Xi Jinping | Bildquelle: REUTERS

Parteitag in China Ein Tanz für den drögen Herrn Xi

Stand: 23.10.2017 09:56 Uhr

Während der Parteitag in China weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, sind einige Menschen in Peking sehr aufgeregt: "Onkel Xi liebt Tante Peng" heißt der Grund. Das Lied entwickelt sich zum Straßenfeger.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Da wirkt er menschlich, Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping. Nicht wie der unnahbare Führer der Volksrepublik, der vielleicht mächtigste Mann der Welt. Er lächelt, und plaudert auf dem Parteitag mit einer Delegierten aus der Provinz Guizhou über Schnaps, in China "Baijiu": "Wie teuer ist ihr Schnaps?", fragt Xi. "99 Yuan", sagt die Schnaps-Unternehmerin. "Das ist aber nicht gerade billig", antwortet Chinas Parteichef. Die Runde lacht vergnügt.

Das brave Parteimitglied erwidert sofort, sie würde den Gedanken ihres Vorsitzenden folgen. Sie habe auch schon immer gedacht, Schnaps müsse für jeden erschwinglich sein, Volks-Schnaps sozusagen. Es gibt wenige Szenen wie diese, die vom Parteitag nach außen dringen. Die Veranstaltung folgt einem streng ritualisierten Ablauf und wirkt aus der Zeit gefallen. Viel erfährt man nicht - Chinas Machtzentrum ist wie eine Black Box.

Ein Teller, bemalt mit einem Portrait Xi Jingpings, neben Porzellanfiguren des verstorbenen Staatschefs Mao Zedongs. | Bildquelle: AFP
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Xi Jingping ist überall: Ein Teller, bemalt mit seinem Porträt, neben Porzellanfiguren des verstorbenen Staatschefs Mao Zedongs.

"Großartig - sein Anzug passt zum Dress seiner Frau"

Anders ist das in Parks und an einigen Straßenecken. Dort tanzen die Chinesen zu einem Lied über Xi Jinping und seine Frau Peng Liyuan. Für den Song "Onkel Xi liebt Tante Peng" gibt es sogar eine eigene Choreografie. Und nicht nur ältere Damen in fleischfarbenen Socken tanzen danach, auch die junge Xiong Jiahui. Sie ist 27 Jahre alt und seit vier Jahren Parteimitglied. Der Parteitag ist für sie ein Höhepunkt. "In den vergangenen fünf Jahren unter Xi hat sich die Lebensqualität der Menschen deutlich verbessert", sagt sie. "Der Vorsitzende Xi ist großartig. Immer wenn er ins Ausland reist, passt sein Anzug genau zum Dress seiner Frau."

Die Frau des Präsidenten, Peng Liyuan, bringt einen Hauch von Glamour in den sonst so steif daher kommenden Politikbetrieb Chinas. Peng ist in der Öffentlichkeit beliebt und gilt in China als Stil-Ikone. Sie war einst eine berühmte Volkssängerin.

Xi Jinping und seine Frau Peng Liyuan | Bildquelle: AFP
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Peng Liyuan sorgt für Glamour an der Seite ihres Mannes.

Xi - dröge, aber verehrt

Ihr Mann, Staats- und Parteichef Xi, klingt dagegen eher dröge. Er hat in seiner Parteitagsrede 148 Mal das Wort Sozialismus benutzt und rief eine neue Ära des Sozialismus chinesischer Prägung aus. Bislang ist das die Überschrift für diesen Parteitag. Eine neue Ära mit einem Parteichef Xi, der immer mächtiger wird, den die meisten Chinesen aber verehren. Wie die 60-jährige Frau Gao aus Peking. "Alles war sehr gut bislang. Wir hatten erfolgreiche fünf Jahre unter seiner Führung. Wir sind alle sehr aufgeregt."

Frau Gao ist seit 32 Jahren Parteimitglied und glaubt, wie viele andere in ihrem Land, fest an die zentralen Botschaften der Partei: etwa an die Wiedergeburt der großen chinesischen Nation - wirtschaftlich erfolgreich und mit einer bestimmenden Rolle in der Weltpolitik.

Parteitag vor Abschluss

Am Dienstag geht der 19. Parteitag in Peking zu Ende. Das neue Zentralkomitee wird am Mittwoch zusammentreten, um die Zusammensetzung des neuen Politbüros zu billigen. Daraus bildet sich dann das oberste Machtgremium Chinas, der Ständige Ausschuss des Politbüros - das mit Spannung erwartete neue Führungsteam um Staatspräsident Xi Jinping.

Onkel Xi, Tante Peng und die neue Ära des Sozialismus
Axel Dorloff, ARD Peking
23.10.2017 09:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Oktober 2017 um 05:21 Uhr.

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