Thailands frühere Regierungschefin Yingluck Shinawatra | Bildquelle: AFP

Prozess in Thailand Ex-Premier Yingluck ins Ausland geflohen

Stand: 25.08.2017 14:35 Uhr

Thailands frühere Regierungschefin Yingluck hat sich ins Ausland abgesetzt. Das bestätigte ein Sprecher ihrer Partei. Sie steht wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht, war dort am geplanten letzten Prozesstag aber nicht erschienen.

Die frühere thailändische Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra ist aus Thailand geflohen. Sie habe das Land verlassen, sagte ein Vertreter ihrer Partei Pheu Thai ("Partei für Thais"). Örtliche Medien berichten unter Berufung auf ihre Familie, sie sei bereits vor zwei Nächten über Kambodscha nach Singapur geflohen. Das Oberste Gericht hatte einen Haftbefehl gegen die 50-Jährige wegen Fluchtgefahr erlassen, als sie am geplanten letzten Prozesstag nicht vor Gericht erschienen war.

Nach thailändischen Medienberichten wies Regierungschef Prayut Chan-o-cha die Grenzbehörden an, nach Yingluck zu suchen. Laut der "Bangkok Post" sagte Prayut, er habe nicht damit gerechnet, dass Yingluck fliehen würde. "Sie hat immer gesagt, dass sie sich selbst verteidigen würde", zitiert ihn die Zeitung.

Urteil auf Ende September verschoben

Yingluck steht in Thailand wegen Steuerverschwendung vor Gericht. Am heutigen Gerichtstag war sie allerdings nicht erschienen. Zuvor hatte sie aus Krankheitsgründen um eine Verschiebung des Urteils gebeten - nach Angaben des Gerichts fehlte aber ein ärztliches Attest. Das Gericht verschob das Urteil kurz vor der Verkündung auf den 27. September.

Verluste durch Reis-Subventionen

Die Anklage wirft Yingluck vor, dem Staat mit Subventionen für das Grundnahrungsmittel Reis Verluste in Milliardenhöhe verursacht zu haben. Durch das Regierungsprogramm zum Reisanbau bekamen Bauern für den Reis bis zu 50 Prozent mehr als den Weltmarktpreis. Im Raum steht ein Schaden zwischen vier und 17 Milliarden US-Dollar - umgerechnet bis zu 14,5 Milliarden Euro.

Ein Mann geht am Eingang des Hauses von Thailands früherer Regierungschefin Yingluck vorbei. | Bildquelle: AFP
galerie

Eingang zum Wohnsitz von Yingluck in der thailändischen Hauptstadt Bangkok

Yingluck weit die Vorwürfe zurück und nennt die Entscheidung politisch motiviert. Sollte sie schuldig gesprochen werden, drohen ihr bis zu zehn Jahre Gefängnis und ein lebenslanges Verbot der politischen Betätigung. Das Urteil kann sie vor einem Berufungsgericht anfechten.

Ausschreitungen befürchtet

Bei einem Schuldspruch werden Ausschreitungen befürchtet. Yingluck hat in dem südostasiatischen Königreich immer noch eine große Anhängerschaft, vor allem in ärmeren Schichten der Bevölkerung.

Proteste für Yingluck Shinawatra | Bildquelle: AP
galerie

Emotionaler Protest: Unterstützer von Yingluck versammelten sich vor dem Gerichtsgebäude

Schon vor Beginn des geplanten letzten Prozesstages hatten sich Tausende Unterstützer der früheren Regierungschefin vor dem Gerichtsgebäude versammelt, das wiederum von mehreren Hundertschaften der Polizei abgeriegelt wurde.

Yingluck ist die Schwester des früheren Regierungschefs Thaksin Shinawatra, der nach einer Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs im Exil lebt. 2011 wurde sie als erste Frau zur Ministerpräsidentin gewählt. Im Mai 2014 setzte das Verfassungsgericht sie ab. Kurz darauf putschte sich das Militär an die Macht, das bis heute regiert.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. August 2017 um 07:45 Uhr.

Darstellung: