Parkbank im winterlichen Warschau | Bildquelle: picture alliance / NurPhoto

Winter in Europa Zahl der Kältetoten steigt

Stand: 09.01.2017 17:28 Uhr

Die klirrende Kälte in Europa wird zur tödlichen Bedrohung für Obdachlose, Flüchtlinge und andere arme Menschen. In Polen, Tschechien und der Ukraine stieg die Zahl der Kältetoten an. Griechenland kämpft derweil mit viel Neuschnee.

Die Kältewelle hat vor allem im östlichen Europa viele Todesopfer mit sich gebracht. Allein am Sonntag seien zehn Menschen erforen aufgefunden worden, teilte das polnische Krisenzentrum RCB mit. Damit gab es während der aktuellen Kältewelle 30 Kältetote in dem Land.

Im benachbarten Tschechien erhöhte sich die Zahl der Kältetoten von drei auf sieben. In Prag seien seit Freitag vier Obdachlose erfroren, sagte Rettungsdienstsprecher Dominik Horn. Neun Menschen seien mit Unterkühlung oder Erfrierungen behandelt worden. In mehreren Fällen habe Alkoholkonsum die Auskühlung verstärkt. Tote gab es auch in Brno (Brünn) und Karvina.

Minus 25 Grad

Zwei Jäger stehen bei Minsk nahe eines Heizkraftwerks. | Bildquelle: AP
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Diese beiden Jäger trotzen der weißrussischen Kälte.

In der Westukraine erfroren bei eisigen Temperaturen innerhalb eines Tages mindestens vier Menschen. Seit Jahresbeginn starben damit landesweit nach Medienberichten insgesamt mindestens acht Menschen bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad. In Weißrussland kamen fünf Menschen in der Nähe von Minsk bei minus 25 Grad Celsius ums Leben, berichtete die Agentur Interfax.

Neuschnee sorgt für Chaos

Auch der Süden Europas bibbert bei Minusgraden. Aus Italien werden zwei Todesfälle gemeldet. Bei Brindisi wurde ein 82-Jähriger erfroren aufgefunden, in dessen Wohnung es keine Heizung gab. Ein 78-Jähriger fiel kältebedingt in Ohnmacht und stürzte zu Tode.

In Griechenland sorgten vor allem ungewöhnliche Mengen Neuschnee für teils chaotische Zustände. Etliche Dörfer und auch Inseln sind mittlerweile von der Außenwelt abgeschnitten. In vielen Fällen gebe es keine Stromversorgung und damit auch kein Wasser und keine Heizung mehr, weil Pumpen nicht betrieben werden könnten oder Wasserrohre zugefroren seien, berichtete der Radiosender Athina 984. Die Schulen blieben in weiten Teilen des Landes geschlossen.

Eine dicke Eisschicht bedeckt Autos in Thessaloniki. | Bildquelle: AFP
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Eine dicke Eisschicht bedeckt Autos in Thessaloniki.

Flüchtlinge frieren in Zelten

Auf der Insel Euböa lag der Schnee selbst in Küstenorten bis zu drei Meter hoch. Auch die Inselgruppe der Sporaden in der nördlichen Ägäis ist stark betroffen: Die etwa 2800 Bewohner von Alonnisos haben seit dem Wochenende keinen Strom und kein Telefonnetz mehr, nachdem umstürzende Bäume Oberleitungen zerstörten.

Auch Flüchtlinge auf den griechischen Inseln der Ostägäis leiden unter dem plötzlichen Wintereinbruch. Weil auf Chios und Lesbos nicht ausreichend beheizbare Wohncontainer zur Verfügung stehen, campen dort viele Menschen in Zelten. Die Zelte seien mittlerweile eingeschneit, berichteten Flüchtlingshelfer.

Die EU-Kommission bezeichnete die Zustände für Flüchtlinge in Griechenland nach dem Wintereinbruch als unhaltbar. Trotz des kalten Winterwetters seien sie auf Inseln und dem Festland in Zelten untergebracht, kritisierte Sprecherin Natasha Bertaud. Ein Sprecher der griechischen Regierung betonte indes, weniger als 1000 Menschen seien noch in Zelten untergebracht.

Neuschnee auf Kreta

Selbst auf Kreta weit im Süden des Landes fielen die Temperaturen nachts auf minus 15 Grad. Hafenstädte wie Rethymno, Chania und Heraklion waren seit Jahrzehnten erstmals tief verschneit. Bereits am Wochenende hatten Wintersportler aus dem tief verschneiten Gebirge Psiloritis Videos von Snowboardern ins Internet gestellt.

Ruhe auf der Donau

Das harte Winterwetter sorgte auch für Beeinträchtigungen im Verkehr. In Istanbul konnten weniger als 300 der sonst üblichen 1500 Flüge abgefertigt werden. Die Fährverbindungen zwischen dem europäischen und dem asiatischen Teil der Millionenmetropole Istanbul lagen still.

In Serbien wurden bei Temperaturen von bis zu minus 33 Grad die Schifffahrt auf Donau und Save eingestellt. In der Hauptstadt Belgrad suchten Flüchtlinge in einer Lagerhalle in der Nähe des Bahnhofs Zuflucht. "Niemand hilft uns, ich habe keine Ahnung, wie wird das ertragen sollen", sagte ein junger Afghane.

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Strenger Winter in Europa

Ein Fahrradfahrer stürzt bei extremer Glätte auf einem Radweg in Elmshorn, Schleswig-Holstein.

Ein Fahrradfahrer stürzt bei extremer Glätte auf einem Radweg in Elmshorn, Schleswig-Holstein. Spiegelglatte Wege im Norden haben zu Dutzenden Stürzen und Unfälle geführt. | Bildquelle: dpa

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. Januar 2017 um 09:12 Uhr

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