Südafrikas Präsident Jacob Zuma hält eine Rede | Bildquelle: AFP

Südafrika Zuma übersteht Misstrauensvotum

Stand: 08.08.2017 19:10 Uhr

Der südafrikanische Präsident Zuma hat ein weiteres Misstrauensvotum überstanden: Der Opposition gelang es bei der geheimen Abstimmung nicht, genügend Stimmen für die Absetzung des Staatschefs zu finden. Zuma steht unter Korruptionsverdacht.

Im südafrikanischen Parlament ist ein Misstrauensantrag der Opposition gegen Präsident Jacob Zuma gescheitert. Obwohl in der geheimen Wahl auch Abgeordnete der Regierungspartei ANC gegen Zuma stimmten, verfehlte die Opposition die notwendigen 201 Stimmen. 177 Abgeordnete sprachen sich für die Absetzung Zumas aus. 198 votierten dagegen, neun enthielten sich der Stimme. Da die Opposition gemeinsam nur 151 Sitze hat, stimmten mindestens 26 ANC-Abgeordnete gegen Zuma.

Dem 75 Jahre alten Zuma werden unter anderem Korruption und Machtmissbrauch vorgehalten.

Abstimmung im südafrikanischen Parlament | Bildquelle: AFP
galerie

Bei der Abstimmung im südafrikanischen Parlament unterstützten 177 Abgeordnete den Misstrauensantrag gegen Zuma.

ANC-Redner verzichten auf Verteidigung Zumas

Vorausgegangen war eine intensive und lautstarke Debatte. Der ANC setzte bewusst Abgeordnete auf die Rednerliste, die als kompromisslose Zuma-Verteidiger gelten. Entsprechend einhellig wiesen sie den Misstrauensantrag der Opposition als "schändlich" zurück. "Das Votum ist der Versuch, die Regierung zu stürzen, um Chaos auszulösen und selbst an die Macht zu gelangen. Wir sind keine Verräter! Wir wissen, wer uns hier her entsandt hat! Wir stimmen für den ANC", sagte die stellvertretende Fraktionschefin Dorris Dlakude.

Auffällig war: Sämtliche Redner verteidigten den ANC und griffen die Opposition an. Zumas Verfehlungen verteidigte oder relativierte niemand aus der Partei. Auch das zeigt, wie gespalten der ANC beim Thema Zuma trotz aller demonstrativen Einigkeit ist.

Oppositionsführer Mmusi Maimane, der Vorsitzende der Demokratischen Allianz, bediente sich seinerseits einer ANC-Ikone, um an das Gewissen der Abgeordneten zu appellieren. Er sagte, Nelson Mandela hätte gegen Jacob Zuma und für die Hoffnung gestimmt. Das gleiche wünsche er sich von den ANC-Parlamentariern.

Demonstrationen vor Parlament

Vor dem Parlamentsgebäude in Kapstadt demonstrierten vor der Abstimmung Anhänger und Gegner Zumas. "Tausende Menschen sind am Ende ihrer Kräfte", sagte ein Demonstrant. Sie könnten das Land nicht genießen, weil Millionen Menschen arbeitslos seien.

Die Liste der Vorwürfe gegen Zuma ist lang. Fast täglich kommen durch die "Guptaleaks" neue Details aus dem Korruptionssumpf um den Präsidenten und die eng mit ihm verbandelte Industriellen-Familie Gupta an die Öffentlichkeit. Die Dokumente zeigen, wie groß der Einfluss der Gupta-Brüder auf das Kabinett, Staatskonzerne und die Regierungspartei ANC ist.

Südafrikas Präsident Jacob Zuma übersteht weiteres Misstrauensvotum nur knapp
J.-P. Schlüter, ARD Johannesburg
08.08.2017 21:53 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Mit Material von Jan-Philippe Schlüter, ARD-Studio Johannesburg

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. August 2017 um 06:30 und tagesschau24 um 19:00 Uhr.

Darstellung: