe weiter. Besucht etwa Schulen, um Kindern das Leben seiner Familie näherzubringen. "Sie haben die Unmenschlichkeit angeprangert", sagt er dann, "Anklage erhoben gegen Gleichgültigkeit und das Wegschauen". Das gelte noch heute. In Zeiten von Internethetze, Populismus und Fremdenfeindlichkeit. Zumal den Mund aufzumachen und sich einzumischen kein Risiko mehr sei, das man mit dem Leben bezahle. 

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Februar 2018 um 09:50 Uhr.

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