Soldaten verteilen Handzettel, um über den Zika-Virus aufzuklären  | Bildquelle: dpa

Aktionstag in Brasilien Vier Millionen Handzettel gegen Zika

Stand: 13.02.2016 14:09 Uhr

Brasilien will die Ausbreitung des Zika-Virus stoppen. Dafür ziehen über 400.000 Helfer an einem Aktionstag von Haus zu Haus und verteilen vier Millionen Handzettel mit nützlichen Hinweisen. Besonders Wasserrückstände sollen um jeden Preis vermieden werden.

Von Julio Segador, ARD-Studio Buenos Aires

Brasilien rüstet sich für den Kampf gegen Zika und Dengue. 220.000 Soldaten und noch einmal so viele freiwillige Helfer und Beamte sind zurzeit in jenen Städten und Gemeinden aktiv, in denen die Infektionskrankheit bisher verstärkt auftrat. Es ist ein riesiger landesweiter Einsatz, den Verteidigungsminister Aldo Rebelo persönlich steuert.

Der brasilianische Verteidigungsminister Aldo Rebelo. | Bildquelle: dpa
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Der brasilianische Verteidigungsminister Aldo Rebelo will in den kommenden Wochen

Das Ziel des Einsatzes formuliert er wie folgt: "Dieser Aktionstag soll die Leute mobilisieren. Er soll sie motivieren, beim Kampf gegen die Mücken mitzumachen. Wir haben vor, drei Millionen Wohnungen aufzusuchen und wollen dabei vier Millionen Handzettel verteilen", sagt der Verteidigungsminister.

Zika-Impfstoff liegt in weiter Ferne

Das Zika-Virus, das durch die Tigermücke "Aedes Aegypti" übertragen wird, steht im Verdacht, Schädelfehlbildungen bei Ungeborenen auszulösen, wenn sich Schwangere infiziert haben. Bewiesen ist die Theorie noch nicht, vieles spricht aber dafür. Erst vor kurzem erklärte eine Expertin der Weltgesundheitsorganisation, dass das Zika-Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Missbildungen bei Föten und Nervenerkrankungen - dem sogenannten Guillain-Barre-Syndrom - verantwortlich sei.

Bis ein Impfstoff gegen das Virus existiert, dürfte es noch Jahre dauern. Also muss die Bevölkerung Vorsorge treffen. Der heutige Aktionstag soll die Brasilianer mehr als bisher für das Zika-Problem sensibilisieren.

Ein Soldat kontrolliert eine Sammelstelle für Regenwasser. | Bildquelle: REUTERS
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Ein Soldat kontrolliert eine Sammelstelle für Regenwasser, um Moskito-Larven zu entfernen. Pfützen, Wasserrückstände und generelle Feuchtigkeit sollen vermieden werden.

Es gilt, Pfützen und andere Wasserrückstände zu verhindern. "Das ist eine gute Idee. Die Leute werden mobilisiert. Jeder weiß, dass er künftig Brackwasser in Reifen und Töpfen verhindern muss. Denn das sind ja die Brutstätten für die Dengue-Mücke, die ja auch für die Übertragung von Zika verantwortlich ist", sagt ein Teilnehmer des Aktionstages.

"Ich denke, es fehlt an Verantwortungsbewusstsein bei jedem Einzelnen. Die Leute müssen aktiver sein. Vielleicht sind manche zu faul oder glauben, dass gerade ihr Blumentopf für die Probleme eben nicht verantwortlich ist. Immer ist der Nachbar schuld", erzählt ein Befragter.

Woher stammt das Zika-Virus?

Das Zika-Virus ist 1947 erstmals bei einem Affen aus dem Zikawald Ugandas in Afrika festgestellt worden. Es tauchte anschließend vereinzelt in Asien auf und wurde nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen. Reisende, die binnen drei Wochen nach der Rückkehr aus einem von Zika betroffenen Land Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Hautrötungen feststellen, sollten laut RKI einen Arzt aufsuchen. Ein Bluttest kann dann definitiven Aufschluss geben.

Vor allem Schulen brauchen die Informationen

Der heutige Aktionstag in ganz Brasilien ist nur der erste Schritt im Kampf gegen Zika und Dengue. In der kommenden Woche rücken dann erneut 50.000 Soldaten aus, die mit Insektiziden gezielt die Eiablageplätze und Larven der Moskitos bekämpfen. In einer dritten Etappe soll es dann verstärkt Informationen an Schulen geben.

Ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums und ein Soldat kontrollieren mögliche Vertecke für Moskito-Larven. | Bildquelle: AFP
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Neben den 220.000 Soldaten helfen noch einmal so viele Freiwillige an dem Aktionstag. Auch Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums sind bei der Aufklärung vor Ort mit dabei.

Auf diese Weise will Staatspräsidentin Dilma Rousseff den Krieg - wie sie ihn bezeichnet - gegen Zika gewinnen. Und sie hofft, dass das ganze Volk mit seinen 200 Millionen Einwohnern sich daran beteiligt: "Alle, wirklich alle müssen bei diesem Krieg gegen das Virus mitmachen, sonst verlieren wir diesen Kampf. Wenn sich alle daran beteiligen, dann verlieren wir ihn nicht", erklärt Rousseff. Davon sei sie absolut überzeugt.

Aktionstag gegen Zika und Dengue in Brasilien
Julio Segador, ARD Buenos Aires
13.02.2016 12:32 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 13. Februar 2016 um 17:14 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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