Männer in Schutzanzügen versprühen Gift gegen das Zika-Virus | Bildquelle: dpa

Außergewöhnlich Maßnahme Brasilien lässt Soldaten gegen Mücken kämpfen

Stand: 27.01.2016 00:01 Uhr

Das Zika-Virus breitet sich weiterhin in Nord-, Mittel- und Südamerika aus. 21 Länder sind bereits betroffen. In Brasilien hat sich die Regierung jetzt zu einer außergewöhnlichen Maßnahme entschieden. Mehr als 200.000 Soldaten sollen den Kampf gegen die Mücken aufnehmen.

Im Kampf gegen das Zika-Virus schickt die brasilianische Regierung jetzt die Armee ins Feld. Wie Gesundheitsminister Marcelo Castro der Zeitung "O Globo" sagte, sollen mehr als 200.000 Soldaten von Haus zu Haus gehen, um Broschüren zu verteilen und den Menschen Tipps zum Mückenschutz zu geben. Außerdem sollen mindestens 400.000 Schwangere mit Mückenschutzmitteln versorgt werden.

"Wir laufen Gefahr, diese Schlacht zu verlieren. Es ist eine der schlimmsten Gesundheitskrisen, die das Land je erlebt hat", zitierte "O Globo" den Gesundheitsminister in ihrer Online-Ausgabe. Am 13. Februar werden nun die Soldaten ausschwärmen. Brasilien ist am stärksten von der Zika-Epidemie betroffen und steht zugleich wegen des Karnevals in Rio de Janeiro Anfang Februar und der Olympischen Sommerspiele im August besonders unter Druck.

Brasilien im Kampf gegen das Zika-Virus
ARD-Mittagsmagazin, 27.01.2016, Michael Stocks, ARD Rio de Janeiro

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Hoher Anstieg bei Fehlbildungen

Das von Stechmücken übertragene Zika-Virus grassiert derzeit in Südamerika. Es führt bei rund 20 Prozent der Infizierten zu grippeähnlichen Symptomen und ist normalerweise nicht tödlich. Schwangere können das Virus aber auf ihre ungeborenen Kinder übertragen, bei denen es zu Fehlbildungen führen kann. Bislang gibt es keinen Impfstoff gegen das Virus und kein Medikament zur Behandlung Erkrankter.

Seit Oktober wurden in Brasilien 3893 Neugeborene mit Mikrozephalie registriert - im gesamten Jahr 2014 waren es dagegen nur 147 Fälle. Dabei ist der Kopfumfang des Kindes zu klein, geistige Behinderungen sind meist die Folge. 49 der betroffenen Kinder sind inzwischen gestorben.

Andere Länder, andere Konsequenzen

Viele der 21 betroffenen Länder in Nord-, Mittel- und Südamerika wie beispielsweise Kolumbien, das mehr als 16.400 Zika-Fälle meldet, darunter 1090 Schwangere, haben bereits Konsequenzen ergriffen und Frauen dazu geraten, gewollte Schwangerschaften zu verschieben. Ein Fall bei dem Mikrozephalie festgestellt wurde, nachdem eine Schwangere an dem Virus erkrankte, habe es in Kolumbien bis jetzt aber noch nicht gegeben.

Auf Puerto Rico wurden nach Angaben von Gesundheitsministerin Ana Rius bislang 19 Fälle von Zika-Infektionen bestätigt. Bei keinem dieser Fälle handelte es sich um eine Schwangere. Das Gesundheitsministerium des Inselstaats, der zu den USA gehört, kündigte an, präventive Maßnahmen zu veranlassen und weitere Tests bei Personen durchzuführen, die an dem Virus erkrankt sind.

El Salvadors Gesundheitsministerium forderte kurzzeitig sogar einen zweijährigen Schwangerschaftsverzicht - bis Spott und Proteste es zum Zurückrudern zwangen. Inzwischen raten die Behörden Schülerinnen nur noch, lange Hosen statt Röcke zu tragen, um sich vor Mückenstichen zu schützen.

Das Virus verunsichert auch viele Touristen. "Schwangere sollten generell von vermeidbaren Reisen in Zika-Endemie-Gebiete absehen", rät das Auswärtige Amt in Berlin inzwischen mit Blick auf die rasante Ausbreitung, die im Mai 2015 in Brasilien begann.

220.000 Soldaten sollen in Brasilien Zika-Virus bekämpfen
A. Herrberg, ARD Buenos Aires
26.01.2016 16:57 Uhr

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USA starten Forschung nach Impfstoff

Die US-Regierung gab bekannt, dass mit Forschungen begonnen wurde, um einen Impfstoff gegen das Zika-Virus zu entwickeln. Allerdings könnten Jahre vergehen, bis ein entsprechendes Mittel gefunden werde, sagte Anthony Fauci von der US-Gesundheitsbehörde NIH: "Das geht nicht über Nacht." Die Suche könnte aber dadurch erleichtert werden, dass es bereits Impfstoffe in verschiedenen Entwicklungsstadien gegen Viren gibt, die der gleichen Familie zugeordnet werden wie das Zika-Virus. Dazu gehören Krankheiten wie das Denguefieber.

Woher stammt das Zika-Virus?

Das Zika-Virus ist 1947 erstmals bei einem Affen aus dem Zikawald Ugandas in Afrika festgestellt worden. Es tauchte anschließend vereinzelt in Asien auf und wurde nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen. Reisende, die binnen drei Wochen nach der Rückkehr aus einem von Zika betroffenen Land Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Hautrötungen feststellen, sollten laut RKI einen Arzt aufsuchen. Ein Bluttest kann dann definitiven Aufschluss geben.

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